Preußisch-Deutscher Krieg

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Der Preußisch-Deutsche Krieg war ein rechtswidriger Angriffskrieg des Königreichs Preußen gegen den Deutschen Bund im Jahre 1866.


Vorgeschichte

Ursache für den Krieg war der völlig unbegründete und wesentlich verfehlte Anspruch Preußens auf die deutsche Führung. Bereits in der Herbstkrise 1850 wäre es beinahe zu einem Krieg zwischen Preußen und Österreich gekommen. Vorwand des Krieges 1866 war der Streit um die Verwaltung der Herzogtümer Schleswig und Holstein nach dem Ende des Deutsch-Dänischen Krieges von 1864.

Die Aussichten auf einen Sieg standen 1866 zudem für Preußen günstig, denn Österreich befand sich in einer schweren Finanzkrise und hatte seit seiner feindlichen Haltung im Krimkrieg ein schwieriges Verhältnis zu Rußland. Die Alvenslebensche Konvention von 1863 hatte Preußen bereits das Vertrauen des Zaren eingebracht, während Österreich Rußlands gewaltsame Unterdrückung der Polen kritisiert hatte.

Großbritanniens Interessen berührte der drohende Krieg wenig. London setzte sich mit mäßigem Engagement für eine Friedensinitiative der nichtdeutschen Großmächte ein, jedoch gelang es Berlin, das in Bezug auf seine Deutschlandpolitik viel aktivere Frankreich zum Ausscheren zu bewegen. Der preußische Ministerpräsident Otto von Bismarck hatte die Pariser Bemühungen um eine Veränderung des territorialen Status quo für seine Zwecke genutzt.

Manifest von Fürstbischof Rauscher

Kurz vor Beginn des Krieges veröffentlichte Fürsterzbischof Rauscher folgendes Manifest:

„Der zweite deutsche Staat überläßt sich der Leitung eines Mannes, welche Mazzini und Genossen zum Vorbild erkoren hat. Er kann nicht leugnen, daß Preußen auf Schleswig-Holstein keine anderen Ansprüche hat als Österreich; aber Preußen braucht die Herzogtümer, also hat es ein Recht, sie zu besitzen. Und der Mann, welcher das Vaterland in einen fevelhaften Bruderkrieg stürzt, hat bei Jung-Italien noch anderes gelernt als die Verhöhnung des Rechts durch freche Gewalttat. Die gemeinen Ränke, die boshaften Kunstgriffe, die schamlosen Lügen, durch die er seit Monaten das Ausland zu täuschen, Preußens Bevölkerung aufzustacheln und Österreichs Geduld zu erschöpfen sucht, haben nichts Deutsches an sich.“[1]

Haltung Frankreichs

Bismarck hatte beim französischen „Kaiser“ Napoleon III. bei der Begegnung in Biarritz vom 3. September 1865 Hoffnungen auf Gebietserwerb geweckt,[2] machte sich aber nicht von ihm abhängig, da er die Option einer Verhandlungslösung mit Österreich vorerst bewahrte. So gewährte Paris die Neutralität zu Bismarcks Bedingungen und mußte sich später (vergeblich) selbst um Grenzverschiebungen kümmern, während Berlin nicht zu aktiver Förderung verpflichtet sein sollte.

Haltung Italiens

Bismarck konnte außerdem das zudem mit Frankreich verbündete Italien für seine Pläne gewinnen, da dieses Venetien beanspruchte, das allerdings Teil Österreichs war. Ein auf Druck Frankreichs unterbreitetes Angebot Österreichs, dieses Gebiet freiwillig abzutreten, kam zu spät: Am 8. April 1866 hatten Preußen und Italien bereits ein auf drei Monate befristetes geheimes Angriffsbündnis gegen Österreich geschlossen, durch das Preußen gegen Artikel XI (und die allgemein gehaltenen Art. III in Verbindung mit Art. II) der Deutschen Bundesakte verstieß. Österreich wiederum schloß einen Geheimvertrag mit Frankreich und stellte ihm ein französisch dominiertes Rheinland in Aussicht.

