Neumann, Kaspar

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  • * 14. September 1648 in Breslau
  • † 27. Januar 1715 ebenda


Kaspar Neumann war er ein lutherischer Dichter und Soziologe.


Leben

Nach Beendigung seiner Universitätszeit trat Neumann in den Dienst Herzogs Ernst des Frommen und begleitete dessen Erbprinzen auf einer Reise durch Deutschland und die Schweiz. Es folgten einige Jahre als Hofprediger in Altenburg. In dieser Zeit heiratete er die Tochter des Leibarztes des Fürsten von Sachsen-Gotha, J. J. Rabe. Bald darauf 1678 erhielt Neumann einen Ruf als Diakonus an der Maria-Magdalenen-Kirche in Breslau tätig zu sein. Er kehrte in seine Heimatstadt zurück und blieb ihr bis zu seinem am 27. Januar 1715 erfolgten Tode eng verbunden. Auch eine Berufung als Superintendent nach Lüneburg 1692 lehnte er ab. In Breslau war er zuvor Pastor an der Magdalenenkirche (1689) und seit 1697 bekleidete er die Stelle eines Inspektors der evangelischen Kirchen und Schulen und eines Pastors der Elisabeth-Kirche, sowie die damit verbundene erste Professur für Theologie an beiden städtischen Gymnasien.

Wirken

Zu Neumanns bedeutsamsten Leistungen auf theologischem Gebiet zählt das von ihm verfaßte Gebetbuch "Kern aller Gebete", das erstmals in Jena 1680 erschien, in alle bedeutenden europäischen Sprachen übersetzt und bis zu seinem Tod 22 mal aufgelegt wurde. Des Weiteren verfaßte Neumann eine Anzahl von Kirchenliedern und veranlaßte 1703 die Herausgabe des ersten schlesischen Kirchengesangbuches.

Naturforschung

Neumann verfolgte nicht nur die neuesten naturwissenschaftlichen Entdeckungen aufmerksam und diskutierte in seinen Briefen astronomische, meteorologische und physikalische Beobachtungen, sondern er betätigte sich auch selbst unter anderem auf dem Gebiet der Botanik, indem er insbesondere neben anderen botanischen Seltenheiten die Pflanzen der Bibel in seinem Hausgarten zu kultivieren suchte. Ausgehend von seiner theologischen Bildung und seinen naturwissenschaftlichen Interessen versuchte Neumann die Methoden der Naturforschung mit der Theologie zu verknüpfen. Die mathematisch- experimentelle Untersuchungsweise, die auf vielen Gebieten der Naturwissenschaft im 17. Jahrhundert so erfolgreich praktiziert wurde, diente Neumann als Vorbild auch bei der Untersuchung der Bewegungen im Leben und Sterben der Menschen.

Anfänge der Statistik

Davon ausgehend sammelte, ordnete und verglich er die in den Kirchenbüchern seiner Heimat niedergelegten Nachrichten über Geburts- und Sterbefälle der evangelischen Gemeinden von Breslau und bemühte sich, Informationen auch aus anderen Orten zu erhalten.

Rückführung auf göttliche Einflüsse

Neumanns erstmaliger Versuch, gestützt auf die empirische Analyse massenstatistischer Daten gesetzmäßige Zusammenhänge zwischen Leben und Tod zu finden ist darauf gerichtet die Wirksamkeit Gottes gerade auf diesem Gebiet nachzuweisen. In diesem Sinne eines „biometrischen Gottesbeweises“ kann er als legitimer Vorläufer des Begründers der Bevölkerungsstatistik in Deutschland, J.P. Süßmilch (1707–1767) gelten, der in seinem Hauptwerk „Die göttliche Ordnung in den Veränderungen des menschlichen Geschlechts“ (1741) versuchte, „durch den Nachweis der Konstanz massenstatistischer Merkmale der Bevölkerung als Ausdruck des Willens Gottes einen Nachweis für dessen Existenz zu liefern“. Süßmilch selbst verweist in seinem Werk auf Neumanns Arbeiten: „In selbigen (sc. Jahren 1687–1691) hat der berühmte Doctor in der Gottesgelahrtheit Neumann in Breslau monatlich eine Liste der Gestorbenen ausgegeben, darinn er eines jeden Alter bemerket.“

Werke

  • Gemeinsam mit Johannes Hancke: Exercitatio catoptrica de idolo speculi. Wratislaviae 1685[1]
  • Ermahnungs-Predigt bei der Königs Wahl Josephi I., Breslau 1690
  • Martinalia christiana oder der Nahmens-Tag Martini am Tage Gotthard gefeyert, Breslau 1710

Hymnen von Kaspar Neumann

mit * = von Bach vertont oder bearbeitet.

Verweise


Einzelnachweise