Olivi, Petrus Johannes

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[[Kategorie: Franziskaner

  • Petrus Johannis Olivi OFM
  • 1247/ 48 in Sérignan, Languedoc-Roussillon
  • † 14. März 1296/98 in Narbonne (Département Aude)


Petrus Johannes Olivi war ein französischer Theologe.


Leben

Die Lehren des Johannes Petrus Olivi waren auf dem Straßburger Konzil 1282 und später im Jahre 1311/12 auf dem Konzil von Welsch Wien Gegenstand theologischer und philosophischer Untersuchungen.

Lehre

Im Jahre 1245 ging unter Papst Innozenz IV. alles bewegliche und unbewegliche Gut der Franziskaner an den apostolischen Stuhl über und ein so genannter "Nunctius" übernahm deren Verwaltung. Diese Entwicklung trug dazu bei, daß sich der Franziskanerorden zunehmend den anderen Orden annäherte.

Olivi kritisierte eben diese "juristische Fiktion" und forderte statt dessen die wörtliche Regelbeobachtung. Er gestand minderen Brüdern nur den "usus pauper" zu, das heißt der Besitz von Gütern sollte sich ausschließlich auf das Notwendigste beschränken. Diese neue theoretische Grundlage des Besitzes bezog den Nutzen nicht nur auf den materiellen Besitz. Dem Spiritualen Johannes Petrus Olivi ging es vor allem darum, durch die radikale Lebensführung der franziskanischen Ordensbrüder einen Gegenpol zur inzwischen zunehmend verweltlichten Kirche zu setzen.

Johannes Petrus Olivi war Anhänger der Erwartungen eines "neuen vollkommenen" Status, wie ihn Joachim von Fiore in seiner "Lehre der sieben Zeiten" vertreten hatte. Das Hauptgewicht legt Olivi in seiner apokalyptischen Weltsicht auf die Periodisierung nach den sieben Zeiten der Kirche seit dem Auftreten dieser, insbesondere auf den fünften Status, der für Olivi unter Karl dem Großen begonnen hatte. Kennzeichen dieser "vita communis" sei die stärker werdende Verweltlichung des Klerus durch Besitz und Anpassung – in den Augen Olivis und vieler anderer radikaler Franziskaner eine Verfremdung des christlichen Glaubens.

Nach Olivis Auffassung herrschte zu seiner Zeit ein Übergewicht des Bösen innerhalb der Kirche. Von Bedeutung ist Olivis Kirchenkritik besonders im Hinblick auf seine Auffassung, der "mysticus antichristus" werde durch einen so genannten Pseudo-Papst personifiziert.

Aufgrund dieser und weiterer Behauptungen waren die Person Johannes Petrus Olivi und seine Schriften im 13./14. Jahrhundert lange Zeit Ausgangspunkt für Konflikte, sowohl innerhalb des Franziskanerordens als auch zwischen Franziskanern und der Kirche. Denn nicht nur die Bedrängung der franziskanischen Minoriten seitens der Kommunität waren für Olivi von Bedeutung. Er forderte eine Kirche, die nach den Maßstäben des Franziskanerordens und des damit verbundenen Armutsideals des Franz von Assisi aufgebaut ist.

Der Gedanke einer sich im Zusammenbruch befindlichen Kirche und der Wunsch nach einer Erneuerung dieser nach dem franziskanischen Leitgedanken führten nicht nur innerhalb des Ordens zu Streitigkeiten. Einen deutlichen Wendepunkt stellte die Ablösung der "armen Eremiten" durch Papst Zölestin V. dar: Durch diese leichtfertige Bevorzugung der strengen Franziskanerpartei fühlten sich sowohl die Obrigkeit des Franziskanerordens als auch die Kirche als Ganzes in ihrer Autorität beschnitten. Machtkämpfe innerhalb der Kirche, zwischen Franziskanern und der Kurie waren die Folge.