Schließt die Gruft, ihr Trauerglocken

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  • BWV A 16
  • 9. November 1735
  • Personen: Die Tugend, die Wehmut, die Großmut, der Nachruhm.


Das Werk

Hier handelt es sich um eine verschollene Trauerkantate von M. Balthasar Hoffmann für die Herzogin Hedwig von Merseburg vom 9. November 1735.

Laut neuerem BWV ist die Autorschaft J. S. Bachs "völlig ungesichert". Hans Joachim Schulze schreibt: "Zu den Texten, die als möglicherweise von Bach komponiert angesehen werden, gehört auch die Trauerkantate … H. von Hase vermutete 1913, daß Bach den von dem Konrektor des Merseburger Stiftsgymnasiums, Balthasar Hoffmann (1697 - 1789) verfaßten Text … vertont haben könnte. … Es ist jedoch unwahrscheinlich, daß der Hofkapellmeister Johann Theodor Römhild bei der Vergebung des Kompositionsauftrages übergangen worden wäre. … Die übrigen von von Hase vermuteten Verbindungsfäden zwischen Bach und Merseburg reichen … nicht aus, um die Trauerkantate weiterhin für Bach in Anspruch zu nehmen.[1]

Text vor der Rede

Concerto

Aria (Die Großmuth)

Schließt die Gruft, ihr Trauerglocken,
hört mit bangem Stürmen auf!

Geist und Tugend kann nicht sterben,
denn auf wohl vollbrachten Lauf
bleiben sie des Lebens Erben.

Recitativo (Wehmuth, Tugend, Nachruhm, Großmuth)

Wehmuth:
Ach Hedewig,
wie schmerzlich fällt dein Fall!
Das Ohr hört überall
Dich, teu'rste Fürstinn, höchst beklagen.

Tugend:
Ich, leider, seh mein wahres Bild
der Gottesfurcht, Geduld und Demut Schild,
in dir betrügt zu Grabe tragen.

Nachruhm:
So weltgepriesnen Tugendglanz
hält weder Sarg noch Gruft zurücke.

Großmuth:
Faßt einen Mut,
erhebet die betränten Blicke:
Seht auf,
dort krönt sie für den Fürstenhut
ein mehr als sternenheller Kranz.

Aria

Geist und Tugend kann nicht sterben!

Denn auf wohlvollbrachten Lauf
bleiben sie des Lebens Erden.

(Wehmuth)

Es ist mehr als zu wahr!
Allein,
wer kann die Totenbahr',
wer den Verlust
Ohn ein bejammerndes Empfinden,
Mit unbewegter Brust
Und trocknen Augen überwinden?

Aria

Milde Zähren, netzt die Wangen,
zollt, durch brünstiges Verlangen
treuer Ehrfurcht letze Pflicht.

Doch ein hohes Angedenken
in die Seelen einzusenken
hindert Grab und Moder nicht.

Text nach der Rede

Duetto (Tugend, Nachruhm)

Tugend:
Setzt Pyramiden!

Nachruhm:
Baut Mausoleen!

Beyde:
Ihr Pracht muß zerfallen und untergehen,
nur Tugend und Nachruhm trotzt Alter und Zeit.

Tugend:
Im Himmel glänzt Tugend bei englischen Chören,

Nachruhm:
auf Erden flicht Nachruhm stets Kronen der Ehren,

Beide:
und ewige Palmen bekränzen den Streit.

Recitativo (Großmuth, Wehmuth, Tugend, Nachruhm)

Großmuth:
Dies ist, durchlauchtes Fürstenhaus,
dies ist der beste Quell, woraus
des Trostes schönste Ströme rinne.

Wehmuth:
So wie Gott will!
Auch tränend schweigt das Herze still
und ehrt das göttliche Beginnen.

Tugend:
Ach Gott, laß nur die teu'rsten Fürstenkronen
bei fernem[2] Trauerflor befreit,
noch lange Zeit
bei hohem Wohl im Segen bei uns wohnen!

Nachruhm:
Der teu'rsten Hedwig hoher Name
strahlt allbereit
im Buche der Unsterblichkeit.
Wir aber gehn zur stillen Gruft,
dahin uns Pflicht und Ehrfurcht ruft:
Erlaube, Seligste, uns an dein Grab zu setzen,
und an den Sarg
die Zeilen einzuätzen:

Tutti

Ruht, ihr heiligen Gebeine
in der Höhle kühler Steine,
schlaft, bis ihr dereinst erwacht!

Endlich sollt ihr wieder grünen,
wenn der große Tag erschienen,
welcher alles lebend macht.


Verweise




Einzelnachweise

  1. In BJ 1959, S. 169
  2. Dieses Wort ist unverständlich.