Sachsen (Volk)

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Die Sachsen waren ein germanischer Völkerverband, der sich im 3. Jh. aus heterogenen Bestandteilen herausbildete.


Früheste Nennung

Die früheste Nennung der Sachsen wurde lange dem in Alexandria schreibenden Griechen Ptolemäus zugeschrieben, der in der Regierungszeit des Kaisers Mark Aurel starb und in dessen überlieferten Texten der Name des Volkes an mehreren Stellen auftaucht. Seiner Geographie zufolge bewohnten sie das Land an der Nordsee zwischen den Chauken, die bis zur Elbe siedelten, und den Sigulonen, die nordwärts einer Landenge auf der Kimbrischen Halbinsel wohnten.

Lange Zeit hat man aus diesen Angaben auf Ursitze der Sachsen um 150 n. Chr. in Schleswig-Holstein geschlossen. Die Zuverlässigkeit dieser Angaben wird heute jedoch sehr in Frage gestellt. Insbesondere weil man vermutet, daß Ptolemäus seine Informationen über die Geographie Nordeuropas aus der Zeit um Christi Geburt bezogen haben dürfte, die Sachsen aber in keiner anderen Quelle vor ihm erwähnt sind.

Takitus etwa, der um 98 n. Chr. in seinem bekannten Werk Germania den Anspruch erhob, ein vollständiges Bild der Bewohner Germaniens zu zeichnen, erwähnte die Sachsen nicht. Man nimmt deshalb heute an, daß die Nennung der Sachsen bei Ptolemäus das Resultat einer Textverderbnis ist. Die Geographie des Ptolemäus ist wie viele antike Werke nicht im Original erhalten. Die älteste Handschrift ist etwa 1.100 Jahre jünger als das Werk selbst. Vermutlich schrieb Ptolemäus ursprünglich von Avionen, was von späteren Abschreibern in Sachsen verändert wurde. In der Mehrzahl der Handschriften findet sich auch nicht das Wort Sachsen, sondern eine Zwischenform Axones.

Siedlungsgebiet

Die Sachsen waren zwischen Isselmeer, dem Raum von der Weser bis zur Elbe sowie nördlich der Elbe in Holstein bis zur Eider heimisch. Sie eroberten weite Teile Norddeutschland und gliederten die dort lebenden Völker ihrem Völkerverband ein, zuletzt im 6. und 7. Jh. das Land der Brukterer und die Tubanten. Später unterschied man drei bzw. vier Völkergruppen. Im Westen haben die niedersächsischen Dialekte, die sich aus dem Altsächsischen entwickelten, auch weiterhin ihr traditionelles Sprachgebiet.

Das alte Sachsenland bestand im Ganzen aus den drei Gauen:

  1. Westfalen: der westliche Teil des alten Sachsenlandes um die Flüsse Ruhr, Sieg, Lippe und Ems, also das heutige Münsterland über Osnabrück bis zur friesischen Grenze, im Süden einschließlich des heutigen östlichen Ruhrgebietes und Sauerlandes und im Westen die heutigen niederländischen Provinzen Überissel und Drente.
  2. Engern: der mittlere Teil des alten Sachsenlandes um die Flüsse Weser, Diemel, Leine bis zur Aller, also das östliche Sauerland bzw. östliche Westfalen an der Weser von Hannoversch Münden bis über Minden um Göttingen bis an die untere Leine in Hannover hinunter bis Holstein und Friesland.
  3. Ostfalen: Der östliche Teil des alten Sachsenlandes um die Flüsse Aland, Ohre, Saale, Oker, Bode im Osten bis zur Elbe, also die Gegend um Magdeburg, Braunschweig, Hildesheim, Halberstadt im Süden einschließlich des Harzes, im Norden und Osten bis zur Elbe.

Die Bezeichnung Westfalen ist als einzige erhalten geblieben, die Bezeichnungen Engern und Ostfalen sind bei der Auflösung des Herzogtums Sachsen nach der Achtserklärung Heinrichs des Löwen 1180 verlorengegangen. Nur der Name Engern hatte im Titel des Herrschers des jüngeren Herzogtums Sachsen mit dem Titel Herzog von Sachsen, Engern und Westfalen weiterhin Bestand. Ostfalen bestand darüber hinaus nur als Name des Ostfalengaus.

Innere Verhältnisse

Von der Völkerwanderung wenig berührt, bewahrten die auf dem Festland verbliebenen Sachsen vermutlich eine relativ ursprüngliche germanische Volksverfassung und standen bis zur Eroberung durch Karl den Großen nie unter einem gemeinsamen König. Beda Venerabilis ist der einzige, der vor der Zeit Karls des Großen über die inneren Verhältnisse der Sachsen berichtet. Er schreibt, daß die Altsachsen nicht einen König hätten, sondern sehr viele über dem Volk stehende Satrapen. Im Kriegsfalle hätten diese das Los entscheiden lassen, wer das Heer vorübergehend führt. Nach dem Krieg hätten wieder alle Satrapen die gleiche Machtfülle innegehabt.