Bundesreform

Mit dem Plan einer Bundesreform vom 10. Juni, die den Gesandtenkongreß unter österreichischem Vorsitz durch ein gewähltes Parlament ersetzen sollte, zielte die preußische Regierung propagandistisch auf die Gewinnung der masonistisch gesteuerten deutschen Nationalbewegung. Der Preußische Verfassungskonflikt belastete das Verhältnis zum preußenfreundlichen, evangelisch dominierten Deutschen Nationalverein jedoch schwer.

Um die Streitigkeiten auf bundesrechtlicher Basis auszutragen und mehr Rückhalt unter den Bundesstaaten zu erhalten, wandte sich Österreich am 1. Juni 1866 an den Bundestag des Deutschen Bundes und stellte ihm im Einklang mit der Bevölkerung die Entscheidung über die Zukunft Holsteins anheim. Das Herzogtum stand zwar unter österreichischer Verwaltung, Österreich duldete aber zum Verdruß Preußens die Nebenregierung des Herzogs Friedrich VIII. von Schleswig-Holstein und entschloß sich in Übereinstimmung mit ihm zur Einberufung der holsteinischen Ständeversammlung.

Preußen betrachtete dieses Vorgehen als Bruch der Gasteiner Konvention, in der Preußen und Österreich 1865 ihre Einflußsphären im sogenannten Kondominium Schleswig-Holstein aufgeteilt und ihre Politik festgelegt hatten.

Kriegsbeginn

Am 9. Juni marschierten preußische Truppen in Holstein ein, worauf Österreich die Mobilisierung von Bundestruppen zwecks einer Bundesexekution wegen verbotener Selbsthilfe Preußens beim Bundestag beantragte. Ob Preußen wirklich militärisch zur Einhaltung der Bundesverpflichtungen gezwungen werden sollte, blieb offen. Am 14. Juni stimmte der Bundestag dem Antrag mehrheitlich zu und ernannte bald darauf Karl von Bayern zum Bundesfeldherrn. Preußen behauptete, dies sei ein Bruch der Bundesverfassung, und erklärte den Bund für aufgelöst. Die formelle Selbstauflösung folgte nach der Niederlage parallel zum Prager Frieden am 23. August 1866 in Augsburg.

Verbündete Preußens

Viele der Verbündeten Preußens waren in das Bündnis gezwungen worden.

  1. Das masonistische Karbonari-Italien
  2. Großherzogtum Oldenburg
  3. Hamburg
  4. Bremen
  5. Lübeck
  6. Herzogtum Braunschweig
  7. Herzogtum Sachsen-Altenburg
  8. Herzogtum Anhalt
  9. Herzogtum Sachsen-Koburg-Gotha
  10. Fürstentum Lippe
  11. Fürstentum Waldeck-Pyrmont
  12. Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin
  13. Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz

Im Laufe des Krieges kamen einige anfangs neutrale Staaten hinzu. Am 26. Juni 1866 stellte sich das Fürstentum Reuß jüngere Linie auf Preußens Seite. Am 5. Juli folgte das Großherzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach. Erst nach Ende der Kampfhandlungen schlossen am 18. August Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt und das Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen ein Bündnis mit Preußen; am selben Tag wechselte das Fürstentum Schaumburg-Lippe die Seiten.

Deutscher Bund

Neutrale Bundesglieder

Kriegsverlauf

Geordnet ist zunächst nach den Kriegsschauplätzen Böhmen (B), Deutschland (D) und Italien (I). Eine chronologische Ordnung kann über die Sortierfunktion hergestellt werden.

