Templer

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  • Arme Ritterschaft Christi und des salomonischen Tempels zu Jerusalem
  • Pauperes commilitones Christi templique Salomonici Hierosolymitanis


Der Templerorden war ein geistlicher Ritterorden, der von 1118 bis 1312 bestand. Nach ihm ist der Berliner Ortsteil Tempelhof benannt.


Geschichte

Der Ritterorden wurde 1118 infolge des Ersten Kreuzzugs gegründet. Er war der erste Orden, der die Ideale des adligen Rittertums mit denen der Mönche vereinte, zweier Stände, die bis dahin streng getrennt waren. In diesem Sinne war er der erste Ritterorden und während der Kreuzzüge eine militärische Eliteeinheit. Er unterstand direkt dem Papst. Auf Druck des französischen Königs Philipp IV. wurde der Orden nach einem langwierigen, aufsehenerregenden Prozess von Papst Klemens V. am 22. März 1312 auf dem Konzil von Vienne offiziell aufgelöst.

Name

Der Name „Arme Ritterschaft Christi und des salomonischen Tempels“ rührt von dem Umstand her, daß König Balduin dem Orden einen Flügel seines Palastes, der heutigen Al-Aqsa-Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem, wo bis zur Zerstörung durch den persischen Sassanidenherrscher Chosrau II. im Jahre 614 eine Basilika St. Maria gestanden hatte, als Quartier angeboten hatte, welche auf den Grundmauern des salomonischen Tempels gebaut worden war.

Geschichte

An der Stelle der heutigen Al-Aqsa-Moschee auf dem Tempelberg, wo von 530 bis 614 die Basilika St. Maria stand, befand sich bis 1187 das erste Hauptquartier der Tempelritter.

Gründung

Der Orden wurde zwischen 1118 und 1121 gegründet. Die Synode von Troyes, in deren Rahmen die erste urkundliche Erwähnung fällt, war 1128. Jerusalem war damals schutzlos. Deshalb gründeten Hugo von Payns, Gottfried von Saint-Omer und sieben weitere französische Ritter den Orden. Die Ritter legten vor dem Patriarchen von Jerusalem ein Ordensgelübde ab. Neben den klassischen Gelübden, die sich auf Armut, Keuschheit und Gehorsam bezogen, verpflichteten sich die Ordensbrüder zudem, den Schutz der Pilger sicherzustellen.

Weitere Gründungsmitglieder waren Andreas von Montbard, ein Onkel Bernhards von Clairvaux), Gundomar, Gudfried, Roland, Payen von Montdidier, Gottfried Bisol und Archibald von Saint-Amand. Die frühe Ordensbezeichnung lautete „Paupere Militie Christi“. Der neue König von Jerusalem, Balduin II., überließ den Templern im Jahre 1119 die Gebäude seines ehemaligen Palastes auf dem Tempelberg. Er selbst bezog einen neugebauten Palast beim Davidsturm. Der Orden nannte sich daraufhin „Pauperes commilitones Christi templique Salomonici Hierosalemitanis“,[1] woraus sich dann die heute üblichen Bezeichnungen Tempelritter, Templer und Templerorden ableiten.

Ordensregel

Frühe Jahre

Im Jahre 1125 erlebte der Orden den ersten Aufschwung durch den Beitritt des Grafen Hugo I. von Champagne, der ein Freund des Abtes Bernhard von Clairvaux gewesen war. Bernhard war einer der wichtigsten Kleriker seiner Zeit. Nach anfänglicher Skepsis setzte er sich ab 1129 wortgewaltig für die Unterstützung des Templerordens ein.

1127 reiste Hugo von Payens in Begleitung mit anderen Gründungsmitgliedern nach Europa zurück, um für den Orden neue Mitglieder zu werben. In Jerusalem dürfte es zu dieser Zeit bereits viele Ordensmitgliedern gegeben haben, denn nach zehn Jahren war 1129 der Bau des Sitzes der Templer abgeschlossen.

Am 13. Januar 1129 fand die Synode von Troyes statt. Anwesend waren laut der Präambel zur Ordensregel Kardinal Matthias von Albano, einige Bischöfe, die Äbte Hugo von Mâcon von Pontigny, Bernhard von Clairvaux, Stephan Harding von Citeaux sowie weitere Kleriker und Laien; von den Templern wohnten Hugo von Payens, Andreas von Montbard und möglicherweise weitere Ordensmitglieder der Zusammenkunft bei. Die Ordensregeln wurden schriftlich festgelegt. Sie waren augustinisch geprägt, doch sind auch zisterziensische Einflüsse erkennbar, was für manche darauf hindeutet, daß Bernhard bei der Festlegung der Regeln beteiligt war. Mit zahlreichen weiteren Beitritten ging auch ein Wachstum der Spendeneinkünfte einher. Im Heiligen Land gehörten die Burgen Baghras, Roche Roussel und Darbsak zu den frühesten Besitzungen der Templer.

