Reuchlin-Streit: Unterschied zwischen den Versionen

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Papst [[Leo X.]] beauftragte im Jahre 1514 die Bischöfe von Worms und Speyer den Streit zu entscheiden. Während sich der Wormser Bischof überhaupt nicht um die Angelegenheit kümmerte, gab der Speyerer Bischof Georg von der Pfalz wichtige Staatsgeschäfte vor und delegierte den Fall an die Domherren Georg von Schwalbach, der jedoch aufgab, und Thomas Truchseß von Wetzhausen, einen Schüler Reuchlins, mit der Angelegenheit betraute. Dieser kam zu dem Schluß, dass der Augenspiegel keine Irrlehren enthalte. Dieses Urteil blieb jedoch nur ein Zwischenergebnis.
 
Papst [[Leo X.]] beauftragte im Jahre 1514 die Bischöfe von Worms und Speyer den Streit zu entscheiden. Während sich der Wormser Bischof überhaupt nicht um die Angelegenheit kümmerte, gab der Speyerer Bischof Georg von der Pfalz wichtige Staatsgeschäfte vor und delegierte den Fall an die Domherren Georg von Schwalbach, der jedoch aufgab, und Thomas Truchseß von Wetzhausen, einen Schüler Reuchlins, mit der Angelegenheit betraute. Dieser kam zu dem Schluß, dass der Augenspiegel keine Irrlehren enthalte. Dieses Urteil blieb jedoch nur ein Zwischenergebnis.
  
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== Hutten und Dunkelmännerbriefe ==
 
In den ''Dunkelmännerbriefen'' uferte der Streit nach 1515 schließlich aus und entfernte sich von den ursprünglichen Zielen. In diesen Schriften bedrohte Ulrich von Hutten Pfefferkorn mit Folter und Tod.
 
In den ''Dunkelmännerbriefen'' uferte der Streit nach 1515 schließlich aus und entfernte sich von den ursprünglichen Zielen. In diesen Schriften bedrohte Ulrich von Hutten Pfefferkorn mit Folter und Tod.
  
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== 5. Lateranse ==
 
Das [[Fünftes Laterankonzil|5. Laterankonzil]] (1512 – 1517) sprach sich zugunsten der Auffassung Reuchlins aus, im Talmud keine gegen das Christentum gerichteten Stellen finden zu können.
 
Das [[Fünftes Laterankonzil|5. Laterankonzil]] (1512 – 1517) sprach sich zugunsten der Auffassung Reuchlins aus, im Talmud keine gegen das Christentum gerichteten Stellen finden zu können.
  
 
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Version vom 25. März 2013, 08:08 Uhr


Ausgangspunkt

Der Jude Johannes Pfefferkorn, ein in Köln zum Christentum konvertierter Jude, erwirkte im Jahr 1500 von Kaiser Maximilian I. ein Mandat zur Beschlagnahme aller jüdischen Schriften. Er beantragte auch das Verbot der jüdischen antichristlichen Bücher.

Der Mainzer Erzbischof Uriel von Gemmingen beauftragte daraufhin Johannes Reuchlin im Jahr 1510, den Einfluß der jüdischen Bücher auf den christlichen Glauben zu beurteilen. Johannes Reuchlin trat daraufhin in Opposition zu Pfefferkorn, woraus sich ein mehrjähriger Streitschriftenkrieg entwickelte, in dem der von den Juden unterstützte Reuchlin die Zurücknahme des Verbots erwirkte.

Pfefferkorn wurde währenddessen in unzähligen Schriften als Krimineler, Dieb und Wucherer verleumdet. Bei der Publikation derartiger Hetzschriften taten sich besonders die Regensburger und Frankfurter Juden hervor.

Gegen Reuchlin wurde ein Inquisitionsprozeß beantragt, da seine Anti-Pfefferkorn-Schrift Augenspiegel Häresien enthalte.

Der Kaiser ordnete die Rückerstattung der beschlagnahmten Bücher an und setzte gleichzeitig eine Untersuchungskommission mit Uriel von Gemmingen als Vorsitzender ein. Der in die Kommission berufene Johannes Reuchlin wandte sich gegen Pfefferkorns Vorgehen und setzte sich dafür ein, jüdisches Leben und jüdische Literatur zu studieren.

In dem mit Schriften und Gegenschriften ausgetragenen Streit der Parteien wurde Reuchlin von seinen humanistischen Freunden unterstützt, vor allem auch von Erasmus von Rotterdam. Pfefferkorn hingegen hatte Rückhalt bei den Kölner Dominikanern und fand Unterstützung bei dem Inquisitor Jakob van Hoogstraten und der Pariser Universität.

In seinem 1511 erschienenen Handtspiegel widerlegte Pfefferkorn Reuchlins Gutachten über den Talmud. Reuchlin antwortete mit dem s.g. im Augenspiegel. Die Auseinandersetzung nahm an Schärfe zu und fand trotz des kaiserlichen Schweigegebots vom Juni 1513 und des päpstlichen Votums für die von Reuchlin vertretene Position im März 1514 kein Ende. Im Jahre 1513 mußte sich Reuchlin in Rom einem Häresieprozeß stellen.

Papst Leo X. beauftragte im Jahre 1514 die Bischöfe von Worms und Speyer den Streit zu entscheiden. Während sich der Wormser Bischof überhaupt nicht um die Angelegenheit kümmerte, gab der Speyerer Bischof Georg von der Pfalz wichtige Staatsgeschäfte vor und delegierte den Fall an die Domherren Georg von Schwalbach, der jedoch aufgab, und Thomas Truchseß von Wetzhausen, einen Schüler Reuchlins, mit der Angelegenheit betraute. Dieser kam zu dem Schluß, dass der Augenspiegel keine Irrlehren enthalte. Dieses Urteil blieb jedoch nur ein Zwischenergebnis.

Hutten und Dunkelmännerbriefe

In den Dunkelmännerbriefen uferte der Streit nach 1515 schließlich aus und entfernte sich von den ursprünglichen Zielen. In diesen Schriften bedrohte Ulrich von Hutten Pfefferkorn mit Folter und Tod.

5. Lateranse

Das 5. Laterankonzil (1512 – 1517) sprach sich zugunsten der Auffassung Reuchlins aus, im Talmud keine gegen das Christentum gerichteten Stellen finden zu können.

Vorlage:Fussnoten