Revolution

Aus Monarchieliga
Wechseln zu: Navigation, Suche


Die Revolution ist ein teuflisches Prinzip.


Gegenstand

  • Die Revolution verkleidet sich in einen Engel des Lichts und der Gerechtigkeit; sie spricht viel von Aufklärung und von Recht, obgleich sie alle gründliche Wissenschaft haßt, aus Finsternis Licht und aus Licht Finsternis macht, das Gute bös und das Böse gut heißt, das angeborne natürliche Recht verleugnet und dagegen ihre Anhänger an die Sklavenketten willkürlicher Menschensatzungen fesselt. Sie sucht durch den Schein des Guten zu verführen, mischt das tödliche Gift in süßen Wein, legt insgeheim ihre Fallstricke und verbirgt die Angel unter verschiedenartigem lockendem Köder.
  • Die Revolution oder der Zeitgeist zeichnet sich ferner gerade durch alle diejenigen Leidenschaften aus, die nicht einmal durch menschliche Gebrechlichkeit oder durch den Hang nach sinnlichen Gütern und Vergnügungen entschuldigt werden können, sondern einen wahrhaft satanischen Charakter haben, und zu allen Zeiten, von allen Völkern, dem bösen Feinde, dem Widersacher alles Guten, zugeschrieben wurden. Seine Anhänger sind besessen von einem fürchterlichen Haß Gottes, als des obersten Herrn und Geber alles Guten, dessen Macht die wohltätigste, dessen Gesetz das mildeste, das leichteste von allen ist; von einer nicht minder grimmigen Wut gegen alle seine Diener und Freunde; von einem eben so unversöhnlichen Haß gegen alle untergeordneten Wohltäter, Beschützer und Leiter der Menschen, die der Zeitgeist für Räuber oder Unterdrücker ausgibt, besonders aber gegen alle Verkündiger der Wahrheit und Gerechtigkeit, weil diese in der Tat seine Todfeinde sind und den Menschen empfehlen, sich wechselseitig zu lieben und wohlzutun.
  • Alles Große und Herrliche muß zertreten werden; der Zeitgeist vernichtet und zerstört alles, was nur immer vernichtet werden kann, alles, was die Menschen durch Wohltaten an einander knüpft: die christliche Kirche, so weit es ihm möglich ist, und deren bloßer Name ihm konvulsivische Zuckungen verursacht; Königreiche, Fürstentümer und Republiken, Herrschaften und Gemeinden, die Ausspender der geistigen und der körperlichen Nahrung, der Seelenspeise und des materiellen Brotes; alle begüterten und mächtigen Menschen, die natürlichen Pflegeväter, Beschützer und Ernährer der Armen und Schwachen; alle nahe gelegenen, billigen und unparteiischen Richter oder Hilfeleister, auf daß der Geringe und Beleidigte keinen schnellen und werktätigen Beistand mehr finde; alle fortdauernden wohltätigen Stiftungen, die Stütze der Gegenwart, die Garantie der Zukunft, welche auch den Kindern hoffen läßt, was ihre Väter genossen haben, alle nicht dem herzlosen Egoismus oder müßigem Selbstgenuß überlassenen, sondern zu gemeinnützigen Zwecken bestimmten, zum Lohn geselliger Pflichterfüllung angewiesenen Güter; alle Schulen, Armen- und Kranken-Anstalten, die, ihrer Hilfsmittel und ihres liebreichen Charakters beraubt, in lauter Beschwerden umgewandelt oder zu Instrumenten neuer Zerstörung mißbraucht und verkehrt werden; alles alte Herkommen, alle durch Erfahrung und durch ihre guten Früchte geheiligten Institutionen und Gesetze; selbst die rechtmäßigsten Privatverträge und die freundlich¬sten Gewohnheiten der Menschen.
  • Wo nur immer eine Reliquie des alten Zustandes übrig bleibt, da ist sie dem Zeitgeist ein Gegenstand des Ärgernisses, denn sie ist ein beständiger Vorwurf für die traurige Gegenwart und erneuert das Andenken an eine bessere Zeit; allerwärts reißt man die herrlichsten Gebäude nieder, zertrümmert Bilder und Kunstwerke, und schont sogar der schönsten Schattenbäume am Eingang unserer Städte nicht, denn sie sind ja ein Symbol jener schützenden und wohltätigen Macht, unter deren gastfreundlichem Schirm sonst jeder ruhig wohnen konnte, ein Bild jenes Baumes der frühern menschlichen Gesellschaft, wo ebenfalls die Zweige mit den Ästen, die Äste mit dem Stamme zusammenhingen, alle aus der nämlichen Wurzel ihre Nahrung zogen und nur mittelst dieser Vereinigung Früchte bringen konnten.
  • Kurz, der Zeitgeist, stellt uns in seinem Triumphe und als Denkmal seiner Weisheit eine Welt von Trümmern und Ruinen dar; dagegen ist ihm das Bauen und Erhalten auf ewig versagt; ein Fluch liegt auf allen seinen Unternehmungen, sein Beginnen gleicht demjenigen des Sisyphus in der Fabel, der dazu verdammt war, immer und ewig einen Mühlstein den Berg hinaufzuwälzen, der aber stets wieder herunterrollte und oft die Arbeiter zerschlug; nichts ist von Dauer, alles mißlingt und stets muß wieder von vorne angefangen werden; Konstitutionen, Gesetze, Reglemente u.s.w. sind einem beständigen Wechsel, einer ewigen Revision unterworfen, und der spätere Versuch ist allemal noch schlechter als der frühere; unaufhörlich wird gebaut und niedergerissen, wieder gebaut und abermal niedergerissen, denn der Zeitgeist, als Geist der Zerstörung, kann seine eignen Schöpfungen nicht leiden, oder vielmehr es ist ihm, seiner Natur nach, das Schaffen und Erhalten auf ewig versagt.

Verweise