Am 29. März 1139 wurde die Organisation der Templer von Papst Innozenz II. durch die Bulle „Omne datum optimum“ erneut bestätigt und der Orden direkt dem Papst unterstellt. Dadurch bildete der Orden faktisch einen Staat im Staat und war für weltliche Herrscher nahezu unantastbar. Der Orden war nicht nur von der Steuer befreit, sondern durfte selbst Steuern erheben. Außerdem verlieh er Geld gegen Zinsen.

Die Templer waren der erste Orden, der die Ideale des Rittertums mit denen der Mönche verband. Nach dem Vorbild der Templer formten sich in der Folgezeit weitere Ordensbruderschaften zu geistlichen Ritterorden um. Der bedeutendste von ihnen war der Johanniter- oder Hospitaliterorden, der bereits vor 1099 als reine Hospitalsbruderschaft bestand und bis Mitte des 12. Jahrhunderts sein Tätigkeitsfeld von der Beherbergung und Pflege von Pilgern, Kranken und Armen auch auf deren militärischen Schutz durch Ordensritter ausweitete. Auch der 1189 als Hospitalsbruderschaft gegründete Deutsche Orden wurde 1198 nach dem Vorbild der Templer zu einem geistlichen Ritterorden erweitert. Insbesondere zwischen den Johannitern und Templern entwickelte sich in der Folgezeit eine rege Konkurrenz um Macht und Einfluß im Heiligen Land, die teils gar in blutigen Gefechten ausartete und die Kreuzfahrerstaaten insgesamt schwächte.

Grundsätze und Ziele

Bei der Gründung des Ordens um 1118 war es erste und ursprüngliche Aufgabe, die Straßen des heiligen Landes für die christlichen Reisenden zu sichern. Beim ersten Kriegseinsatz des Ordens fielen viele Templer im Kampf. Die Reihen wurden wieder aufgefüllt, und die Templer nahmen an allen größeren militärischen Aktionen im Heiligen Land teil. Wie die anderen Orden blieben die Templer vom Königreich Jerusalem unabhängig und wurden zu einer eigenständigen politischen Kraft.

Nach dem Fall von Akkon am 18. Mai 1291, hielt die dortige Templer-Zitadelle noch weitere zehn Tage stand und brach dann, von den Truppen des Mameluken-Sultans unterminiert und einem Sturmangriff ausgesetzt, über den Verteidigern zusammen. Die zwei letzten Burgen auf dem Festland, die Festungen Tortosa und Athlit, wurden im August kampflos geräumt. Der Orden zog sich nach Zypern zurück. Eine Insel vor Tortosa, Ruad, blieb bis zum 28. September 1302 im Templerbesitz.

Bankgeschäfte

Die Templer beschäftigten sich nicht nur mit dem Kriegshandwerk: Die Einkünfte der europäischen Komtureien mußten nach Outremer, den lateinischen Staaten im heiligen Land, transportiert werden. Diese Transporte begründeten die Finanzaktivitäten des Tempels. Zunächst dienten die Tempelhäuser im Osten nur als Tresore und Schatzkammern des Landes, schon für das Jahr 1135 sind erste Verleihgeschäfte verbürgt. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts machten die Templer Geldanleihen zu einer regulären geschäftlichen Betätigung. Ihr finanzieller Ruf war dabei so gut, daß auch Muslime ihre Dienste in Anspruch nahmen. Die Templer erfanden eine eigene Art der Kreditbriefe (Vorläufer der heutigen Reiseschecks) sowie fortschrittliche Techniken der Buchführung.

Verwaltung

Etwa 15.000 Ordensmitglieder verwalteten um die 9.000 über ganz Europa verstreute Besitzungen, von denen nur ein geringer Teil eigenständige Komtureien waren. Ihre Aufgabe war es, Gewinne zur Finanzierung des Kampfes in Palästina zu erwirtschaften und Männer anzuwerben. Zu den bekanntesten zählen die beiden „Hauptquartiere“, die Kommende Paris und die Kommende London, sowie die Siedlung um die Komturei Tempelhof, wo die burgartig erhöhte und ummauerte Dorfkirche Tempelhof im Alten Park das letzte Überbleibsel dieser alten Templerkomturei darstellt.

