Brandenburg, S. Maria in monte

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Die Kirche Santa Maria in Monte.
  • Dieser Beitrag ist von Frau Ursula Creutz † aus ihrem Buch "Geschichte der ehemaligen Klöster im Bistum Berlin"
  • Prämonstratenserpropstei S. Maria in Monte Harlungorum (Closter unser liven Frowen uppe dem Berghe vor der Oldenstat Brandeborch, Monasterium Beate Marie Virginis in Monte extra veterem Civitatem Brandenburgensem ordinis Premonstratensis. Gegründet 1435


Das Prämonstratenserstift in Brandenburg/Havel führte den schönen Namen "Santa Maria in Monte".


Geschichte

Neben dem Domstift St. Peter gab es als zweite jüngere Prämonstratenserniederlassung in Brandenburg das "Stift S. Maria in Monte". Auf dem vor der Altstadt gelegenen Berg, wo in wendischer Zeit sich ein Tempel des dreiköpfigen Triglaw erhob, war von Pribslaw-Heinrich, dem christlichen Hevellerfürsten, eine ecclesia Mariae, ein Muttergottesheiligtum, errichtet worden‚ das als Wallfahrtskirche zu hohen Ehren kam. Die germanische Heldensage hatte den Berg mit dem Bruder Dietrichs von Bern verknüpft, dessen Söhne die Harlunger hießen, daher er auch Harlunger Berg genannt wurde.

Das Brandenburger Domkapitel, dem die askanischen Markgrafen die Marien-Wallfahrtskirche schon wenige Jahre nach der Übersiedlung der Prämonstratenser auf die Dominsel übergeben hatten, begann um 1220 die Kirche auf dem Berg durch einen großartigen frühgotischen Ziegelbau zu ersetzen, der nach Anlage und Plan von den übrigen Kirchen der Stadt gänzlich abwich. In Form eines griechischen Kreuzes, überragt von vier quadratischen Türmen, stand die neue Marienkirche auf der Kuppe des Berges, Sie war im Innern mit Emporen versehen und zum ersten Mal in der Mark mit einem ganz überwölbten Innenraum ausgestattet, eine ungewöhnliche Kirche, die architektonisch als das eigenartigste und wertvollste Bauwerk der mittelalterlichen Mark angesehen wurde.

Der Andrang der Wallfahrer war stark. In nächster Nähe an der Kirchhofsmauer befand sich "ein gemauerter Predigtstuhl", es wurde auch draußen gepredigt. Am Ostermontag, Mariä Geburt und am Fest der heiligen Dorotea feierten die Dom-Prämonstratenser dort oben mit besonderer Festlichkeit das Hochamt. Mittwoch nach Pfingsten zogen sie in Prozession herauf, am Tag vor Himmelfahrt machte der gesamte Brandenburger Klerus die Wallfahrt.

Das Bild der allerseligsten Jungfrau war zur Verehrung vor dem Portal aufgestellt. Bei dieser weitgerühmten, eindrucksvollen Kirche, "dar die hemmelkonyngynne Vorder, wenne anders war, ore gnade mit vele wunderteiken langen Jahren scheinbar und kuntliken gemaken hefft", wurde am 25. September 1435 unter Beihilfe des Landesherrn Kurfürst Friedrich I. vom Brandenburger Domkapitel ein zweites Prämonstratenserstift, ein Monasterium Beate Marie Virginis in Monte extra veterem Civitatem Brandenburgensem ordinis Premonstratensis, wie es in der Bestatigungsurkunde von Papst Nikolaus V. heißt, gegründet.[1]

Dieser Ort sei von der Gottesmutter augenscheinlich selbst auserwählt und auserkoren, erklärte Friedrich I. und er wäre deshalb an den Dompropst Peter Klietzk herangetreten, der "habe mit dem Capitel Got und der Iunckfrawen Marien zu Lobe, uns, unser herrschaft zu willen und wolgevallen, uns, unsern Landen und Lewten zu trost und selikeit ein ordenung in derselben kirchen gemacht. Also das sie den wirdigen und andechtigen, unsern lieben getrewen, herrn Johannsen Haysen, zu Techant auf dem Berge gemacht und bestetigt und funf Priester Irs Ordens mit Im dahin gesatzt haben, die unser frawen getzeite, messe und Lob halten su1len".[2] Zugleich wurde den Bürgermeistern und Ratmannen bei der Stadte Brandenburg befohlen, daß sie "an der herschaft stat den genanten Techant, seine mitbruder, die Iren und ire guter und lewt schützen und Schirmen sullen und in geholffen und geraten sein, wie oft In des not sein wirdet".[3]

Frei von den ein Domkapitel belastenden Geschäften und Pflichten konnten sich die Prämonstratenser hier oben ganz dem Gottesdienst, der Seelsorge und dem geistlichen Leben widmen und rückten mit in den Mittelpunkt, den der Marienberg mit seiner Kirche bildete. Sie nahmen die strenge Observanz an, der sich das Domstift St. Peter nicht angeschlossen hatte. Als Patronatskirchen betreuten sie auch die Rathenower Pfarrkirche St. Marien und die Peter- und Paulkirche in Bützow. Zu den Stiftsgütern gehörten im 15. Jahrhundert die fünf sich hügelaufwärts erstreckenden Weinberge, außerdem ein Weinberg in Rathenow, eine Wiese in Saaringen,[4] Hebungen in Michendorf, Erträge aus den Mühlen zu Neustadt-Brandenburg und Spandau, Heide und Holz Lienewitz[5] mit drei Seen und zwei Wüsten Dorfstätten, der Seddinsee und anderes in der Zauche und im Havelland.