In der ältesten Lebensbeschreibung des heiligen Lebuin (verfasst nach 840), wird von einer Versammlung der Sachsen in Marklo berichtet, bei der sich die Satrapen mit einem Gefolge von jeweils 36 Mann versammelt hätten. Lange hat man durch eine Mißdeutung des Wortes „electi“ angenommen, es wären hier gewählte Volksvertreter zusammengekommen. Bis in die jüngste Vergangenheit wurde auch in Anlehnung an Tacitus, der von germanischen Monarchien und Republiken berichtet, an eine Art ursächsische republikanische Stammesverfassung gedacht. Dies dürfte aber nicht den Tatsachen entsprechen, wie auch die Ausdeutung des Tacitus heute als verfehlt betrachtet wird.

Ein weiteres Argument für diese Deutung gilt heute ebenfalls als nicht mehr haltbar. Karl der Große ließ im Gesetzeswerk Capitulatio de partibus Saxoniae Versammlungen in Sachsen verbieten. Früher wurde der Gesetzestext so ausgedeutet, daß eine einzige große Versammlung der Sachsen impliziert wurde. Dies wird heute stark angezweifelt und der Markloer Landtag gilt heute überhaupt als erdichtet. Demnach unterstanden die Sachsen bis zur Eroberung durch Karl den Großen mehreren Einzelherrschern, die zumindest zeitweise in einer Art formellem Unterordungsverhältnis zum fränkischen Herrscher gestanden haben dürften. Dies soll wohl durch Bedas Wortwahl Satrape ausgedrückt werden. In Holstein wurden jährliche Versammlungen des Thing bis 1546 fortgesetzt.

Sächsische Stammesgruppen

Kern des Sachsenvolkes waren die Westgermanen, die man später auch „Altsachsen“ nannte. Sie siedelten insbesondere im heutigen Niedersachsen und in England.

Niedersachsen

Niedersächsisch oder Niederdeutsch ist eine eigenständige Sprache mit einer eigenen Grammatik. Danach gliedert sich das Niedersächsische in folgende Sprachuntergruppen:

  • Nordniedersächsisch
  • Westfälisch
  • Ostfälisch

Hier tauchen die alten sächsischen Stammes- oder Gaunamen wieder auf. Das nordelbische Gebiet untergliederte sich in Ditmarschen, Holstein und Stormarn.

Westfalen

Die Westfalen lebten hauptsächlich zwischen dem Rheinvorland (Münsterland, mittlere Ruhr, Sauerland) und der Weser. Ihr Name hat die Bedeutung „Westmänner“ oder „Westsachsen“ und ist erstmals zur Zeit Karls des Großen bezeugt. Auffällig ist, daß die archäologischen Funde aus Westfalen belegen, daß die dort ansässige Bevölkerung schon im 6. Jh. unter starkem fränkischen Einfluß stand, ohne jedoch dem Frankenreich zugerechnet werden zu können.

Der Druck der fränkischen Eroberung hat die westfälische Bevölkerung zum Zusammengehen mit den Sachsen genötigt. In der Betrachtung durch die erfolgreiche fränkische Seite wurden dann auch die eigenständigen Bevölkerungsteile Westfalens unter dem Begriff der Sachsen subsumiert.

Ostfalen

Die Ostfalen[1] lebten zwischen Weser und Elbe. Dieses ursprünglich türingische Gebiet wurde erst im 7. bis 10. Jh. besiedelt.

Engern

Die Engern nahmen in Sachsen offenbar eine zentrale Stellung ein. Sie lebten an der Weser, zwischen Ostfalen und Westfalen. In ihrem Gebiet lag die Stätte der jährlichen Versammlung von Marklo an der Weser. Der Name der Engern[2] scheint die verkürzte Form des Namens der Angrivarier zu sein, die demnach einen wichtigen Stamm der Sachsen bildeten.

Nordalbingien

Als Nordalbingier[3] werden die nördlich der Elbe siedelnden Stormaren, Holsteiner und Ditmarscher bezeichnet. Von den übrigen sächsischen Stämmen unterschieden sich die Nordalbingier durch das Fehlen einer Unterteilung in Stände. So gab es weder Adel noch Laten. Alle Bauern waren vor Gericht gleich. Eliten bildeten sich nur für fest umrissene Aufgabenbereiche und auch nur vorübergehend aus. Ämter waren also nicht vererblich.

Damit ähnelte die Verfassung der drei Stämme eher dänischem als sächsischem Recht. Das Siedlungsgebiet der Nordalbingier wurde nach Norden von Eider und Levensau, nach Osten durch die Schwentine begrenzt und stieß nur an der Kieler Förde an die Ostsee.

Ditmarschen, Holstein und Stormarn waren im Zuge der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen dem dänischen Königreich und dem deutschen Kaiserreich vom restlichen Sachsen getrennt. Oft regierten hier landflüchtige dänische Könige mit Duldung des Kaisers, die in Dänemark vom Thron gestürzt worden waren – wie auch in einigen Teilen Nordwestniedersachsens. Zweimal wurde dieses Gebiet vom Kaiser dem dänischen Königshaus zuerkannt.

Obersachsen

Die Obersachsen sind ein deutscher Neustamm im ehemaligen Herrschaftsgebiete der Wettiner.

Die Siebenbürger Sachsen

Die Siebenbürger Sachsen sind die deutsche Kernbevölkerung Siebenbürgens.

Verweise



Einzelnachweise

  1. Ostmänner
  2. Angarii
  3. von lateinisch Alba=Elbe