Schulz, Hieronymus

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Hieronymus Schulz war Bischof von Brandenburg und Havelberg.


Leben

Der Kurfürst von Brandenburg sorgte dafür, daß er 1507 dem Bischof Joachim von Bredow nachfolgte. Die Wahl erfolgte nach dem 29. Mai 1507. Als Bischof bezeichnete er sich ab 30. Juli 1507. Die Bestätigung des Papstes erlangte er am 6. Oktober 1507.

Vom Landesherrn war und blieb Schulz abhängig. Der Kurfürst bediente sich seiner als Rates und Gesandten, wofür ihn Klugheit und Umsicht empfahlen. Schulz war begabt und tüchtig, vor allem sehr wortgewandt‚ aber in der Theologie wenig bewandert. Er war ein vor allem in der Rechtswissenschaft gebildeter Mann. Als Offizial der Niederlausitz, Pfarrer in Cottbus und Propst in Salzwedel hatte er Erfahrung in Rechtsprechung und Seelsorge erworben. Noch im Jahr seiner Ernennung wandelte er das Domkapitel in ein weltgeistliches Stift um, 1516 ließ er das Meßbuch der Brandenburger Diözese neu drucken. Aleander sah in ihm am 5. April 1521 „einen willensstarken und verschlossenen Mann“, welcher der Kirche treu ergeben sei.

Es ist wichtig, sich zu erinnern, daß der nicht zur Mark Brandenburg gehörige Teil des Bistums, nämlich die Stadt Wittenberg und ihre Umgebung, bereits einige Jahre vor dem Auftreten Luthers im Konflikt mit dem Bischof lebte. 1512 hielt dieser eine Synode in Ziesar. Die Wittenberger Geistlichen erschienen dazu nicht. Vom 21. November 1512 bis 15. April 1515 lag über Wittenberg das von ihm wegen Gefangennahme eines Geistlichen durch den Magistrat verhängte lnterdikt. Hier fand der abtrünnige Augustinermönch den erwünschten Widerhall mit seiner Agitation.

Von Wittenberg aus drang seine Botschaft in die umgebenden Gebiete, vor allem durch Studenten; in den Jahren 1518 bis 1521 studierten 89 Angehörige der Mark Brandenburg an der Universität Wittenberg. Schulz oblag es als erstem, den 1517 ausbrechenden Ablaßstreit zu schlichten. Luther übersandte ihm seine 95 Thesen. Wie die meisten Zeitgenossen glaubte der Bischof zu Beginn der Bewegung an die guten Absichten Luthers. Er meinte anfangs, dieser wolle eine echte Erneuerung der katholischen Kirche, und so wähnte er, dem aufsässigen Augustinermönch mit gutem Zureden beikommen zu können.

Konflikt mit Luther

Der Bischof sandte zuerst, Ende November 1517, den Abt Valentin von Lehnin zu Luther. Dieser bat den Mönch in seinem Auftrag, mit seinen Publikationen zurückzuhalten und um des Ärgernisses willen eine Zeitlang zu schweigen. Schulz kannte Luthern noch nicht, sonst hätte er sich nichts von dem Gespräch erwartet. Luther stimmte zwar zunächst dem Vorschlag, den ihm der Abt von Lehnin unterbreitet hatte, zu. In dem Brief vom 13. Februar 1518 an den Bischof erklärte er sogar, seine Ansichten völlig dem Urteil der Kirche zu unterstellen.

Der trotzige Wittenberger dachte aber nicht daran, auf die Dauer stillzuhalten. Im Mai 1518 veröffentlichte er die „probationes de virtute indulgentiarum“ und sandte sie dem Bischof mit einem demütig klingenden Begleitschreiben zu. Schulz suchte ihm noch einmal gütlich zuzureden, daß er nicht öffentlich über die Kraft des Bannes disputiere.

Der Bischof sah Luthers Kühnheit nicht zu Unrecht in dem Rückhalt begründet, den er an der Universität Wittenberg und dem sächsischen Kurfürsten besaß. Aber er hoffte noch auf einen Ausgleich durch Gespräche. Im Februar 1519 reiste er selbst nach Wittenberg, um Luther in freundlicher Weise von seinem falschen Weg abzubringen; er zeigte damit, wieviel ihm an der Bekehrung des Irrlehrers lag und wie wenig er dabei seiner Würde achtete.

Indes verkannte er damit sowohl den Charakter Luthers als die Gründe der von diesem hervorgerufenen Bewegung. In Wirklichkeit hätte allein rasches und scharfes Durchgreifen im Verein mit der weltlichen Gewalt helfen können. Erst allmählich erkannte auch Schulz, worum es sich bei der von Wittenberg ausgehenden Sturmflut handelte. Langsam begriff er, daß hier anderes im Gange war als eine katholische Reform.

An diesem Prozeß des Umdenkens waren in nicht geringem Maß die Theologen der Universität Frankfurt/Oder beteiligt. Johann Tetzel veröffentlichte am 20. Januar 1518 an dieser Hochschule 106 Sätze, die von Konrad Wimpina stammten. Darin wurden Luthers Irrtümer aufgedeckt und vor allem die Tragweite derselben klargestellt. Ende April/Anfang Mai 1518 verteidigte Tetzel in Frankfurt 50 Thesen, die den entscheidenden Punkt im Streit mit Luther angingen, nämlich die Frage der Autorität der Kirche.

In Frankfurt wurde Tetzel zum Doktor der Theologie promoviert. Als Schulz eingesehen hatte, daß Luther nicht mehr im Glauben der Kirche stand, bemühte er sich, sein Bistum vor der eindringenden Irrlehre zu bewahren. Am 29. September 1520 wurde die Bannandrohungsbulle gegen Luther in Brandenburg angeheftet. Damit gab er aber seine Anstrengungen um einen Ausgleich keineswegs auf. Auf dem Reichstage zu Worms suchte er Luther erneut zum Nachgeben zu bewegen.

Damit zeigte er freilich wiederum, daß er den Mann immer noch nicht durchschaut hatte. Schulz besaß nach wie vor das Vertrauen seines Landesherren. 1521 sorgte der Kurfürst dafür, daß er auch noch das Bistum Havelberg erhielt. Später verzichtete er auf die Diözese Brandenburg.


Verweise