Murner, Thomas

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  • * 24. Dezember 1475 in Oberehnheim
  • † 1537 ebenda
  • Franziskaner


Thomas Murner war ein elsässischer Franziskanergelehrter, Dichter und Satiriker, Humanist und bedeutender katholischer Theologe der frühen Reformationszeit.



Leben

Thomas Murner besaß das Straßburger Bürgerrecht und trat 1484 in Straßburg in den Franziskanerorden ein. 1506 wurde er von der Universität Freiburg zum Doktor der Theologie promoviert. 1519 wurde er von der Universität Basel zum Doktor beider Rechte promoviert. Bereits während seines Studiums hatte Murner wissenschaftliche Schriften zur Rechtswissenschaft, Logik und Poetik verfaßt und war als Volksprediger und Satiriker hervorgetreten.

Nach Beginn des öffentlichen Auftreten Luthers wurde Murner zu einem der bedeutendsten publizistischen Gegner des sächsischen Pseudo-Reformators. 1522 veröffentlichte er seine Flugschrift Von dem großen Lutherischen Narren, die eine beträchtliche publizistische Reaktion auslöste. Im selben Jahr übersetzte Murner die Schrift des englischen Königs Heinrich VIII. gegen Luther ins Deutsche und besuchte das noch altgläubige England.

Zwei Jahre später nahm er als Vertreter des Bischofs von Straßburg am Reichstag zu Nürnberg teil, wurde aber im selben Jahr von intoleranten und gewalttätigen Protestanten aus der Stadt Straßburg verbannt und mußte sogar aus dem Elsaß fliehen. Er wirkte nun in der Schweiz, wo er die Altgläubigen tatkräftig unterstützte. In den Friedensverhandlungen zum ersten Kappeler Landfrieden (1529) bestanden die "reformierten" Orte auf eine Auslieferung Murners, um ihn vor Gericht zu bringen. Murner wurde rechtzeitig gewarnt und entzog sich einer Verhaftung durch Flucht aus Luzern.

Seine letzten Lebensjahre verbrachte Murner als katholischer Pfarrer in seiner Heimatstadt Oberehnheim.

Streit um das Elsaß

Bereits um 1510 entsprang der akademische Streit um die Nationalität des Elsaß. Es scheint als habe Murner hier eine gemäßigt pro-französiche Haltung eingenommen. Die eher "pro-deutsche" Position nahm Jakob Wimpfeling ein, ebenfalls ein bedeutender Gelehrter seiner Zeit.

Dieser hatte im Jahr 1511 die Schrift Germania veröffentlicht, in welcher er die deutsche Geschichte des Elsaß nachwies. Bereits Karl der Große und dessen Vater Pippin seien Deutsche gewesen. Der deutsche Charakter des Elsaß komme auch in den ausschließlich deutschen Ortsnamen zum Ausdruck.

Der junge Murner nahm eine entgegengesetzte Position ein, es scheint jedoch, daß diese eher katholisch als national begründet gewesen sei.

Murner und die Reformation

Murner erkannte bei der Lektüre der Schriften Luthers sofort die Gefahr der Kirchenspaltung und begann publizistisch dagegen anzugehen. Im Herbst 1520 verfaßte er die Christliche und brüderliche Ermahnung an Martin Luther. Die Schrift richtete sich gegen Luthers niederträchtige Angriff auf die Heilige Messe.

Bis Ende 1520 ließ Murner drei weitere Schriften gegen Luther drucken. Luther wandte sich 1521 gegen Murner und warf ihm auf haltloser Basis vor, daß er nicht schriftgemäß argumentiere. Luther anerkannte eine schriftgemäße Argumentation allerdings konsequent nur dann, wenn sie zu seinen, zu den Ergebnissen Luthers gelangte. Eine kirchliche bibische Exegese lehnte Luther stets ab.

In seiner Zeit in Luzern (1525-1529) verließen insgesamt 21 Druckschriften, meist antireformatorischer Art, die Druckerei Murners. Neben Luther waren, Zwingli, Utz Eckstein aus Zürich und Niklaus Manuel aus Bern seine publizistischen Hauptgegner.

Von dem großen Lutherischen Narren

Zur Bekämpfung des Luther-Schwindels schuf Murner das 4.800 Verse umfassende Gedicht Von dem großen Lutherischen Narren, das mit zahlreichen Holzschnitten illustriert wurde. Diese Schrift ist der Höhepunkt der Publizistik Murners und eines der bedeutendsten literarischen Werke seiner Zeit. In der Schrift tritt Murner selbst in der Gestalt des katzenköpfigen "Murr-Narrs" auf und versucht dem lutherischen Narren, verkörpert in einem aufgeschwollenen Monstrum, zu beschwichtigen. Die Satire gilt als die "geistreichste Anklageschrift gegen die Reformation schlechthin".