Auch Tempelhof war mehr Landgut als Burgfeste. Es gibt noch zwei Burgen des alten Templerordens in Europa, Ponferrada in Spanien und Convento de Cristo im portugiesischen Tomar.

Ende

Ebenso wie die Gründung des Ordens vollzog sich auch sein Ende in mehreren Schritten. Die Gründe waren vielfältig. Zum einen verfestigten sich zwischen 1100 und 1300 zunehmend die Strukturen der Königreiche. Wo man zuvor erst Christ und dann beispielsweise Untertan des französischen Königs war, kehrte sich dieses Verhältnis allmählich um. Die Könige betrachteten die supranational organisierten päpstlichen Orden zunehmend mit Misstrauen, besonders da die Mönchsritterorden das größte stehende und auch im Kampf erfahrenste Heer bildeten. Anders als die Templer verstanden es die beiden anderen großen Orden, sich eigene territoriale Herrschaftsbereiche zu sichern: die Johanniter auf Rhodos und die Deutschordensritter in Preußen. Hinzu kommt wohl auch, daß die Templer den Antrag auf Mitgliedschaft König Philipps IV. des Schönen ablehnten.

Außerdem empfahlen nach dem Fall Outremers mehrere Gelehrte dem französischen König in vertraulichen Berichten einen neuen Kreuzzug. Einen Teil des Geldes sollte sich der König besorgen, indem er die Templer vernichtete und ihre Güter beschlagnahmte. Da Philipp IV. hoch verschuldet war, unter anderem auch bei den Templern, beherzigte er diesen Rat, ohne jedoch an einen Kreuzzug zu denken. Allerdings war ein derart offensichtliches Vorgehen auch dem König unmöglich: Die Rechtsgelehrten betonten ausdrücklich, die eingezogenen Güter müßten der christlichen Sache im Heiligen Land zugutekommen.

Anklagepunkte

1307 wurden die Mitglieder des Ordens schließlich der Ketzerei und der Homo-Praxis angeklagt. Der Papst war zu dieser Zeit vom französischen König abhängig, daher standen die Chancen des Ordens schlecht. Philipp IV. machte die Sache zur Staatsaffäre. Geschickt setzte er den aus Frankreich stammenden Papst Klemens V., der seinen Amtssitz auch nach Avignon verlegt hatte, unter Druck und drohte unter dem Vorwand vorhandener Kinder des Papstes mit einem Ketzerprozeß gegen dessen Vorgänger und Mentor Bonifaz VIII., der bis zu seinem Tod infolge des von Philipp IV. initiierten Attentats von Anagni Papst gewesen war. Auch drohte der König, die Kirche Frankreichs abzuspalten, falls der Papst seine Unterstützung der Templer nicht einstellte, denn stellte sich dieser vor die ketzerischen Templer, könnte er selber in den Ruf geraten, ein Ketzer zu sein.

Haftbefehl und Gefangennahmen

Am 14. September 1307, dem Fest „Kreuzerhöhung“, wurde der Haftbefehl Philipps IV. ausgefertigt, und zwar für alle Templer ohne Ausnahme. Sie seien zu verhaften, gefangenzuhalten und dem Urteil der Kirche zuzuführen,[2] ihre Besitztümer und bewegliche Habe sei zu beschlagnahmen und zu treuen Händen aufzubewahren.[3]

Von der königlichen Kanzlei ergingen an alle Dienststellen in Frankreich versiegelte Briefe mit der Auflage, sie am Freitag, den 13. Oktober 1307, zu öffnen und dann strikt dem Inhalt gemäß zu verfahren. Die Briefe enthielten die Haftbefehle. Mit dieser landesweit konzertierten Aktion konnte erfolgreich verhindert werden, daß die Brüder sich untereinander warnen konnten. Durch zahlreiche und fast gleichzeitige Verhaftungen wurden sämtliche Templer in Philipps gesamtem Machtbereich überrascht. Die königliche Seite brüstete sich damit, daß nur zwölf Ritter entkommen seien, darunter nur ein einziger Würdenträger. Die Verhaftungswelle war ein gut durchorganisiertes, polizeiliches Kommandounternehmen – das erste bekannte seiner Art in der Geschichte.

