Mission Rußlands

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  • nach: Johannes Alzog, Mainz 1872, S. 587 f.


Die Tataren vom Kaspischen Meere, dem Kaukasus, der Wolga bis zur Donau, eines Stammes mit den Türken, traten in Europa unter dem Namen Awaren, Khasaren und Bulgaren auf. Die Awaren hatten am Ende des 6. Jh. den Landstrich von Ungarn bis Friaul, bis zur Enns und Elbe eingenommen, den westlichen Teil [Europas] hatte Karl der Große seiner Herrschaft und damit der christlichen Religion[1] unterworfen; im 9. Jh. verschwindet ihr Name aus der Geschichte.

Die Khasaren drangen in Europa nur bis Südrußland vor; in religiöser Hinsicht blieben sie lange geteilt zwischen Heidentum, Judentum, Islam und Christentum, welches letztere Kyrill[2] unter ihnen verkündete. Die Bulgaren, welche sich im Norden an der Wolga niederließen, gingen im 9. und 10. Jh. meist zum Islam über, wogegen andere sich in Mösien niederließen und das europäische Bulgarien gründeten.

Durch kriegerische Berührung mit Byzanz lernten sie das Christentum kennen und wurden durch Erhörung des Christengottes bei einer Hungersnot günstig dafür gestimmt. Auf Veranlassung ihre Fürsten Bogoris sandte Kaiser Michael 863 den Mönch Methodius, welcher durch die Kraft seiner Rede und die Erschütterung, welche er mit einem das Jüngste Gericht darstellenden Gemälde hervorbrachte, den Fürsten und zahlreiches Volk bekehrte.

Bald trat Bogoris mit Papst Nikolaus I. in Verbindung und erbat sich römische Geistliche, dennoch nahm er den von Hadrian II. gesandetn Ebf. Sylvester nicht an, sondern ließ einen anderen durch den Patriarchen Ignatius weihen, ohne auf die Reklamation des römischen Bischofs zu achten, was ein neuer Gegenstand zur Unzufriedenheit beider Kirchen wurde.

Die Russen einigten sich zuerst unter dem Waräger Rjurik (867 - 74) zu einem Reiche. Mit dem ererbten Raubsinne und Unternehmensbeiste der Normannen waren sie kriegerisch und drohend Konstantinopel genaht, bei dieser Gelegenheit aber von neuem mit dem Evangelium des Friedens bekannt geworden.

Nach einer alten Überlieferung nämlich soll schon der hl. Apostel Andreas am Don in Chersones und in der Gegend von Kijew die christliche Lehre verkündet haben. Jedenfalls muß das Christentum schon früh im südlichen Rußland verbreitet worden sein., da bereits Tertullian, Origines, später Chrysostomus u. a. von dem wunderbaren Triumfe des Kreuzes sprechend hervorheben: daß die Lehre desselben sogar bis zu den fernen Skythen und Sarmaten gedrungen sei, zu denen nach den geographischen Berichten des Strabo und Takitus auch die jetzigen Russen und Roxolanen gehörten.

Aber in den Stürmen der Völkerwanderung scheinen die ersten schwachen Spuren des Christentums gänzlich verschwunden zu sein. Erst im 9. Jh. befestigte sich das Evangelium, als der Patriarch Ignatius um 867 Glaubensboten nach Rußland sandte. Die weitere Christianisierung dieses Landes erfolgte dann im 10. Jh.


Verweise


Einzelnachweise

  1. d. h. dem Katholizismus
  2. s. 950 ???