Paulinzella (Kl.)

Aus Monarchieliga
Version vom 17. Oktober 2016, 21:27 Uhr von Mm54 (Diskussion | Beiträge)

(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Kloster Paulinzella Kloster Paulinzella, Ansicht von Südosten Ansicht von Osten Ansicht von Westen Blick durch das Schiff Portal Historische Grabmale

Das Kloster Paulinzella ist ein ehemaliges Benediktiner(innen)kloster in Paulinzella im Rottenbachtal in Thüringen. Die Ruine der Klosterkirche gehört zu den bedeutendsten romanischen Bauwerken in Deutschland.

Inhaltsverzeichnis

   1 Geschichte
   2 Bedeutung für Romanik und Romantik
   3 Kirchengemeinde
   4 Museum
   5 Literatur
   6 Weblinks
   7 Einzelnachweise

Geschichte

Der Ursprung Paulinzellas liegt in einer Einsiedelei, welche zwischen 1102 und 1105 von der sächsischen Adligen Paulina gegründet wurde. Paulina war die Tochter des Truchsessen Moricho (Moritz) vom Hofe des Königs Heinrich IV. Der König hatte Moricho in den Jahren 1068/69 24 königliche Hufen zu Gebstedt geschenkt.[1] Diese Güter überließ Moricho, der gemäß einer weiteren Urkunde[2] ein Bruder des Merseburger Bischofs Werner von Wolkenburg war, vor seinem Eintritt ins Kloster Hirsau[3] seiner Tochter Paulina, die ihren Wohnsitz zuvor in Gatterstädt (bei Querfurt) hatte.[4] Paulina erwarb in der Nähe der Güter außerdem noch die Vorwerke Hengelbach, Liebringen und Nahewindten. Die eigentliche Gründung des ursprünglich Marienzelle genannten Klosters in der frühen fränkischen Siedlungszeit geht einer Legende nach auf einen Reiseunfall Paulinas in dem zuvor unbesiedelten Waldtal zurück.

1106 begannen die Arbeiten am Klosterkomplex. 1107 trat das Kloster der Hirsauer Reform bei. 1124 wurde die Klosterkirche, die nach dem Vorbild der Klosterkirche in Hirsau errichtet worden war, geweiht. Das Kloster erreichte rasch reichen Besitz. 19 Dörfer befanden sich im Eigentum des Klosters, an 52 anderen Orten besaß das Kloster weitere Güter, Rechte besaß das Kloster insgesamt an über 100 Orten. Ökonomischer Mittelpunkt des Klosters und seiner Dörfer war das heute wüste Vorwerk Neusis zwischen Gösselborn und Hengelbach.[5]

Bereits der dritte amtierende Abt erhielt 1195 vom Mainzer Erzbischof die Inful verliehen. Bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts war Paulinzella ein Doppel-, dann nur noch Mönchskloster. 27 namentlich bekannte Äbte wirkten im Kloster. Schirmvogte waren die Grafen von Schwarzburg. Von 1133 bis 1153 wurde Sizzo III. genannt. Das Kloster besaß auch Leibeigene. Einige adlige und begüterte Familien in der Nähe des Klosters standen in Lehnsverhältnissen. Die Äbte übten das Patronsrecht über 24 Kirchen oder Kapellen aus. Über 400 Jahre existierte das Kloster.

Dann tauschte der Schwarzburger Landmann im Bauernkrieg den Pflug mit den Waffen, um seine Selbständigkeit zu erringen. Dies war mit Einführung der Reformation 1533 durch die Schwarzburger Grafen der Beginn des Untergangs. Johann V. Schidt, aus dem Nachbardorf Milbitz, war von 1528 bis zur Auflösung 1541/42 der letzte Abt. 1542 war man nach fruchtlosen Widerstand in die weltliche Gerichtsbarkeit übergegangen. Die Güter wurden verpachtet oder von Amtsleuten verwaltet. Heinrich von Schwarzburg-Leutenberg bemächtigte sich des Kirchenschatzes und zog alle Besitzungen des Klosters ein.[6]

Während der Bauernkriege wurde das Kloster geplündert und im Verlauf der Reformation 1542 aufgehoben. Der frühere Klosterbesitz kam 1547 an die Grafen von Schwarzburg-Rudolstadt. Diese errichteten das aus sieben Orten bestehende Amt Paulinzella, das 1803 um das Amt Ehrenstein vergrößert, aber 1851 dem Amt Stadtilm eingegliedert wurde.

