Scheibe, Johann Adolf

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Johann Adolf Scheibe war ein sächsischer Komponist und als Herausgeber und Autor des "Kritischen Musikus" einer der ersten publizierenden Musikkritiker.


Leben

Johann Adolf Scheibe wurde als Sohn des Orgelbaumeisters Johann Scheibe (um 1675–1748) in Leipzig geboren und wuchs dort auf. 1729 bewarb er sich erfolglos um den Posten des Organisten der Tomaskirche in Leipzig, wobei sich Johann Sebastian Bach als Tomaskantor, wiewohl er mit dem Vater Scheibes in freundschaftlichem Kontakt stand, für den Mitbewerber Johann Gottlieb Görner entschied. Scheibe war danach von 1730 bis 1735, weiterhin in seiner Heimatstadt, als Musiklehrer und Komponist tätig.

1736 zog er nach Hamburg um, wo es ihm schnell gelang, einflußreiche Freunde wie Mattheson und Telemann zu gewinnen. Letzteren vertrat er während seiner Abwesenheit als Musiklehrer. Von beiden ermutigt, veröffentlichte er von 1737 bis 1740 "Der kritische Musikus“, eine Zeitschrift, die sich mit Fragen musikalischer Ästhetik befaßte.

1739 wurde Scheibe auf Schloß Friedrichsruh (in Drage bei Itzehoe) als Kapellmeister des Markgrafen Friedrich Ernst von Brandenburg-Kulmbach, des damaligen Statthalters des dänischen Königs in den Herzogtümern Schleswig und Holstein, angestellt.

  • 1749 veröffentlichte er seine Sammlung "Neue Freymaurerlieder mit bequemen Melodien" – 1746 war er in die Kopenhagener Loge Zorobabel aufgenommen worden.

Scheibe über seine Zeitgenossen

Der Musikkritiker Scheibe hielt Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel für die Spitzenkomponisten der Tasteninstrumentalmusik, besonders wegen ihrer überlegen strukturierten und ornamentierten Werke. Auch als Organist, Cembalist und Klavichordspieler schätzte er Bach als unüberwindbar ein, nur Händel sei ihm vergleichbar. Bachs 1735 veröffentlichtes Italienisches Konzert (BWV 971) proklamierte er als Vorbild, das verdiene, von allen Komponisten als Lehrbeispiel für ein wohlkonstruiertes Konzert beachtet zu werden.

Bachs Kirchenkompositionen hielt Scheibe für hochkünstlerisch und elaboriert, in Ausdruck, Überzeugungskraft und Plausibilität seien ihnen die Werke von Georg Philipp Telemann und Carl Heinrich Graun jedoch deutlich überlegen. Seinerzeit würden die meisten Deutschen neben Telemann Graun und Johann Adolph Hasse als höchstrangige Komponisten genannt haben.

Scheibe veröffentlichte 1737 eine Glosse, in der er darlegte, was ihn an Bachs Musik störte: sie sei unnatürlich, gekünstelt und sein Stil verwirrend. Weil er alle Ornamente ausschreibe, anstatt die Verzierung dem Spieler zu überlassen, überdeckten sie die Schönheit der Melodien und Harmonien. Anstatt eine Melodiestimme zu begleiten, komponiere er zu polyphon, so daß alle Stimmen gleichwertig und das Ganze zu kompliziert sei. Dadurch wirke die Musik überladen, gekünstelt und erdrückend, statt schlicht, natürlich und würdevoll zu klingen, wie Scheibe es für erstrebenswert hielt.

Diese Kritik führte zu der berühmten Replik des Rhetorik-Dozenten Johann Abraham Birnbaum (1702-1748).[2] Wegen seiner Kritik an Bach wurde und wird Scheibe von vielen Musikwissenschaftlern, insbesondere von Bachforschern, kritisch gesehen. Musikalisches Werk

In seiner Autobiografie (gedruckt 1740 von Mattheson) schrieb Scheibe über sein Werk: "Von praktischen Arbeiten habe ich zwar noch niemals etwas durch den Druck bekannt gemacht; es sind aber derselben eine ziemliche Menge von mir verfertiget worden. Mehr als 150 Kirchenstücke , in einer Zeit von 6 oder 7 Jahren; mehr als 150 Concerten für die Flöte; und mehr, als 30 für die Geige; mehr als 60 biß 70 Sinfonien; ohne Claviersachen, oder andere Vokal- und Instrumentalarbeiten: nemlich, an Trios, Solos, italiänischen und deutschen Cantaten und dergleichen zu rechnen, sind in eben dieser Zeit von mir gesetzet worden. Hierzu kommen noch einigen starcke Serenaten und Singgedichte, die ich bey unterschiedenen Begebenheiten gemacht habe, ein Paar starcke Passions-Oratoria, und eine Oper; welche letztere aber nicht aufgeführet werden konnte: weil die Opern allhier in Hamburg eben zu der Zeit eingingen, da sie zum Vorschein kommen sollte.“

Nur wenige, kleinere seiner Kompositionen wurden gedruckt. Als Novum für Dänemark führte Scheibe 1742 in der Kirche von Schloß Christiansborg ein Passionsoratorium auf. Überhaupt neu und überwältigend waren damals Aufführungen mit großen Ensembles aus mehreren Dutzend Mitwirkenden. Mit seinen Passionskantaten prägte er das damalige Konzertleben in Dänemark. Scheibes produktivste Schaffensperiode fällt in seine Zeit auf Schloß Christiansborg, das 1794 zusammen mit der königlichen Musikbibliothek abbrannte. Inge Kristiane Brander charakterisiert Scheibes Stil als von den Stilidealen der Barockzeit ausgehend, geprägt aber von dem "Streben nach einem einfacheren und lauteren musikalischen Ausdruck, nach einer reizenden und empfindsamen Melodie“. Erst in neuerer Zeit wird Scheibes Musik (wieder)entdeckt.

Scheibe ist einer der bedeutendsten Repräsentanten aufklärerischer Musik, beeinflusst durch den französischen Klassizismus sowie die Literaten Gottsched und Wolff, und war durch die rationale Imitation der Natur sowie die Verwendung pädagogisch-moralischer Elemente in seiner Instrumentalmusik wegbereitend für den emotionalen Stil. Die Harmonie hatte sich der expressiven Melodie unterzuordnen.

Verweise