So gibst du nun, mein Jesu, gute Nacht

Aus Monarchieliga
Wechseln zu: Navigation, Suche
  • Text: August Pfeiffer, 1688
  • Weise: Geist- und lehrreiches Kirchen- und Hausbuch, Dresden 1694


Die Hymne Pfeiffers im Werk J. S. Bach's

  • So gibst du nun, mein Jesu, gute Nacht. Schemelli-Lied BWV 501
  • So gibst du nun, mein Jesu, gute Nacht. Vierstimmige Aussetzung des Schemelli-Liedes BWV 412.

Text der Hymne

1. So gibst du nun, mein Jesu, gute Nacht,
so stirbst du denn, mein allerliebstes Leben?
Ja, du bist hin, dein Leiden ist vollbracht,
mein Gott ist tot, sein Geist ist aufgegeben.


2. Mein Schatz ist hin, den meine Seele liebt,
der neigt sein Haupt, dem sich der Himmel bücket.
Der mir und aller Welt das Leben gibt,
wird von dem Tod ins finstre Grab gedrücket.


3. Kommt Geschöpfe, kommet doch herbei,
klagt euren Herrn, ihr Erdenklüfte zittert!
Du, Abgrund, brich und gib dein Angstgeschrei,
ihr Gräber reißt, ihr harten Felsen splittert!


4. Ach trau'rt mit mir, ach seht, der Held im Streit,
des Vaters Wort, die Zuflucht aller Frommen,
der Menschen Heil, der Herr der Herrlichkeit,
der Lebensfürst ist schmählich umgekommen.


5. Wie schmählich ist dein Leib doch zugericht,
wie schmerzlich ist dein Lebensband zerrissen!
Doch trennet dieser Riß die Liebe nicht,
sie kniet für deinem Kreuz und will dich küssen.


6. Ach, kann ich dir, mein Schatz, zu guter letzt
denn nicht noch etwas Angenehmes schenken?
Hier ist mein Herz, ach, ist's so wert geschätzt,
so laß dich doch in dieses Grab versenken.


7. So schließ ich denn mit dir mein Herze zu,
nun hab ich dich, wie kann ich denn verderben?
Bring du mich auch, wenn dir's gefällt, zur Ruh',
mit dir will ich, mein Jesu, willig sterben.


8. Komm immer, Tod, und senke mich ins Grab,
ob gleich mein Herz und alle Kräfte krachen,
so setzt mein Jesus doch nicht von mir ab,
auch mitten in des bittern Todes Rachen.


9. Mein Jesus tötet dich, was willst du, Tod,
er hat dich ja schon in den Sieg verschlungen,
durch seinen Tod. Was hab ich denn für Not?
Ich bin vom Tod zum Leben durchgedrungen.


10. Drauf wag ichs und scheu keine Sterbensnot,
auf Jesu Tod ist allezeit gut sterben.
So ist denn nun mein Tod nicht mehr ein Tod,
er ist ein Gang, das Leben zu erwerben.


11. Willkommen, Tod, ich sterbe wohlgemut,
ich lief're dir zu deinen treuen Händen,
mein liebster Gott, dein teures proper Gut,
den Geist, dafür dein Sohn sich ließ verpfänden.


12. Drauf will ich fort, ihr Engel, seid ihr da?
Kommt, holet mich, die Welt wird mir zu enge!
Nun bin ich durch, Triumph, Victoria!
Gott holt mich ein mit trefflichem Gepränge.


13. Mein Jesus kömmt, das liebe Gotteslamm
empfänget mich auf seiner Himmelsweide,
tut schön mit mir gleichwie ein Bräutigam,
er führet mich zur stolzen Ruh' und Freude.


14. Er spricht zu mir: Willkommen liebes Kind,
auf so viel Angst will ich dich nun erquicken
im Paradies, da fromme Seelen sind,
komm, komm und laß dich an mein Herze drücken.


15. Mein Jesu, dir sei ewig Lob und Dank,
daß mich dein lieber Anblick so erfreuet,
so nehm' ich denn mein Erbteil in Empfang
und bin zum Himmelsfürsten eingeweihet.


16. Hier ist gut sein, o Herrlichkeit, o Pracht,
weg, Welt, mit deinen Perlen und Rubinen!
G'nug, daß nunmehr der Himmel mich anlacht,
die Engelsburg, das Schloß der Seraphinen.


17. Es hält mich hier entzückt ein schönes Licht,
und neben mir die Engel und die Thronen.
Ich seh' von Angesicht zu Angesicht
Gott, der ein Wesen ist und drei Personen.


18. Ich hör' hier stets die süße Melodei,
die Engelstimm der besten Musikanten,
es wohnet mir in tausend Freuden bei
die Schar von Himmelsfreunden und –verwandten.


19. Trotz Unglück, trotz, daß eins sich an mich macht,
trotz, daß mir Satan dräut mit einem Stoße!
Furcht, Sorge, Kummer, Trauren, gute Nacht,
ich lache dein in meines Jesu Schoße.


20. Weicht, Schmerz und Weh die ihr mich in der Zeit
so hart gedrückt: Habt Dank für eure Plagen,
ihr habt gemacht, daß ich in Ewigkeit
darf desto schön're Ehrenkronen tragen.


21. Ade, mein Leib, du armes Marterhaus,
ade, ihr matten, abgezehrten Glieder,
ihr habt euch g'nug durchächzt, nun ist es aus,
geht, leget euch in Gottes Namen nieder.


22. Nimm, Erd, indes den blassen Körper an,
laß ihn in deinem Schoß fein sanfte liegen,
so will ich alles, was du mir getan
an Angst und Drangsal, ewig nimmer rügen.


23. So laß ihn fein dir wohl befohlen sein,
bis Jesus ruft: Auf liebe Freund und Brüder,
kommt, nehmt mit Leib und Seel' den Himmel ein,
so gib' ihn ohn' Verzug der Seele wieder.


24. Daß ich mit Leib und Seel aus meiner Gruft
dem wunderschönen Aufgang aus der Höhe
entgegen werd' gezücket in der Luft
und in sein Reich mit vollen Sprüngen gehe.


Verweise