Semipelagianismus

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Der Semipelagianismus ist eine theologische Richtung, die teilweise als häretisch zu qualifizieren ist.


Geschichte

Der Semipelagianismus war eine im 5./6. Jh. verbreitete theologische Lehrrichtung, welche dem Pelagianismus nahesteht, sich jedoch bemüht, ihre Aussagen von dem bereits vom Konzil von Efesus verurteilten Pelagianismus eines Julian von Eklanum abzugrenzen.

Ausgelöst wurde diese Bewegung von der harten Verurteilung des Pelagianismus durch Augustinus, durch dessen Anschauungen über Sünde und Gnade sich insbesondere Angehörige monastisch-asketischer Gemeinschaften angegriffen fühlten. Der Semipelagianismus wurde hauptsächlich vertreten in den Klöstern des südlichen Gallien, besonders in Massilien und Kloster Lerin,[1] bekämpft von Augustinus, Prosper von Aquitanien und Bisched Fulgentius von Ruspe, kirchlich verurteilt auf der 2. Synode von Orange im Jahre 529 unter dem Vorsitz des Erzbischofs Caesarius von Arles.

Hauptvertreter war der Mönch Johannes Kassianus in Masillien. Im 13. Buch seiner Gespräche mit den Vätern brachte er seine von dessen Prädestinations- und Gnadenlehre differierenden Anschauungen vor, die von Augustinus 428/429 in zwei Schriften – „De praedestinatione sanctorum“[2] und „De dono perseverantiae“[3] – bekämpft wurden. Darin betont Augustinus, daß nicht nur der Glaube selbst von Anfang an ein Gnadengeschenk Gottes sei, sondern auch das Beharren im Glauben.

Die Beschlüsse der Synode wurden von Papst Bonifaz II. bestätigt.[4] Der Semipelagianismus anerkennt die übernatürliche Erhebung des Menschen, die Erbsünde und die Notwendigkeit der inneren übernatürlichen Gnade zur Vorbe-reitung auf die Rechtfertigung und zur Erlangung des Heiles, schränkt aber die Notwendigkeit der Gnade und ihre Gratuität ein.

In dem Bestreben, das freie Wollen und die persönliche Mitwirkung des Menschen im Heilsprozeß zu betonen, kamen die Urheber des Semipelagianismus zu folgenden Anschauungen:

  • a) Das erste Heilsverlangen (initium fidei, pius credulitatis affectus, pia studia) geht von den natürlichen Kräften des Menschen aus.
  • b) Der Mensch bedarf keiner übernatürlichen Hilfe, um bis an das Ende im Guten auszuharren.
  • c) Der Mensch kann sich die erste Gnade durch natürliche Anstrengung de congruo verdienen.

Der semipelagianische Streit dauerte die folgenden Jahrzehnte an und wurde erst 529 auf der Synode von Orange mit einer Verurteilung des Semipelagianismus beendet. Die Beschlüsse des Arausicanum wurden von Papst Bonifaz II. bestätigt und verwarfen sowohl Pelagianismus wie Semipelagianismus ganz im Sinne der augustinischen Lehren über Sünde und Gnade.

Der freie Wille sei durch die Erbsünde derart geschwächt, daß der Mensch von sich aus Gott weder lieben noch an ihn glauben noch um seinetwillen etwas Gutes tun könne. Auch das Beharren im Glauben sei Gnade. Die Vorstellung einer doppelten Prädestination - der einen zum Heil, der andern zur Verdammnis - wurde von der Synode verworfen.

Verweise


Einzelnachweise

  1. Johannes Kassian, Vinzenz von Lerin, Bischof Faustus von Riez
  2. MPL 44, 959–992
  3. MPL 45, 993–1034
  4. vgl. DH 722ff, 397f.