Seltene Worte bei Bach

Aus Monarchieliga
Wechseln zu: Navigation, Suche


Seltene Worte

Cocytus und Alpheus

Die Kantate „Schleicht spielende Wellen“ führt uns musikalisch an den Kokytos, einen Fluß der Unterwelt, der laut Homer ein Arm des Styx ist und in den Acheron mündet. Alpheios hingegen ist eine Art Liebesfluß.

DIE WEICHSEL: O glückliche Veränderung!
Mein Fluß, der neulich dem Cocytus gliche,
weil er von toten Leichen
und ganz zerstückten Körpern langsam schliche,
wird nun nicht dem Alpheus weichen,
der das gesegnete Arkadien benetzte.
Des Rostes mürber Zahn
frißt die verworfnen Waffen an,
die jüngst des Himmels harter Schluß
auf meiner Völker Nacken wetzte.
Wer bringt mir aber dieses Glücke?
August,
der Untertanen Lust,
der Schutzgott seiner Lande,
vor dessen Zepter ich mich bücke,
und dessen Huld für mich alleine wacht,
bringt dieses Werk zum Stande.
Drum singt ein jeder, der mein Wasser trinkt.

Europäerwelt, der Erden Dreckbild

Bach hat wohl nur zwei Vorlagen Gottscheds vertont, darunter die Trauerode „Laß, Fürstin, laß noch einen Strahl“. Beide dürften sich auch nicht besonders geschätzt haben, wie ich vermute. Es ist auch zu fragen, ob Gottsched in der Lage war, die Bedeutung BAchs zu erkennen oder gar zu würdigen.

Die Fantasie Gottsched bescherte uns eine Vorausschau in die herrliche „Europäerwelt“, die wohl niemand bereits bei Bach vermutet hätte.

Der Glocken bebendes Getön
soll unsrer trüben Seelen Schrecken
durch ihr geschwungnes Erze wecken
und uns durch Mark und Adern gehn.
O, könnte nur dies bange Klingen,
davon das Ohr uns täglich gellt,
der ganzen Europäerwelt
ein Zeugnis unsres Jammers bringen!


Bei Gottsched auch das schöne Diktum von „der Erden Dreckbild“:


Der Ewigkeit saphirnes Haus
zieht, Fürstin, deine heitern Blicke
von unsrer Niedrigkeit zurücke
und tilgt der Erden Dreckbild aus.
Ein starker Glanz von hundert Sonnen,
der unsern Tag zur Mitternacht
und unsre Sonne finster macht,
hat dein verklärtes Haupt umsponnen.


Torgau dürften viele kennen, Pretzsch ist hingegen ein Dorf an der Elbe, wo sich ein Schloß der Wettiner befindet. Eine Reise hierher lohnt, - es gibt auch eine Fähre über die Elbe!


Soweit der volle Weichselstrand,
der Niester und die Warte fließet,
soweit sich Elb’ und Muld’ ergießet,
erhebt dich beides Stadt und Land.
Dein Torgau geht im Trauerkleide,
dein Pretzsch wird kraftlos, starr und matt;
denn da es dich verloren hat,
verliert es seiner Augen Weide.

Die Kantate „Ihr Häuser des Himmels“ fragt:

Soll ich von Englands Pein, von Moskaus Plagen noch ferner sagen?

Deutsche Treue und Güte

Ein ungefärbt Gemüte
von deutscher Treu und Güte
macht uns vor Gott und Menschen schön.

Der Christen Tun und Handel,
ihr ganzer Lebenswandel
soll auf dergleichen Fuße stehn.


Das Wort „deutsch“ kommt bei Bach nur einmal vor - in der Kantate 24. In der Matthäuspassion heißt es dann:

„Und da sie an die Stätte kamen mit Namen Golgatha, - das ist verdeutschet Schädelstätt - gaben sie ihm Essig zu trinken mit Gallen vermischet; und da er's schmeckete, wollte er's nicht trinken.“

Gott riecht

In dem Schemelli-Lied „O liebe Seele, zieh' die Sinnen“ heißt es:

  • Das Veilchen heißt dich Demut üben,

weil Gott dich sonst nicht riechen kann.

Kur

Kantate 213, Satz 12: Schaut, Götter, dieses ist ein Bild von Sachsens Kurprinz Friedrichs Jugend!

Racha

In der Kantate Vergnügte Ruh, beliebte Seelenlust ist unverständlicher Weise von „Racha“ die Rede. Dabei handelt es sich um das hebräische Wort „Raka“, welches bereits in der Vulgata und dann auch in der Lutherbibel in hebräisch gebracht wird. Es heißt „Taugenichts“, was weder Hieronymus, noch Luther, noch Lehms, noch Bach gewußt haben.

Schadenfreude

In der Kantate „Mache dich, mein Geist, bereit“ ist in Satz 5 von der „Schadenfreude“ der Feinde die Rede.

Schmutzige Liebe und Geilheit

In der Kantate „Auf, süß entzückende Gewalt“ tritt die Unschuld auf, die vor dem „Schmutz der Liebe“ warnt. Dort ist auch von „der Geilheit Lasterstricken“ die Rede.

Seltene Tiere

Farren

In der Kantate 194 heißt es: „Die Farren und die Opfer unsrer Lieder.“ Farren sind junge Stiere, in diesem Falle Opferstiere.

  • Ps. 22: „Große Farren haben mich umgeben, gewaltige Stiere haben mich umringt.“
  • Jes. 1,11: „Was soll mir die Menge eurer Opfer spricht der Herr. Ich bin satt der Brandopfer von Widdern und des Fetten von den Gemästeten, und habe keine Lust zum Blut der Farren, der Lämmer und Böcke.“
  • Hosea 14, 3: „Nehmet diese Worte mit euch, und bekehrt euch zum Herrn, und sprecht zu ihm: Vergib uns alle Sünde und tu uns wohl, so wollen wir opfern die Farren unsrer Lippen!“[1]

Billender Lästerhund

In der Kantate „Gott, der Herr, ist Sonn' und Schild“ billt ein Lästerhund.

Gott ist unsre Sonn und Schild!
Darum rühmet dessen Güte
unser dankbares Gemüte,
die er für sein Häuflein hegt.

Denn er will uns ferner schützen,
ob die Feinde Pfeile schnitzen
und ein Lästerhund gleich billt.

Zeidelbär

Da kömmt Herr Schlendrian
mit seiner Tochter Liesgen her,
er brummt ja wie ein Zeidelbär,[2]
hört selber, was sie ihm getan![3]


Verweise



Einzelnachweise

  1. Alles nach der „Lutherbibel“.
  2. d.i. ein Honigbär wie Winnie Poo
  3. Kaffeekantate.