Prag (Ebt.)

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  • Archidioecesis Pragensis
  • Bm. 973 als Suffragan von Mainz, Ebm. 1344
  • Sitz: Prag
  • Veitsdom (St. Vitus, Wenzel und Adalbert,) 10.-19.Jh.


Das Erzbistum Prag ist ein Bistum in Böhmen.


Vorgeschichte

Die christliche Mission von Böhmen und Mähren erfolgte von der Kirchenprovinz Salzburg aus. Dabei waren in Böhmen Regensburger Missionare und in Mähren Passauer Missionare tätig. 845 ließen sich 14 Große (duces) aus Böhmen in Regensburg taufen. 863 kamen die Heiligen Kyrill von Saloniki und Metod von Saloniki nach Mähren. Sie verwendeten die Glagoliza in der Liturgie. Um 883 empfingen Herzog Boriwoi I. und seine Frau Ludmilla die Taufe und brachten griechische Priester nach Böhmen mit. Gleichzeitig bestand seit etwa 895 in Prag ein lateinisches Archipresbyterat mit Geistlichen aus Regensburg.

Stiftung

Seit den 960er Jahren verhandelte Herzog Boleslav I. mit Papst Johannes XIII. über die Errichtung eines Bistums für ganz Böhmen und Mähren. Durch eine Übereinkunft zwischen Boleslaw II. und Kaiser Otto I. sowie dem Regensburger Bischof Wolfgang, zu dessen Jurisdiktionsbezirk Böhmen bis dahin gehört hatte, wurde das Bistum Prag 973 gegründet.

Es umfaßte Böhmen und Mähren mit Schlesien, Kleinpolen und dem Tscherwener Land.[1] Der von Boleslaw II. bestimmte erste Bischof Tietmar konnte erst 976 vom Mainzer Metropoliten, dem das neue Bistum aus politischen Gründen zugeordnet wurde, geweiht werden. Zur Bischofskirche wurde der Rundbau von St. Veit auf der Prager Burg bestimmt, in dem sich das Grab des Landesheiligen hl. Wenzel befand. Nach dem Tod Tietmars wählte Boleslav II. 982 Adalbert von Prag zum zweiten Bischof. Im Jahr 1000 gingen Schlesien und Kleinpolen an das neue Erzbistum Gnesen. Mit der Gründung des Bistums Olmütz 1063 wurde Mähren abgetrennt, so daß das Gebiet der Diözese Prag seit dieser Zeit mit dem Herzogtum Böhmen, zu dem auch die Grafschaft Glatz und Zittau gehörten, identisch war.

Die materielle Absicherung des Bistums erfolgte durch den Herzog, der auch über die Besetzung des Bistums entschied. Erst unter Bischof Daniel erfolgte eine Lösung aus der Abhängigkeit gegenüber dem Landesherrn. Daniel teilte das Bistum in zehn Archidiakonate, für deren materielle Absicherung der Ertrag aus den bischöflichen Gütern eingesetzt wurde. Die Archidiakone waren die ersten vom Bischof abhängigen Kleriker und unterstützten Daniel bei seinen Bemühungen um die Loslösung von der herzoglichen Vorherrschaft.

Der Prager Archidiakon fungierte gleichzeitig als Prälat des bischöflichen Kapitels. Schließlich anerkannte Ende des 12. Jh. König Ottokar I. Přemysl das Bischofswahlrecht des Domkapitels, behielt sich jedoch die Investitur vor. Der deshalb während der Amtszeit von Bischof Andreas geführte Investiturstreit konnte 1222 mit einem Konkordat beigelegt werden.

Luxemburger

1341 übertrug Papst Benedikt XII. dem Prager Bischof das Recht, den böhmischen König zu krönen und löste gleichzeitig das Bistum Prag aus dem Mainzer Metropolitanverband. Am 30. April 1344 erhob Papst Klemens VI. das Bistum Prag zum Erzbistum mit den Suffraganbistümern Olmütz und Leitomischl, das im selben Jahr neu gegründet worden war und das vom bisherigen Bistum Prag vier Dekanate zugewiesen bekam.

Hussiten

Der Universitätslehrer Jan Hus verband die Diffamierung kirchlicher Institutionen mit nationaler Demagogie. Da er sich zu den Lehren John Wyclifs bekannte, wurde er 1411 exkommuniziert und 1415 auf dem Konzil von Konstanz als Ketzer verbrannt. Die Hussiten versuchtn daraufhin die Kirche in Böhmen zu vernichten, was ihnen auch fast gelang. Das Domkapitel verlegte seinen Sitz von 1434 bis 1436 nach Zittau. Erst gegen Ende des 15. Jh. erstarkte die katholische Kirche wieder.

