Sola scriptura

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Das Pinzip „Sola scriptura“, d.h. „allein die Schrift“ (auch „Bibelprinzip“), ist ein verfehltes theologisches Prinzip, das sachwidrig u.a. davon ausgeht, daß die Bibel die einzige Offenbarungsquelle sei. Das Sola Scriptura-Prinzip ist mit dem christlichen Glauben nicht zu vereinbaren.

Die Bibel: Teil und Frucht der Tradition

Die Bibel ist nicht vom Himmel gefallen, sie ist ein Produkt der Katholischen und Apostolischen Kirche. Sie wurde in einem historischen Prozeß, der sich über drei Jahrhunderte erstreckte, geschrieben, geprüft und zusammengestellt. Schon bevor auch nur ein Buchstabe der Bibel niedergeschrieben wurde, gab es die Katholische und Apostolische Kirche, und zwar die Kirche in ihrer ganzen Vollkommenheit und Wesenheit. Dies sagt nicht nur die Kirchengeschichte, dies sagt auch die Heilige Schrift selbst.

Jesus hat niemandem den Auftrag gegeben, einen Brief oder ein Evangelium zu verfassen. Er sandte seine Jünger aus, um zu taufen und zu predigen. Sie sollten Kranke heilen, Tote auferwecken und Dämonen austreiben. Der Glaube fand seine millionenfache Verbreitung durch das lebendige Wort der Apostel, nicht durch die Bibel, die es damals noch gar nicht gab.

Da die Bibel genau genommen die schriftliche Fixierung nur eines Teiles des in der Kirche ursprünglich mündlich tradierten Glaubens ist, gehört sie zur Tradition der Kirche, ist sie ein Teil von ihr. Daher ist es ein grobes Unrecht, die Heilige Schrift gegen die Kirche und gegen ihre Tradition ausspielen zu wollen! Paulus selbst sagt in seinen Briefgen, daß er bei seinen Besuchen mündlich über seine Briefe hinaus mehr ausführen wird: "Das übrige will ich anordnen, wenn ich komme.”[1]

Biblische Zeugnisse von der Tradition

  • Noch viele andere Zeichen tat Jesus vor den Augen Seiner Jünger, die nicht niedergeschrieben sind in diesem Buch.[2]
  • Es gibt noch vieles andere, was Jesus tat; wollte man dieses einzeln niederschreiben, so, glaube ich, würde selbst die Welt die Bücher nicht fassen, die zu schreiben wären.[3]
  • So steht denn fest, Brüder, und haltet euch an die Überlieferungen, die ihr mündlich oder schriftlich von uns empfangen habt![4]
  • Die Bibel gibt auch Zeugnis von weiteren apostolischen Schriften, die unbezweifelhafter Teil der Tradition sind, jedoch nicht in der Bibel auftauchen: „Wenn der Brief bei euch gelesen wird, dann sorgt dafür, daß er auch in der Gemeinde von Laodizea gelesen wird und daß iohr auch den von Laodizea lest!“[5]

Seit dem Ableben der Apostel verlief somit die Glaubensvermittlung auf zweifache Weise: teils zog man die mündlich in der Kirche übermittelte Predigt Jesu Christi und Seiner Apostel heran, und teils berief man sich auf das geschriebene Wort der allmählich entstehenden Heiligen Schriften und Briefe. Und zwar wurden diese beiden Säulen der christlichen Glaubensverkündigung so betrachtet, daß sie sich gegenseitig ergänzten und bestätigten und daher sich auch keinesfalls inhaltlich widersprechen können.

Kirche als Autorin der Bibel

Aus der riesigen Anzahl frühchristlicher Schriften, oft apostolischer Herkunft, hat ausschließlich die Römisch-Katholische Kirche mit voller Autorität den Kanon der Heiligen Schrift zusammengestellt. Ohne diese Kirche gäbe es die Bibel nicht! Die Kirche legte auch den Text der Bibel Wort für Wort fest.

Kirchenväter zur Tradition

Bei den Kirchenvätern ist u. a. folgendes zum Verhältnis Tradition - Bibel zu finden:

Johannes Chrysostomus

  • „So steht denn fest, meine Brüder! Haltet euch an die Überlieferungen, die ihr mündlich oder schriftlich von uns empfangen habt![6] Es ist also klar, daß die Apostel nicht alles schriftlich, sondern vieles auch ungeschrieben hinterlassen haben. Jenes wie dieses ist in gleicher Weise glaubwürdig. So wollen wir die kirchliche Überlieferung als glaubwürdig erachten.“[7]