Nach der Aufhebung des Klosters begann ein allmählicher Verfall der gesamten Klosteranlage, die man auch zur Gewinnung von Sandsteinen für Bauzwecke als Steinbruch benutzte. Nach 1600 brannte die gesamte Anlage aus und verkam völlig zur Ruine. 1680 fand eine Erneuerung von Teilen der Klosteranlage statt.

Im 18. Jahrhundert entstand dort auch ein Jagdschloss der Grafen von Schwarzburg-Rudolstadt. Ab dem späten 18. Jahrhundert begann man mit behutsamen Sicherungsmaßnahmen an der inzwischen von Vertretern der Romantik geschätzten Klosterruine. Die um die Ruine liegende Ansiedlung wurde im 19. Jahrhundert zur Gemeinde Paulinzella erhoben. Bedeutung für Romanik und Romantik

Kloster Paulinzella nimmt sowohl für die Romanik als auch die Romantik eine bedeutende Stellung ein.

Als romanisches Kirchenbauwerk zählte die Klosterkirchenruine aus dem 12. Jahrhundert schon zu den bedeutendsten Baudenkmälern der einstigen DDR und wurde auf der Zentralen Denkmalliste geführt. Da die Kirche nach dem Vorbild der Hirsauer Kirche erbaut worden war, hat sie seit der völligen Zerstörung der Hirsauer Kirche 1692 große Bedeutung als Beispiel der Hirsauer Reformbewegung im Kirchenbau erlangt.

Um 1800 erlangte die Ruine eine besondere Bedeutung durch eine romantische Hinwendung zur Vergangenheit, die eng mit dem erwachenden deutschen Nationalgefühl verbunden war. Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller waren tief beeindruckt von den malerischen Resten der verfallenen Klosteranlage.

Das lange Zeit Friedrich Schiller zugeschriebene Gedicht wurde am 26. August 1810 von A. E. Hermann verfasst:

   Einsam stehn des öden Tempels Säulen,
   Efeu rankt am unverschlossnen Tor.
   Sang und Klang verstummt, des Uhus Heulen
   schallet nun im eingestürzten Chor.
   Weg sind Prunk und alle Herrlichkeiten,
   schon enteilt im langen Strom der Zeiten
   Bischofsring und Siegel, Ring und Stab,
   in der Vorwelt ewig offnes Grab.
   Nichts ist bleibend, alles eilt von hinnen,
   Jammer und erhörter Liebe Glück;
   unser Streben, unser Hoffen, Sinnen,
   wichtig nur für einen Augenblick.
   Was im Lenz wir liebevoll umfassen,
   sehen wir im Herbste schon verblassen,
   und der Schöpfung altes Meisterstück
   sinkt veraltet in den Staub zurück.

Kirchengemeinde

Regulärer Gottesdienstraum der Kirchengemeinde Paulinzella, die zum Kirchengemeindeverband Singen gehört,[7] ist der Gemeinderaum im Jagdschloss Paulinzella, aber die Klosterruine wird regelmäßig für Freiluftgottesdienste genutzt.[8] Museum

Im Jagdschloss der Grafen von Schwarzburg-Rudolstadt gibt es das Museum zur Kloster-, Forst- und Jagdgeschichte. Die Klosterruine selbst ist das ganze Jahr jederzeit kostenlos zu besichtigen. Literatur

   Horst H. Müller: Thüringer Wald und Randgebiete. Tourist Verlag, Berlin 1977, S. 527–530.
   Dennis Buchert: Das Kloster Paulinzella. Grin Verlag, München/Ravensburg 2008, ISBN 978-3-640-23324-3.

