O großer Gott von Macht

Aus Monarchieliga
Wechseln zu: Navigation, Suche


Die Hymne

Das Lied "O großer Gott von Macht" baut auf Genesis 18 auf. Hier besuchten drei Männer bzw. Engel Abraham um ihm zunächst die Vaterschaft und sodann Sodoms Untergang anzukündigen. Abraham fleht sie bzw. Gott um Gnade für Sodom an, so daß Gott/Jahwe schließlich verspricht, Sodom zu verschonen, wenn sich in der Stadt zehn Gerechte finden.

Meyfart überträgt die Fürsprache Abrahams in seine Zeit hinein und geht noch einen Schritt weiter als Abraham. Er bringt die unschuldigen Kindlein vor Gott und bitte um Gnade um ihretwillen. Schließlich verweist er gut lutherisch auf das Opfer Christi, das den Zorn Gottes stillen möge.

Da das wertvolle Lied heute nicht mehr in Gesangbüchern zu finden ist, bringen wir seinen Text hier vollständig.

Die Hymne im Werk von J. S. Bach

Der unbekannte Textdichter von Bachs Kantate "Schauet doch und sehet, ob irgendein Schmerz sei"[1] setzt die 9. Strophe von Meyfahrts Lied als Schlußchoral ein. Obgleich in dieser Strophe nichts direkt auf den Untergang Sodoms anspielt, sticht doch die Parallelität des Kantatenthemas vom prophezeiten Untergang Jerusalems und dem Thema des Liedes von angekündigten Untergang Sodoms ins Auge.

Der Choralsatz ist außergewöhnlich kunstvoll mit von silberhellen Flöten durchglänzten Zwischenspielen angelegt.

Text der Hymne

1. O großer Gott von Macht
und reich von Gütigkeit
willst du das ganze Land
strafen mit Grimmigkeit?
Vielleicht möchten noch Fromme sein,
die täten nach dem Willen dein,
der’ wollest du verschonen,
nicht nach den Werken lohnen!


2. O großer Gott von Ehr’,
dies ferne sei von dir,
daß Bös’ und Fromm’ zugleich
die strenge Straf berühr’,
der’r möchten etwa fünfzig sein
die täten nach dem Willen dein,
drum wollest du verschonen,
nicht nach den Werken lohnen.


3. O großer Gott von Rat,
laß die Barmherzigkeit
ergehen und halt ein
mit der Gerechtigkeit,
der’r möchten fünfundvierzig sein,
die täten nach dem Willen dein,
drum wollest du verschonen,
nicht nach den Werken lohnen.


4. O großer Gott von Stärk’,
schau an das arme Land,
und wende von der Straf’
dein ausgestreckte Hand,
der’r möchten etwa vierzig sein,
die täten nach dem Willen dein,
drum wollest du verschonen,
nicht nach den Werken lohnen.


5. O großer Gott von Kraft,
laß doch erweichen dich,
weil das elend Gebet,
so oft erholet sich,
der’r möchten etwa dreißig sein,
die täten nach dem Willen dein,
drum wollest du verschonen,
nicht nach den Werken lohnen.


6. O großer Gott von Gnad’,
erhör’ auch diese Stimm,
und in dein’m hohen Thron,
das Seufzen tief vernimm,
der’r möchten etwa zwanzig sein,
die täten nach dem Willen dein,
drum wollest du verschonen,
nicht nach den Werken lohnen.


7. O großer Gott von Tat,
schau wie die arme Erd,
von deiner Mildigkeit
noch einen Wunsch begehrt,
der’r möchten etwa zehen sein,
die täten nach dem Willen dein,
drum wollest du verschonen,
nicht nach den Werken lohnen.


8. O großer Gott von Lob,
wenn ja das Maß erfüllt,
der Sünden und aus Zorn
uns gar verderben willt,
so möchten doch die Kinderlein,
tun nach dem rechten Willen dein,
der’r wollest du verschonen,
uns nicht nach Sünden lohnen.


9. O großer Gott von Treu,
weil vor dir niemand gilt
als dein Sohn Jesus Christ,
der deinen Zorn gestillt,
so sieh doch an die Wunden sein,
sein Marter, Angst und schwere Pein,
um seinetwillen schone,
uns nicht nach Sünden lohne.


Verweise


Einzelnachweise

  1. BWV 46