Gregor I. der Große

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  • * um 540 in Rom
  • † 12. März 604 ebenda


Gregor der Große war Papst von 590 bis 604

Karriere

Gregor entstammte der stadtrömischen Patrizierfamilie der Anicier. Er entschied sich für ein Leben als Mönch. Er war der erste Mönch der lateinischen Kirche, der zum Bischof von Rom und damit zum Patriarchen gewählt wurde.

Pontifikat

Seit den Rückeroberungskriegen unter Justinian I. stand die Stadt Rom zumindest nominell unter der Herrschaft des oströmischen Kaisers. Gregor war nicht auf einen Konflikt mit Kaiser Maurikios aus, dessen Hauptaugenmerk auf der Verteidigung des Imperiums an Eufrat und Donau lag; er riskierte aber dessen Ungnade, als er 593 eigenmächtig einen teilweisen Abzug der Langobarden aushandelte und auf ihre Forderung nach einem jährlichen Tribut von 500 Goldpfund einging. Mit der Langobardenkönigin Teudelinde unterhielt er einen Briefwechsel und machte ihr wertvolle Geschenke.

Kirchenpolitik

Bedeutend war Gregors Entscheidung, Missionare nach Britannien zu entsenden, womit er die Konversion des angelsächsischen Königs Äthelbert von Kent zum Christentum herbeiführte. Damit wurde der Grundstein für ein neues gesamtabendländisches Kirchenbewußtsein gelegt, mit dem römischen Papsttum an der Spitze. Die Armenfürsorge wurde ein wichtiges Element seines Pontifikats.

Gregor schrieb den Begriff Papst als ausschließliche Amtsbezeichnung für den Bischof von Rom fest. Mit ihm trat das Papsttum von der Spätantike ins Mittelalter über.

Mönchisches Leben

Als „Mönchspapst“ nannte sich Gregor „Knecht der Knechte Gottes“ (servus servorum Dei), was bis heute Bestandteil der päpstlichen Titulatur blieb.

Nachwirken

Gregor erlangte über Jahrhunderte in der Kirche hohe Bedeutung. Daneben findet er als einer von ganz wenigen westlichen Heiligen auch in der orthodoxen Kirche viel Beachtung und Verehrung. Früh rankten sich zahlreiche Legenden um Gregor. Unter anderem geriet die aristokratische Abstammung des Papstes bald in Vergessenheit, und früh wurde erzählt, Gregor sei ein armer, unbekannter Einsiedler und vormaliger Sünder gewesen, der aufgrund einer göttlichen Eingebung in Abwesenheit zum Papst gemacht worden sei. Hartmann von Aue formte aus den Legenden Jahrhunderte später sein Werk Gregorius, das wiederum die Grundlage für Tomas Manns Roman Der Erwählte bildete.

Obwohl weder das Gregorianische Sakramentar noch der Gregorianische Choral seine Schöpfungen sind, wurde ihm im Mittelalter deren Urheberschaft zugesprochen, um ihnen zusätzliche Autorität zu geben. Dem katholischen Meßbuch gab Gregor in der Liturgie wahrscheinlich seine noch heute gültige Form.

Heiligsprechung

Die Heiligsprechung erfolgte 1295 durch Papst Bonifaz VIII. Gregors Attribute sind die Tiara, Buch, Taube, Arme bedienend. Er ist Patron des kirchlichen Schulwesens, der Bergwerke, des Chor- und Choralgesanges, der Gelehrten, Lehrer, Schüler, Studenten, Sänger, Musiker, Maurer, Knopfmacher; gegen Gicht und Pest.

Kirchen

  • Kloster St. Gregor in Munster

Werk

  • Liber regulae pastoris (I-IV). Patrologia Latina (PL) 77,13–128. Kritische Ausgabe von F. Rommel mit franz. Übersetzung von Ch. Morel, Paris 1992 (= Sources Chrétiennes, 381–382). Ausgabe der altenglischen Übersetzung von I. Carlson, Stockholm 1975–1978. Deutsche Übersetzung von G. Kubis, Graz 1986
  • Behandelt die Gründe für die Entscheidung zum Amt des Seelsorgers, die für dieses Amt erforderlichen Tugenden, die Aufgaben des Seelsorgers und die Notwendigkeit der täglichen Selbstbesinnung und Selbstprüfung.
  • Moralia in Iob (I-XXXV). PL 75, 519–1162; PL 76, 9–782. Kritische Ausgabe von M. Adriaen, CCSL 143 (1979), 143A (1979), 143B (1985).
  • Ein ungewöhnlich breit angelegter Hiobkommentar in 35 Büchern, begonnen während des Aufenthalts in Konstantinopel und vollendet um 595, der das Buch Hiob nach dem Prinzip des dreifachen Schriftsinns interpretiert: einerseits literal in der wörtlichen Bedeutung des Textes, andererseits tropologisch in Bezug auf die moralische Situation des einzelnen Menschen und allegorisch-typologisch mit Bezug auf die Heilstatsachen der Geschichte Christi und seiner Kirche.
  • Homiliae in evangelia (I-II). PL 76, 1075–1314; deutsche Übersetzung von Michael Fiedrowicz, Freiburg 1997–1998 (= Fontes Christiani, 28.1-2)
  • Vierzig exegetische Predigten zu Evangelienperikopen, wahrscheinlich im Lauf des Kirchenjahres 590/91 vorgetragen und 592 schriftlich herausgegeben. Die zwanzig Predigten des ersten Buches diktierte Gregor und ließ sie in seiner Gegenwart durch einen kirchlichen Notar vortragen, die zwanzig Predigten des zweiten Buches hielt er selbst.
  • Homiliae in Ezechielem (I-II). PL 76, 781-1072. Kritische Ausgabe von M. Adriaen, CCSL 142 (1971). Deutsche Übersetzung von Georg Bürke, Einsiedeln 1983
  • 22 exegetische Predigten aus dem Jahr 593, mit fortlaufender Erklärung von Ez 1-3 und Ez 40
  • Homiliae super Ezechielem. Fratres vitae communis, Brüssel um 1476/77
  • Homiliae super Ezechielem. Michael Furter, Basel 1496
  • Homiliae in canticum canticorum. Kritische Ausgabe von P. Verbraken, CCSL 144 (1963), p. 3–46.

Zwei Predigten über eine Stelle des Hoheliedes (Ct 1,1-8), nicht zu verwechseln mit der unter den Werken Gregors überlieferten Expositio super cantica canticorum (PL 79,471-548), die heute meist Robert von Tumbalena zugeschrieben wird.

  • Pastorale, sive Regula pastoralis. Martin Flach, Basel; nicht nach 1472
  • Pastorale, sive Regula pastoralis. Michael Furter, Basel 15. II. 1496
  • Regula pastoralis. Kreuzherrenkonvent, Marienfrede um 1475 u. um 1485/1500
  • In librum I Regum expositiones (I-VI). PL 79,17-468. Ed. P. Verbraken, CCSL 144 (1963), p. 49–614. Kommentar zum 1. Buch Samuel.
  • 854 erhaltene Briefe, die Gregor an Bischöfe, Fürsten, Missionare u. a. Personen im gesamten Bereich des Christentums schrieb. Die Briefe behandeln Themen wie Theologie, Moral, Politik, Diplomatie, Mönchstum, bischöfliche und päpstliche Verwaltung und geben Aufschluß über Gregors Charakter und seine Amtsführung.
  • Dialogi de vita et miraculis patrum Italicorum (I-IV). PL 77,127–431. Kritische Ausgabe von U. Moricca, Rom 1924

Gedenken

  • 12. März

Verweise