Montekassino (Abt.)

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  • Auch Montecassino; Monte Cassino; Abbatia Territorialis Montis Cassini


Die Abtei Montekassino ist das Mutterkloster der Benediktiner in der Provinz Frosinone in Italien.


Gründung

Sie wurde von Benedikt von Nursia im Jahre 529 an der Stelle eines alten Apollotempels errichtet und steht im Range einer Erzabtei. Zudem ist ihr als Territorialabtei ein kirchliches Territorium zugeordnet, das allerdings 2014 auf das Areal der Abtei beschränkt wurde. Der Klosterkomplex liegt auf einem 516 m hohen felsigen Hügel im Stadtgebiet von Cassino (dem römischen Casinum, später San Germano) zwischen Rom und Neapel. Montecassino gilt als eines der bedeutendsten geistlichen Zentren des Mittelalters und erlangte durch große Theologen (Petrus Diaconus), Historiker, Mediziner, Exegeten und Mathematiker (Pandulf) besondere wissenschaftliche Bedeutung.

Geschichte

Benedikt von Nursia gründete der späteren Überlieferung zufolge im Jahr 529 an der Stelle der früheren römischen Befestigungsanlage Kasinum ein Kloster und verfaßte für die Gemeinschaft eine Klosterregel, welche später die Grundlage für den nach ihm benannten Benediktinerorden wurde.

Im Jahr 577 wurde das Kloster durch die Langobarden zerstört.

Karolingische Zeit

Abt Petronax von Brescia besiedelte es im Jahr 717 im Auftrag Papst Gregors II. und unterstützt durch Willibald von Eichstätt neu. In der Folge gewann das Kloster rasch an Bedeutung. Der fränkische Hausmeier Karlmann verbrachte seinen Lebensabend in Monte Cassino. Sein Neffe Karl der Große besuchte das Kloster 787, stattete es mit umfangreichen Privilegien aus und ließ sich eine authentische Abschrift der Benediktsregel geben.

Das Kloster Fulda wurde unter Abt Sturmin nach dem Vorbild Montekassinos erbaut und reguliert. [[Paulus Diakonus]], ein langobardischer Adliger, verfaßte hier als Mönch seine "Historia Langobardorum". Auf den Synoden von Aachen wurde die Benediktregel als alleinverbindliche Mönchsregel festgelegt, was die Bedeutung des Klosters als Gründungskloster des lateinischen Mönchslebens erhöhte. Zeitgleich, unter Abt Gisulf, wurde eine dreischiffige Kirche errichtet.

Das Kloster wurde 883 von Sarazenen ausgeplündert und zerstört. Abt Bertarius wurde bei dem Überfall getötet. Die Mönche zogen sich nach Teano, später nach Capua zurück.

Mittelalter und Frühe Neuzeit

Die kluniazensische Reform des Ordenslebens konnte aufgrund der normannischen Präsenz nicht richtig Fuß fassen, auch wenn Abt Aligernus als Schüler Odos von Kluny den Versuch unternahm.

Die Äbte und späteren Päpste Friedrich von Lothringen und Desiderius ließen das Kloster ausbauen, und die nahe gelegene Schule von Salerno erlangte unter der Schirmherrschaft der Benediktiner einen hervorragenden Ruf als medizinische Ausbildungsstätte. Während der Amtszeit des Desiderius füllte sich die Bibliothek des Klosters zudem mit Handschriften – unter anderem auch Schriften der Mönche Amatus und Petrus Diaconus – die mit Miniaturen ausgeschmückt waren, mit Mosaiken, Emailmalereien und Goldarbeiten orientalischer Prägung. Am 1. Oktober 1071 weihte Papst Alexander II. eine neu errichtete Basilika ein.

Mit Paschalis II. wurde 1118 ein weiterer Mönch aus Montecassino zum Papst gewählt. Zumindest zwei Äbte wurden auch zum Kardinal ernannt. 1230 besetzte Kaiser Friedrich II., auch König von Sizilien, das Kloster und vertrieb die Mönche. Unter Papst Zölestin V. wurde die Abtei 1294 in die Kongregation der Zölestiner eingegliedert. 1321 erhob Papst Johannes XXII. das Kloster und sein Territorium zur Diözese. Dieses Privileg wurde 1367 wieder abgeschafft.

In der Zwischenzeit, im Jahr 1349, wurde das Kloster durch ein Erdbeben zum dritten Mal fast völlig zerstört. Während des nachfolgenden Wiederaufbaus wurden verschiedene Ergänzungen und Verschönerungen im Stil der Renaissance und des Barock vorgenommen, die dem Kloster sein stattliches Aussehen verliehen, das es bis zum 15. Februar 1944 beibehalten hat.

WK 1I

In der Endphase des Zweiten Weltkriegs war Montekassino Zufluchtsort für Zivilpersonen. Trotz gegenteiliger Versicherungen seitens der Wehrmacht und des Vatikans befürchteten die Alliierten, daß sich aufgrund der militärisch günstigen Lage deutsche Soldaten im Kloster aufhalten könnten. Die deutsche Seite gab Anweisung, sich keinesfalls der Anlage zu nähern, und tat dies über unverschlüsselte Funksprüche auch kund. Die Alliierten führten am 15. Februar 1944 einen massiven, dreistündigen Bombenangriff auf das Kloster durch, wobei 250 verbliebene Flüchtlinge und Mönche den Tod fanden. Mit Ausnahme der Krypta wurde das Kloster an diesem Tag bis auf die Grundmauern zerstört. Dies war eines der schlimmsten Kriegsverbrechen der Alliierten im 2. WK, einem Kriegk der von alliierten Kriegsverbrechen geradezu strotzte. Pius XII. hatte den Schutz des Klosters durch deutsche Kräfte abgelehnt.

Nach der Bombardierung rückte die Wehrmacht in die Ruinen ein und besetzte sie für die Dauer mehrerer Monate. Es folgte eine der blutigsten Schlachten des Zweiten Weltkriegs, die Schlacht um Monte Cassino.

Der Vatikan erklärte später, vor der Bombardierung hätten sich weder deutsche Soldaten noch Kriegsgerät im Kloster befunden.

Der Wehrmachts-Oberstleutnant Julius Schlegel hatte, als sich die Front näherte, die Kunstschätze des Klosters Montecassino auf 100 Armeelastwagen verladen lassen und in die Engelsburg nach Rom evakuiert. Der Wiederaufbau des Klosters war nicht zuletzt deshalb möglich, weil Julius Schlegel auch alle Baupläne rettete.

Nach 1945 wurde die Abtei mit Hilfe des italienischen Staates in zehn Jahren nach den ursprünglichen Bauplänen wiederaufgebaut, dem Leitsatz des Abtes Ildefonso Rea „Wo es stand und wie es war“ folgend.

Verweise