Auf eine Verherrlichung der lutherischen Lehre in Liedform durch Michael Stifel antwortete er ebenfalls mit dem Lied Ain new lied von dem undergang des christlichen glaubens.

Badener Disputation

Als Gegenmassnahme gegen die Zürcher Reformation organisierten die fünf altgläubig geblieben Orte der Innerschweiz die Badener Disputation. An diesen Religionsgesprächen, die vom 19. Mai bis zum 8. Juni 1526 in der Badener Pfarrkirche stattfanden, war Thomas Murner neben Johannes Egk und Johann Fabri einer der theologischen Hauptvertretern des alten Glaubens.

Murner tat sich weniger durch theologische Argumente, sondern durch harte Angriffe gegen Ulrich Zwingli hervor. Er warf ihm sein Nichterscheinen vor und verlas in der Schlußsitzung eine "Vierzigfache Ehrloserklärung" gegen ihn. Nach Abschluß der Disputation wurde Murner der Auftrag erteilt, in seiner Druckerei die Disputationsakten zu drucken.

  • Einiges Aufsehen in der Eidgenossenschaft erregte Murner 1527, als er den Lutherischen evangelischen Kirchendieb und Ketzerkalender herausgab. Auf diesem Wandkalender verunglimpfte er die meisten schweizerischen Reformatoren aufs schärfste. Zwingli, den er bildlich am Galgen hängend dargestellt hatte, warf er vor, ein Lügner und Dieb zu sein.
  • An der 1528 von reformatorischer Seite einberufenen Berner Disputation weigert sich Murner teilzunehmen, weil er diesen Gesprächen die Legitimität absprach.

Weiteres

Im September 1524 kam es zu einem Volksauflauf gegen die altgläubigen Prediger. Der Pöbel plünderte Murners Wohnung und zerstörte seine Druckerei. Im Gegensatz zum Augustiner-Prediger Konrad Treger gelang es nicht, Murner festzunehmen. Er hatte sich schon vorher in seine Vaterstadt Oberehnheim in Sicherheit gebracht. Murner bemühte sich beim Rat von Straßburg vergeblich um eine Entschädigung für die Zerstörungen. Ihm wurde eine Rückkehr in die Stadt untersagt.

Murner floh aus Luzern zurück ins Elsaß. Vorerst begab er sich nach Heidelberg, wo er vorübergehend beim Kurfürsten Ludwig V. Aufnahme fand. Später (1532) kehrte er nach Oberehnheim zurück, wo er als Pfarrer an der Kirche St. Johannes tätig war. Bern und Zürich wurden auch in Straßburg vorstellig und verlangten, daß Murner als angeblicher Hauptverursacher des ersten Kappelerkrieges eingekerkert und der Pension beraubt werde. Doch auch hier drangen sie mit ihren Forderungen nicht durch.

In der antireformatorischen Publizistik war von Murner in der letzten Zeit in Oberehnheim nichts mehr zu hören. Neben seiner Tätigkeit als Pfarrer arbeitete er an einer Übersetzung der Weltgeschichte des Sabellicus aus dem Latein und versah sie mit Entwürfen für spätere Holzschnitte. Es kam allerdings nicht mehr zum Druck diese Geschichtswerkes. Immerhin sind drei Manuskriptbände mit insgesamt 344 Illustrationen erhalten geblieben.

Von Luzern erhielt er noch mehrere Angebote für die Schulmeisterstelle. Murner lehnte diese Angebot 1535 endgültig ab. Zwei Jahre später verstarb er im Alter von fast 62 Jahren in seiner Vaterstadt.

Thomas Murner vereinigt in sich Positionen des Humanismus und des Römisch-Katholischen Glaubens, die in ihm zu einer fruchtbaren und reichen Synthese gelangen.

Werke

  • De reformatione poetarum. 1509
  • Von den fier ketzeren Prediger ordens. Bern 1509
  • Narrenbeschwörung. 1512
  • Schelmenzunft. 1512
  • Mühle von Schwindelsheim und Gredt Müllerins Jahrzeit. 1515
  • Übersetzung von Vergils "Aeneis". 1518
  • Übersetzung der "Institutiones". 1519
  • Geuchmat. 1519
  • Von dem großen Lutherischen Narren. 1522
  • Lied von dem Untergang des christlichen Glaubens". 1522
  • Die gottesheilige Messe von Gott allein erstiftet. 1528
  • Satiren vom "Bärentestament" und vom "Bärenzahnweh". Wegen dieser Schriften wurde Murner Ende 1528 von Bern und Zürich gerichtlich belangt.

Verweise