Schleicht, spielende Wellen

Aus Monarchieliga
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  • Dramatis personae: Pleiße (Sopran); Donau (Alt); Elbe (Tenor) und Weichsel (Baß)
  • BWV 206
  • BC G 23


Text des Werks

Chorus: Schleicht, spielende Wellen und murmelt gelinde

Schleicht, spielende Wellen, und murmelt gelinde,
nein, rauschet geschwinde,
daß Ufer und Klippe zum öftern erklingt!

Die Freude, die unsere Fluten erreget,
die jegliche Welle zum Rauschen beweget,
durchreißet die Dämme,
worein sie Verwundrung und Schüchternheit zwingt.

Rezitativ Weichsel: O glückliche Veränderung

O glückliche Veränderung!
Mein Fluß, der neulich dem Cocytus gliche,
weil er von toten Leichen
und ganz zerstückten Körpern langsam schliche,
wird nun nicht dem Alfeus weichen,
der das gesegnete Arkadien benetzte.
Des Rostes mürber Zahn
frißt die verworfnen Waffen an,
die jüngst des Himmels harter Schluß
auf meiner Völker Nacken wetzte.
Wer bringt mir aber dieses Glücke?
August,
der Untertanen Lust,
der Schutzgott seiner Lande,
vor dessen Zepter ich mich bücke,
und dessen Huld für mich alleine wacht,
bringt dieses Werk zum Stande!
Drum singt ein jeder, der mein Wasser trinkt.

Arie Weichsel: Schleuß des Janustempels Türen

Schleuß des Janustempels Türen,
unsre Herzen öffnen wir.

Nächst den dir getanen Schwüren
treibt allein, Herr, deine Güte
unser kindliches Gemüte
zum Gehorsam gegen dir.

Rezitativ/Arioso Elbe: So recht

So recht, beglückter Weichselstrom,
dein Schluß ist lobenswert,
wenn deine Treue nur mit meinen Wünschen stimmt,
an meine Liebe denkt
und nicht etwann mir gar den König nimmt.
Geborgt ist nicht geschenkt,
du hast den gütigsten August von mir begehrt,
des holde Mienen
das Bild des großen Vaters weisen,
den hab' ich dir geliehen.
Verehren und bewundern sollt du ihn,
nicht gar aus meinem Schoß und Armen reißen.
Dies schwöre ich, o Herr, bei deines Vaters Asche,
bei deinen Siegs- und Ehrenbühnen:
Eh sollen meine Wasser sich
noch mit dem reichen Ganges mischen
und ihren Ursprung nicht mehr wissen,
eh soll der Malabar
an meinen Ufern fischen,
eh ich will ganz und gar
dich, teuerster Augustus, missen.

Arie Elbe: Jede Woge meiner Wellen

Jede Woge meiner Wellen
Ruft das göldne Wort August!

Seht, Tritonen, muntre Söhne,
wie von nie gespürter Lust
meines Reiches Fluten schwellen,
wenn in dem Zurückeprallen
dieses Namens süße Töne
hundertfältig widerschallen.

Rezitativ Donau: Ich nehm zugleich an deiner Freude teil

Ich nehm zugleich an deiner Freude teil,
betagter Vater vieler Flüsse!
Denn wisse,
daß ich ein großes Recht auch mit an deinem Helden habe.
Zwar blick ich nicht dein Heil,
so dir dein Salomo gebiert,
mit scheelen Augen an,
weil Karlens[1] Hand,
des Himmels selt'ne Gabe,
bei uns den Reichsstab führt.
Wem aber ist wohl unbekannt,
wie noch die Wurzel jener Lust,
die deinem gütigsten Trajan
von dem Genuß der holden Josefine
allein bewußt, an meinen Ufern grüne?

Arie Donau: Reis von Habsburgs hohem Stamme

Reis von Habsburgs hohem Stamme,
Deiner Tugend helle Flamme
Kennt, bewundert, rühmt mein Strand.

Du stammst von den Lorbeerzweigen,
drum muß deiner Ehe Band
auch den fruchtbarn Lorbeern gleichen.

Recitativo Pleiße: Verzeiht, bemoste Häupter starker Ströme

Verzeiht,
bemoste Häupter starker Ströme,
wenn eine Nymphe euren Streit und euer Reden störet.
Der Streit ist ganz gerecht;
die Sache groß und kostbar, die ihn nähret.
Mir ist ja wohl Lust
annoch bewußt,
und meiner Nymphen frohes Scherzen,
so wir bei unsers Siegeshelden Ankunft spürten,
der da verdient, daß alle Untertanen ihre Herzen,
denn Hekatomben sind zu schlecht,
ihm her zu einem Opfer führten.
Doch hört, was sich mein Mund erkühnt euch vorzusagen:
Du, dessen Flut der Inn und Lech vermehren,
du sollst mit uns dies' Königspaar verehren,
doch uns daßelbe gänzlich überlassen.
Ihr beiden andern sollt euch brüderlich vertragen,
und, müßt ihr diese doppelte Regierungssonne
auf eine Zeit, doch wechselsweis, entbehren,
euch in Geduld und Hoffnung fassen.

Aria Pleiße: Hört doch, der sanften Flöten Chor

Hört doch! Der sanften Flöten Chor
erfreut die Brust, ergötzt das Ohr.

Der unzertrennten Eintracht Stärke
macht diese nette Harmonie
und tut noch größre Wunderwerke.
Dies merkt und stimmt doch auch wie sie.

Recit. Ensemble: Ich muß, ich will gehorsam sein

WEICHSEL: Ich muß, ich will gehorsam sein.

ELBE: Mir geht die Trennung bitter ein,
doch meines Königs Wink gebietet meinen Willen.

DONAU: Und ich bin fertig, euren Wunsch,
soviel mir möglich, zu erfüllen.

PLEISSE: So krönt die Eintracht euren Schluß,
doch schaut, wie kommt's, daß man an eueren Gestaden
so viel Altäre heute baut?
Was soll das Tanzen der Najaden?
Ach, irr' ich nicht,
so sieht man heut' das längst gewünschte Licht
in frohem Glanze glühen,
das uns're Lust, den gütigsten August,
der Welt und uns geliehen.
Ei nun wohlan,
da uns Gelegenheit und Zeit
die Hände beut,
so stimmt mit mir noch einmal an:

Chor. Ensemble: Die himmlische Vorsicht der ewigen Güte

Die himmlische Vorsicht der ewigen Güte
beschirme dein Leben, durchlauchter August!

So viel sich nur Tropfen in heutigen Stunden
in unsern bemoosten Kanälen befunden
umfange beständig dein hohes Gemüte
Vergnügen und Lust!

Verweise



Einzelnachweise

  1. als Kaiser Karl VII.