Augustinus

  • „Weißt du denn nicht, daß in den Kirchen die Gewohnheit besteht, den Getauften nachher die Hände aufzulegen und so den Heiligen Geist herabzurufen? Du fragst, wo das geschrieben steht? In der Apostelgeschichte. Aber selbst wenn die Autorität der Schrift hier versagte, die in diesem Punkt einmütige Gewohnheit der ganzen Welt würde die Bedeutung eines Gebotes haben. Denn noch vieles andere, was der Überlieferung nach in den Kirchen beobachtet wird, beansprucht die Autorität geschriebenen Gesetzes.“
  • „Was die Gesamtkirche festhält, auch wenn es von keiner Kirchenversammlung so bestimmt ist, wird mit vollem Recht als durch apostolische Autorität überliefert betrachtet.“[8]

Betrug Luthers

Luther, auf den meist das Bibelprinzip zurückgeführt wird, hatte gar kein inneres Verhältnis zur Bibel. Wie viele hermeneutisch gebildete Theologen betrachtete er die Bibel lediglich als Folie und Steinbruch für seine eigenen unkirchlichen und antichristlichen Theorien, die sich zudem im Laufe seines Lebens erheblich wandelten.

Bereits Luthers Bibelübersetzung zeugt von einem herrischen und respektlosen Bibelverständnis. Die tiefe Demut, Grundvoraussetzung jeder Beschäftigung mit der Heiligen Schrift, war Luther völlig fremd. Erst in den letzten Stunden seines Lebens scheint sich sein Sinn gewandelt zu haben, denn angesichts des Todes bekannte er: „Wir sind Bettler[9], das ist wahr!“

Zugunsten Luthers ist sein Christozentrismus anzuführen, der dazu führte, daß die christliche Mitte sowohl in seiner Bibelübersetzung, als auch im Schriftverständnis des Luthertums gewahrt blieb. Vom Zentrum der Chrisusbotschaft sei es möglich, die Schriften der Bibel ins rechte Licht zu setzen, je nachdem, inwieferne sie „Christum treiben“.

Luther relativierte sein Schriftprinzip völlig willkürlich, ihm folgte die lutherische Theologie.

Falsche lutherische Lehre

Die lutherische Pseudo-Orthodoxie konkretisierte in der Konkordienformel von 1577 den eigenen Standpunkt. Es heißt dort, daß „allein die Heilige Schrift der einig Richter, Regel und Richtschnur“[10] sowie „Probierstein“[11] für alle kirchlichen Lehren und Traditionen sein könne. Die Schrift wurde als „norma normans“[12] bezeichnet. Im Gegensatz dazu nannte man die kirchlichen Bekenntnisse „norma normata“,[13] da sie sich aus der Schrift ableiteten.

Basierend auf den Formulierungen der Bekenntnisschriften und vor allem Luthers Bezeichnung der Schrift als „principium primum“ arbeitete die lutherische Orthodoxie im 17. Jahrhundert das Schriftprinzip aus. Durch die aristotelische Kategorie des Prinzips wurde die Bibel als unhinterfragbares Axiom lutherischer Theologie festgeschrieben. Auch die Lehre von der Verbalinspiration der Schrift wurde in diesem Zusammenhang entwickelt. Beides sind in die komplette Verwirrung weisende Irrlehren.

Durch die historisch-kritische Bibelforschung kam es zu einer Erschütterung dieser dogmatischen Grundlage. Man spricht seither von der „Krise des Schriftprinzips“.

Konzil von Trient

Die Kirche reagierte auf dem Konzil von Trient mit einer Präzisierung ihrer Schriftlehre. In der vierten Sessio von 1546 wurde ein Dekret verabschiedet, demzufolge die göttliche Wahrheit nicht allein in der Schrift, sondern in der Verbindung von Schrift und Tradition zu finden sei.[14] Damit wurde die rechte Auslegung der Bibel durch das kirchliche Lehramt bekräftigt, da nur so das Wirken des Heiligen Geistes als sicher gelten könne (Joh 14,26 EU). Die Bibel selbst erlange ihre Autorität erst durch die Kirche, die ja auch älter sei als die Bibel. Das kirchliche Lehramt habe den Kanon der Bibel festgelegt, was ebenfalls die Autorität der Kirche über die Bibel zeige.

Sichtweise der Ostschismatiker

Die Ostkirchen sehen weder ein Gegeneinander noch ein Nebeneinander von Schrift und Tradition. Sie fassen die Schrift - wie die Römisch-Katholische Kirche - als Kernstück der Tradition auf.

Verweise


Einzelnachweise

  1. 1. Kor. 11, 34
  2. Joh. 20, 30
  3. Joh. 21, 25
  4. 2. Thess. 2, 15
  5. Kol. 4, 16
  6. 2 Thess 2. 15
  7. Auslegung des 2. Thessalonicherbriefs
  8. Augustinus, Die Taufe 4, 24, 31
  9. Angesichts der Heiligen Schrift.
  10. Sola sacra scriptura iudex, norma et regula.
  11. Lydius lapis
  12. Normierende Norm.
  13. Normierte Norm
  14. Joh. 16, 13