Das Interesse, das der erste hohenzollernsche Markgraf Friedrich I. für das Stift auf dem Berg gezeigt hatte, bekundete in noch stärkerem Maße sein Sohn. Friedrich II., so schreibt Bruno Hennig, "hing an dieser Stätte mit der Inbrunst einer tiefen persönlichen Neigung". Der eiserne Markgraf,[6] der die Städte Berlin und Cölln zum Gehorsam zwang und dem das Schloß an der Spree seine Entstehung verdankte, hatte den Schwanenorden gegründet, eine Gemeinschaft von Rittern, die sich Unser Lieben Frauen Kettenträger nannten. Für diesen Schwanenorden ließ er bei der Marienkirche eine zweigeschossige Kapelle anbauen. So trat "dy loffwerdige kerke uppe den Berg" vor der "olden stadt Brandeborch" in doppelter Hinsicht als Bezirk der Andacht und Sammlung hervor.

Feierlich übten die weißgekleideten Chorherren Liturgie und Marienlob, wie der Gründer des Stiftes, Kurfürst Friedrich I., gewünscht hatte, daß es "zu ewigen Zeiten gehalten würde". In seiner Urkunde vom 4. August 1441 bestätigte Friedrich II. die vom Vater verliehenen Rechte. "Vmb gote vnd der Juncfrawen Marien zu lobe vnd auff das das Stifft zu ewige zeiten bestendig bleibe", heißt es auch hier, und er fügte hinzu: "Wer jemand, welchs grades oder wirdigkeit der wer, in vnsern landen besessen, der dem genanten Stiffte an seiner ordenunge, gutern oder czugehorungen einfal oder Irrunge tun wurde oder die Verbrechen, Verkurzen oder Verweschen, des wir doch nicht enhoffen, der sol in vnnszer, vnszer erben und nachkommen swere vngnade verfallen".

Vertrauend auf solche Zusicherungen, sahen sich die Prämonstratenser auf dem Berg im 16. Jahrhundert vor die Forderung der neuen Kirchenordnung gestellt, die gerade das verbot, was ihnen zur Pflicht gemacht war: Feier der heiligen Messe und Lob der Gottesmutter in Chorgebet und Tagzeiten. Der mit der Beschlagnahme beauftragte kurfürstliche Beamte Anton von Warberg nahm 1543 das Bergstift mit Gewalt ein. 1546 verschleppte er die Bibliothek, die bis heute verschollen ist. Die Prämonstratenser klagten in Speyer beim Reichskammergericht. Die Akte "Herr probst und Convent uff unser lieben Frawen berg vor brandenburg gelegen contra Herrn Joachim Marggraven zu brandenburg Churf. l 1544" blieb erhalten. Der letzte Stiftspropst Peter Reinecke suchte im Minoritenkloster bei den Franziskanern Zuflucht. Dort ist er am 17. Dezember 1547 gestorben. Am 25. Januar 1549 verschrieb der Kurfürst dem Junker Tonius zu Warberg, der ihn eine große Summe Goldgulden vorgestreckt hatte, "das Closter vfm Berge"[7] und zerbrach damit das Werk, dem hundert Jahre zuvor seine Vorfahren Liebe und Verehrung geschenkt hatten.

Anton von Warberg beraubte die Türme ihres Kupfers und Bleies und ließ die eisernen Fensterstangen herausreißen. Danach nahm ein Klausner auf dem verlassenen Berg Wohnung, um nach dem Rechten zu sehen. Als er 1563 starb, folgten Verwahrlosung und weiterer Verfall. Im 17. Jahrhundert wurden die Klostergebäude abgetragen. 60 Jahre danach, am 20. April 1722, begann auch der Abriß der Kirche, deren Steine für das Potsdamer Militär-Waisenhaus bestimmt waren. Vergeblich bot die Stadt Brandenburg König Friedrich Wilhelm I. an, für 400 Taler Steine ohne Gegenleistung für die Bauten zu liefern. Der Abbruch dauerte 1¼ Jahr. Zum Teil waren die Gewölbe so fest, daß sie mit Pulver gesprengt werden mußten.

Die Bauern, die zweimal in der Woche die Lebensmittel zum Markt brachten, wurden verpflichtet, an diesen Tagen jeweils ein Fuder Steine hinunter an die Havel zu fahren. Dafür erhielten sie zwei Groschen Fuhrlohn. Aus den beschädigten Steinen bauten sich die Weinmeister am Fuß des Berges ihre Häuser. Der Schutt, der übrigblieb, wurde 1805 zum Bau der Chaussee nach Plaue verwendet.

Als im vergangenen Jahrhundert das Kriegerdenkmal auf dem Berg errichtet wurde, stieß man 1874 auf starke Fundamentreste, doch machte man sich nicht daran, dieselben für Forschungszwecke aufzugraben. In St. Gotthard befindet sich auf dem Grabmal des Bürgermeisters Trebraw eine von Tomas Heren aus Emden 1586 gemalte Votivtafel. Darauf sieht man die Marienkirche und östlich davon vier schlichte Häuser in unregelmäßiger Lage zueinander. Diese Darstellung und ein mit Wasserfarben nach der Natur gemaltes Bild in der Chronik des Zacharias Garcäus von 1582 sind das einzige, was uns eine Vorstellung von den Klostergebäuden geben kann.

Verweise




Einzelnachweise

  1. Riedel, A IX 169
  2. A IX 141
  3. A IX S. 141 f
  4. Dorf östlich von Brandenburg, an der Havel
  5. südlich von Kaputh, heute an der BAB A 10
  6. "Eisenzahn"
  7. A IX 305 f.