Weblinks

Commons: Paulinzella – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
   paulinzella.de
   Museum im Jagdschloss
   Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten, Kloster Paulinzella

Einzelnachweise Urkundenbuch des Klosters Paulinzelle 1068–1534, Jena 1905, Nr. 1 Urkundenbuch des Klosters Paulinzelle 1068–1534, Jena 1905, Nr. 2 Urkundenbuch des Klosters Paulinzelle 1068–1534, Jena 1905, Anmerkung zu Nr. 1 Urkundenbuch des Klosters Paulinzelle 1068–1534, Jena 1905, Anmerkung zu Nr. 2 H. E. Müllerott: Archäologische, historische und naturgeschichtliche Wanderungen um den Singer Berg… Thüringer Chronik-Verlag Arnstadt 1996, S. 26. L.F. Hesse zitiert von H.E. Müllerott, Paulinzelle, ehemaliges Kloster in der oberen Herrschaft des Fürstenthums Schwarzburg-Rudolstadt. Sonderdruck aus: Thüringen und der Harz. Band II, Thüringer Chronik-Verlag, Sondershausen 1840/ Arnstadt 1999, S. 263–269. Amtsblatt der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland 8/2013

   Gemeinde Rottenbach Abgerufen am 11. Januar 2014.

Einklappen Objekte der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten

Bastille | Brandenburg | Burg Ehrenstein | Burg Gleichen | Burg Henneberg | Burg Liebenstein (Ilm-Kreis) | Burg Liebenstein (Wartburgkreis) | Burg Ranis | Dornburger Schlösser | Kirms-Krackow-Haus | Kloster Georgenthal | Kloster Göllingen | Kloster Mildenfurth | Kloster Paulinzella | Kloster Veßra | Obere Sachsenburg | Oberschloss Kranichfeld | Peterskloster Erfurt | Runneburg | Schloss und Park Altenstein | Schloss Bertholdsburg | Schloss Friedenstein | Schloss Heidecksburg | Schloss Molsdorf | Schloss Schwarzburg | Schloss Sondershausen | Schloss Wilhelmsburg | Schloss Wilhelmsthal | Sommerpalais Greiz | Untere Sachsenburg | Veste Heldburg | Wasserburg Kapellendorf

Koordinaten: 50° 42′ 9″ N, 11° 6′ 16″ O | | Normdaten (Geografikum): GND: 4359824-9 Kategorien:

   Klosterbau in ThüringenKlosterbau in EuropaRuine in ThüringenKloster (12. Jahrhundert)DoppelklosterRomanisches Bauwerk in ThüringenBauwerk in Königsee-RottenbachEhemaliges Benediktinerkloster in ThüringenEhemaliges Benediktinerinnenkloster in ThüringenKlosterruineSakralbau im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt

Navigationsmenü

   Nicht angemeldet
   Diskussionsseite
   Beiträge
   Benutzerkonto erstellen
   Anmelden
   Artikel
   Diskussion
   Lesen
   Bearbeiten
   Quelltext bearbeiten
   Versionsgeschichte

Suche

   Hauptseite
   Themenportale
   Von A bis Z
   Zufälliger Artikel

Mitmachen

   Artikel verbessern
   Neuen Artikel anlegen
   Autorenportal
   Hilfe
   Letzte Änderungen
   Kontakt
   Spenden

Werkzeuge

   Links auf diese Seite
   Änderungen an verlinkten Seiten
   Spezialseiten
   Permanenter Link
   Seiten­informationen
   Wikidata-Datenobjekt
   Artikel zitieren

Drucken/­exportieren

   Buch erstellen
   Als PDF herunterladen
   Druckversion

In anderen Projekten

   Commons

In anderen Sprachen

   Čeština
   Esperanto
   Latina
   Română

Links bearbeiten

   Diese Seite wurde zuletzt am 3. Juli 2016 um 20:31 Uhr geändert.
   Abrufstatistik
   Der Text ist unter der Lizenz „Creative Commons Attribution/Share Alike“ verfügbar; Informationen zu den Urhebern und zum Lizenzstatus eingebundener Mediendateien (etwa Bilder oder Videos) können im Regelfall durch Anklicken dieser abgerufen werden. Möglicherweise unterliegen die Inhalte jeweils zusätzlichen Bedingungen. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich mit den Nutzungsbedingungen und der Datenschutzrichtlinie einverstanden.
   Wikipedia® ist eine eingetragene Marke der Wikimedia Foundation Inc.
   Datenschutz
   Über Wikipedia
   Haftungsausschluss
   Entwickler
   Stellungnahme zu Cookies
   Mobile Ansicht
   Wikimedia Foundation	
   Powered by MediaWiki	


Verweise