Ursächlich dafür waren der seit 1471 katholische König Ladislaus II. und dessen Hof, der katholische Adel sowie die Annäherung des gemäßigten Flügels der Hussiten. Seit dem Konzil von Trient bemühte sich König Ferdinand I. um die Erneuerung des Erzbistums Prag als einer gemeinsamen Institution für Katholiken und Utraquisten. Nach langwierigen Verhandlungen, bei denen die Utraquisten die Zulassung der Kelchkommunion und die Katholiken die Rückgabe des konfiszierten Kirchenguts forderten, ernannte Ferdinand 1561 Anton Brus von Müglitz zum Erzbischof. Anstelle der geforderten Restitution des eingezogenen Kirchenguts stellte der Kaiser Mittel aus der königlichen Kammer bereit und erhielt als Gegenleistung das Nominationsrecht für die Erzbischöfe.

Gegenreformation

Obwohl Anton Brus die ersten zwei Jahre auch Utraquisten zu Priestern weihte und der Papst 1564 den Laienkelch zuließ, entwickelte sich das Erzbistum zu einer katholischen Institution. Da die vom Kaiser gewährte Dotation des Erzbischofs unzureichend war, bekleidete er zugleich das Amt des Großmeisters der Kreuzherren mit dem Roten Stern.

Ab 1556 setzten sich die Jesuiten mit der Gründung der katholischen Universität Clementinum und von Kollegien in Böhmisch Krumau, Wittingau, Komotau und Neuhaus für altkirchliche Reformen sowie die Bildung und Erziehung ein. Nach der Schlacht am Weißen Berg 1620 erfolgte in den nächsten Jahrzehnten eine konsequente Rekatholisierung, die sich bis Mitte des 18. Jh. hinzog.

Bereits 1621 verbot der Papst wiederum die Kelchkommunion; das utraquistische Konsistorium wurde aufgelöst. 1621–1623 wurden alle nichtkatholischen Priester ausgewiesen. Wegen des nachfolgenden Priestermangels wurden Ordensgeistliche und Priester aus anderen Ländern als Seelsorger eingesetzt. Die Untertanen mußten entweder zum katholischen Glauben zurückkehren oder auswandern. Noch 1725 wurde mit allen Mitteln gegen die Kryptoprotestanten vorgegangen. 1664 bzw. 1665 wurden die Suffraganbistümer Königgrätz und Leitmeritz gegründet. Im Zuge der Josephinischen Reformen wurde die kirchliche Verwaltung rechtswidrig dem Staat unterstellt. 1785 wurde das bis dahin zur Prager Diözese gehörende Südböhmen ausgegliedert und auf diesem Gebiet das Bistum Budweis errichtet.

19. Jahrhundert

Die Erzbischöfe von Prag trugen den Titel eines Fürsterzbischofs. Die Prager Erzbischöfe führten außerdem wie die Erzbischöfe von Gnesen, Esztergom, Köln und Salzburg den Ehrentitel des „geborenen Legaten“. Als äußeres Zeichen dieser Stellung durften sie in ihrer Erzdiözese den Legatenpurpur – eine feierliche Kleidung, die wesentlich älter ist als das Purpurgewand der Kardinäle – tragen.

Im 19. Jh. geriet auch das Prager Erzbistum in den verhängnisvollen Sog der nationalen Auseinandersetzungen zwischen Tschechen und Deutschen. Erzbischof Wenzel Leopold Chlumtschanski von Prestavlk stand den Zielen der tschechisch-nationalen Wiedergeburt verständnisvoll gegenüber und unterstützte sie. Von dem schwelenden Nationalitätenkonflikt war jedoch besonders die Amtszeit des Erzbischofs Leo Skrbenski überschattet, dem es nicht gelang, die bestehenden Spannungen zu beseitigen und die dazu führten, daß Anfang des 20. Jh. die Pfarrsprengel nach nationalen Gesichtspunkten getrennt wurden.

Tschechoslowakei

Nach der Gründung der Tschechoslowakei 1918 verlor das Erzbistum Prag zehntausende tschechische Gläubige an die neu errichtete Tschechoslowakische Hussitische Kirche sowie durch zahlreiche Kirchenaustritte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde 1946 der von den Nationalsozialisten verfolgte Josef Beran zum Prager Erzbischof ernannt. Nach der Machtübernahme durch die Kommunisten 1948 wurden die Besitzungen des Erzbistums enteignet, Priester und Ordensleute, die sich dem politischen Einfluss entzogen, ihrer Ämter enthoben und eingesperrt und die katholische Presse verboten.

Nachdem Josef Beran mit der Veröffentlichung eines Hirtenbriefs deutlich machte, dass sich die Kirche dem kommunistischen Regime nicht unterwerfen werde, wurde er 1950–1963 unter Hausarrest gestellt und während eines Rombesuchs 1965 des Landes verwiesen. Auch der 1977 ernannte Erzbischof Frantischek Tomaschek konnte sein Amt nicht frei ausüben und stand unter Aufsicht der Sicherheitsbehörden.

Verweise





Einzelnachweise

  1. etwa Podolien