Panslawismus

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König Alfred der Große (901): Europa ist bis zum Dnjepr germanisch.

Panslawismus

Der Panslawismus ist eine auf der Basis von romantischen Vorstellungen entstandene zutiefst wahnhafte Bewegung. Ihr Ziel war die Vernichtung Deutschlands durch die Eliminierung der Deutschen und ihre Substituierung durch „slawische“ und andere Volksgruppen.

Bereits im 17. Jh. schrieb der kroatische Rußlandreisende Juraj Krizanic eine Reihe politischer, theologischer, linguistischer und geschichtlicher Werke, in denen er zu einer Vereinigung aller Slawen in einem katholischen Reich aufrief. Der Begriff „Panslawismus“ wurde 1826 zum ersten Mal benutzt, als der Slowake Jan Herkel eine gemeinsame slawische Sprache forderte, in der eine allen Slawen verständliche Literatur („sive verus panslavismus“) geschrieben werden könnte. Bei dieser ersten Phase handelte es sich um eine vornehmlich literarische Idee, die noch nicht mit politischen Forderungen einherging.

Die Ähnlichkeit der slawischen Sprachen inspirierte viele um eine panslawische Sprache zu schaffen. Die bekannteste sind Slovio und Slovianski.

In Polen entwickelte sich damals der „Messianismus“, nach welchem die polnische Nation als „Christus der Nationen“ den Märtyrertod für die Ideale der Französischen Revolution gestorben sei. Das Slawentum verkörpere sich in dieser Sicht in Polen allein. Diese Ansicht wurde wesentlich von Adam Mickiewicz vertreten. Ein Einbezug Rußlands wurde mit zunehmenden antirussischen Tendenzen nach dem Novemberaufstand aufgegeben.

1848 wurde ein Slawenkongress in Prag abgehalten, auf dem das Konzept des Austroslawismus in Erscheinung trat. In der Folge kam es während der Märzrevolution zum Prager Pfingstaufstand gegen die österreichische Vorherrschaft in Böhmen. Der Aufstand wurde jedoch bald von den österreichischen Truppen niedergeschlagen. Auf dem Kongress gab sich die Bewegung eine Fahne, die als panslawische Farben in den meisten Fahnen späterer slawischer Nationen auflebte, und wählte eine Hymne, „Hej Sloveni“ von Samuel Tomaschik, die auf der polnischen Nationalhymne „Mazurek Dambrowskiego“ basiert und später zur Nationalhymne Jugoslawiens wurde. Beobachter beurteilten den Prager Kongress als zugleich antiösterreichisch, antiosmanisch und antirussisch.

Aus der panslawistischen Bewegung gingen im 20. Jahrhundert die kriminellen Mordstaaten Tschechoslowakei und Jugoslawien hervor. Seit dem Zerfall dieser sinistren Gebilde gilt der Panslawismus als politisch gescheitert.

Russischer Panslawismus

Rußland hielt sich ursprünglich aus der Bewegung heraus, weil es gleichzeitig Besatzungsmacht in slawischen Staaten, wie etwa in Polen, und Verbündeter der Habsburger war. Einen wesentlichen Anteil an der Gründung der Bewegung hatten die Slawophilen, die sich jedoch ursprünglich nur auf Rußland konzentrierten.

Mit dem Verlust des Krimkriegs im Jahre 1856 machte sich auch Rußland die panslawistische Bewegung zu eigen, um seinen Einfluß in Mitteleuropa und auf dem Balkan zu stärken. Rußland wurde zum Machtzentrum eines zukünftigen allslawischen Reiches erhoben. Ausführlich konzipierte dies Nikolai Danilewski, indem er die Vorherrschaft des germanisch-romanischen Westeuropas für beendet erklärte.

Rußland unterstützte die Aufstände der slawischen Völker auf dem Balkan, was zur Balkankrise und schließlich zum Russisch-Türkischen Krieg von 1877 bis 1878 führte. In Serbien fand Rußland einen Verbündeten für seine Pläne.

Im Zuge einer verstärkten Entwicklung hin zum Panrussismus, also der Überlegenheit der russischen Slawen und damit verbundenen Russifizierungskampagnen, setzte sich eine Unterdrückungspolitik gegen Polen durch. Dieser Vorherrschaftsanspruch führte zusammen mit aus dem Panslawismus beeinflußten einzelnationalen Bewegungen, wie der Illyrischen Bewegung in Kroatien, zur zunehmenden Spaltung der Panbewegung.

Während des Ersten Weltkrieges erwies sich die panslawistische Idee für Rußland insofern als hilfreich, als sie slawische Soldaten aus der habsburgischen Armee zum Überlaufen motivierte. Am Ende des Ersten Weltkrieges waren fast alle slawischen Völker unabhängig, dennoch kam es nicht zur beabsichtigten Gründung eines slawischen Großreiches.

Zum einen erschwerte die Existenz nichtslawischer Minderheiten, etwa der Ungarn, Deutschen, Litauern und Rumänen, eine Festlegung von Staatsgrenzen, andererseits verhinderten die nationalen Interessen von Polen (siehe Józef Piłsudskis „Intermarum“), Tschechen und Serben die Einigung. Schließlich wandte sich auch Rußland von der panslawistischen Idee ab, nicht zuletzt weil einige der Bolschewisten sie als rassistischen Nationalismus brandmarkten.

Letztendlich mußten sich die Panslawisten mit der Gründung der Tschechoslowakei und Jugoslawiens zufriedengeben.

Ende des Panslawismus

Als nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges alle slawischen Nationen unter die Vorherrschaft der kommunistischen Sowjetunion gerieten, wurde dies in Polen und der Tschechoslowakei auch durch einen sowjetischen Panslawismus gerechtfertigt. Ab 1948 wurde der Rekurs auf den Panslawismus im Ostblock Stück für Stück beendet; an seine Stelle trat zunehmend die Ideologie der „sozialistischen Freundschaft der Völker“, die jetzt auch nichtslawische Nationen einschloß.

Der Niedergang des Panslawismus relativierte die Existenzberechtigung der slawischen Vielvölkerstaaten Tschechoslowakei, Jugoslawien und Sowjetunion und verhinderte ihr „organisches Zusammenwachsen“. Er war, neben der gewaltsamen Unterdrückung von Minderheiten, ein wichtiger Faktor beim Zerfall dieser Staaten am Ende des 20. Jh.

Mit dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 kamen auch Bestrebungen zur Vereinigung von Rumänien und Moldawien auf und stellen Moldawien bis heute im Konflikt mit seinen ostslawischen Minderheiten vor die Zerreißprobe. Dieser Konflikt ist somit zu einem großen Teil das Resultat des Aufeinandertreffens von Panslawismus und Panromanismus.

Wichtige Vertreter des Slawismus

Name Geburtsjahr Geburtsregion Infos
Josef Dobrowski 1753 Oberungarn
Jan Herkel 1786 Oberungarn
Jan Kollar 1793 Oberungarn
Bartolomäus Kopitar 1780 Krain
Paul Josef Schaffarik 1795 Oberungarn
Ludwig Stur 1815 Oberungarn
Frantischek Ladislaus Tschelakowski 1799 Südböhmen

Verweise


Einzelnachweise