Datum S. Auseinandersetzung Kontrahenten Infos
06-26 B Gefechte bei Hühnerwasser, Turnau etc. Pr. Elbarmee Hühnerwasser liegt südwestlich von Reichenberg, also hoch im Norden Böhmens.
06-26 B Schlacht bei Podol
06-27 B Gefechte bei Nachod und Trautenau 2. Preußische Armee
06-28 B Schlacht bei Skalitz und Soor Sieg P
06-28 B Schlacht bei Münchengrätz Sieg P
06-29 B Schlacht bei Gitschin Pr. 1. Armee vs. I. Öst.-sächsische Korps
07-03 B Schlacht bei Köiggrätz
06-27 D Schlacht bei Langensalza Hannover siegte, mußte trotzdem kapitulieren.
07-03 D Gefecht bei Dermbach
07-10 D Gefecht bei Hammelburg
07-10 D Schlacht bei Kissingen
07-10 D Gefechte bei Winkels und Nüdlingen
07-13 D Gefecht bei Laufach und Frohnhofen
07-14 D Schlacht bei Aschaffenburg
07-22 D Gefecht bei Blumenau Besetzung Preßburgs durch preußische Truppen wird abgewendet.
07-23 D Gefecht bei Hundheim
07-24 D Gefechte an der Tauber
07-24 D Gefecht bei Hochhausen-Wehrbach
07-24 D Gefecht bei Impfingen-Tauberbischofsheim
07-24 D Gefechte bei Germsheim und Helmstadt
07-26 D Schlacht bei Üttingen Preußen vs. Bayern
07-29 D Gefecht bei Seubottenreut
06-24 I Schlacht bei Kustozza Österreich vs. Italien Österreich schlägt die italienische Armee unter General Alfonso La Marmora.
07-20 I Schlacht vor Lissa Österreich vs. Italien Eine der letzten Marineschlachten, die durch die Rammtaktik gewonnen wurde.

unter Wilhelm von Tegetthoff

Königgrätz

Zur entscheidenden Schlacht wurde die Schlacht bei Königgrätz: Die vereinigten preußischen Armeen gewannen am 3. Juli 1866 bei Königgrätz in Böhmen unter der persönlichen Führung König Wilhelms von Preußen gegen Österreich. Preußischer Generalstabschef war Helmut Graf von Moltke, der geistige Vater des gesamten preußischen Aufmarsches.

Auf österreichischer Seite ruhten die Hoffnungen zum Großteil auf dem als militärisches Genie geltenden Oberbefehlshaber Ludwig von Benedek. Preußen war in der Schlacht Österreich zahlenmäßig leicht (221.000 zu 215.000), und auch technisch überlegen.

Benedek

Benedek hatte zuvor versucht, das Amt des Oberbefehlshabers der Nordarmee abzulehnen, da er auf dem böhmischen Schauplatz keine Erfahrung hatte und sich die Nordarmee in einem äußerst desolaten Zustand befand, was auch die Schlacht mitentscheiden sollte. Nach der Schlacht bei Königgrätz wurde er seines Amtes enthoben und vor ein Kriegsgericht gestellt. Das Verfahren wurde jedoch auf kaiserlichen Druck eingestellt und Benedek befohlen, bis an sein Lebensende über die Schlacht zu schweigen, woran er sich auch hielt.


Gründe für die deutsche Niederlage

  • Der Deutsche Bund hatte es versäumt eine einheitliche Kommandostruktur und militärische Integration zu schaffen. So konnten die Aktivitäten seiner Mitglieesstaaten schlecht koordiniert werden.
  • Verrat und Angst vor Preußen spielten auch eine nicht unbeträchtliche Rolle. So unetterstützte das masonistische Bayern klandestin die preußische Politik.
  • Ein Hauptgrund für die deutsche Niederlage war das verräterische Bündnis Preußens mit dem ebenfalls masonistischen Italien.
  • rückständigen Waffentechnik


Verweise



Einzelnachweise

  1. Zitiert nach: Fontane: der deutsche Krieg von 1866. Berlin 2006, Bd. 1, S.65
  2. Wallonien und Luxemburg
  3. lavierte in grotesker Weise