In Paris wurden 138 Personen festgenommen. Eine päpstliche Kommission zählte 1309 noch 546 Inhaftierte in Paris, wohin die Festgenommenen gebracht worden waren. Die Untersuchung der Inquisition zog sich über Jahre hin. Die Vorwürfe waren bei allen Brüdern gleich: in erster Linie Häresie, Sodomie im Sinne von Homosexualität und Götzendienst. Eine reale Grundlage für den Templerprozess war aus heutiger Sicht nicht gegeben. Es gab jedoch aus damaliger Sicht durchaus Anhaltspunkte, und zwar in den consuetudines, also den näheren Ausführungsbestimmungen der Regel, die man dafür nutzen konnte.

Die recht ausführlichen consuetudines waren normalerweise strikt vertraulich. Es ist ein Brief eines Templers aus Südfrankreich an den Großmeister bekannt, in dem er nahezu verzweifelt berichtet, daß den Leuten des Königs die consuetudines in die Hände gefallen seien. In diesen wird nämlich auch zu Mißständen Stellung genommen, wie sie vereinzelt wohl in allen Klöstern vorgekommen sind; so zum Beispiel in dem Absatz Nr. 573, in dem über drei der Sodomie überführte Brüder berichtet wird, und welche Strafen sie trafen.

Unter Folter gestand der Großmeister Jacques de Molay zunächst, widerrief jedoch kurz darauf. Es folgte ein sehr langes Ermittlungsverfahren, gegen den Willen des französischen Königs, der einen kurzen Prozeß wollte. Wäre es ihm gelungen zu beweisen, daß der Orden insgesamt den Pfad seiner Regel verlassen hatte, ohne daß dies vom Papst moniert wurde, der ja den Orden approbiert hatte und die Aufsichtspflicht hatte, wäre der Papst selbst in Bedrängnis gekommen.

Der Papst verhinderte dies. Ein Kräftemessen zwischen Papst und König endete schließlich mit einem Kompromiß zu Lasten der Templer: Der Papst verzichtete darauf, dem König den Prozess zu machen wegen des Attentats von Anagni, bestätigte in einer Bulle „Rex glorie virtutum“ vom 27. April 1311 die Gottunmittelbarkeit des Königtums[4] und verfügte die physische Entfernung/Vernichtung der Bulle „Unam sanctam“ aus den Unterlagen des Vatikans (was auch geschah), in der der Primat des Papstes über das Königtum ausdrücklich bekräftigt war, der König verzichtet auf einen „Coelestin V.“-Prozess. Das Opfer wurde der Templerorden, dessen Besitz jedoch bei der Kirche verblieb, bzw. bei den Johannitern und neugegründeten Orden in Spanien und Portugal.[5]

Auflösung des Ordens

Am 22. März 1312 löste Papst Klemens V. auf dem Konzil von Vienne den Orden auf. Nachdem es keinen Orden mehr gab, war auch kein Prozeß mehr möglich; es blieb bei dem Ermittlungsverfahren. In seiner Gesamtheit wurde der Orden nicht verurteilt, es erfolgten Verurteilungen einzelner Templer. Die Güter des aufgelösten Ordens gingen auf die Johanniter über.

Am 18. März 1314 wurde der letzte Großmeister des Templerordens, Jacques de Molay, zusammen mit Geoffroy de Charnay in Paris auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Man hatte Jacques de Molay zunächst zu lebenslanger Kerkerhaft verurteilt. Da er nochmals widerrufen und erneut alle Beschuldigungen gegen den Orden zurückgewiesen hatte, wurde er als „relapsus“[6] nach damals geltendem Recht verbrannt.

Zeitleiste des Verfahrens

  1. 14. September 1307: Geheimer Befehl Philipps IV. zur Verhaftung der Templer am 13. Oktober 1307
  2. 13. Oktober 1307: („schwarzer Freitag“) Gefangennahme aller Templer in Frankreich
  3. 24./25. Oktober 1307: Geständnis von Jacques de Molay
  4. 22. November 1307: Clemens V. zieht das Verfahren an sich
  5. 24. Dezember 1307: Jacques de Molay widerruft sein Geständnis
  6. 8. August 1309: Beginn der päpstlichen Untersuchung, die bis zum 5. Juni 1311 andauert
  7. 12. Mai 1310: Verbrennung von 54 Templern bei Paris
  8. 16. Oktober 1311: Eröffnung des Konzils von Vienne
  9. 22. März/3. April 1312: Aufhebung des Templerordens durch Clemens V. (Bulle Vox in excelso)
  10. 2. Mai 1312: Übertragung der Templergüter an die Johanniter (Bulle Ad providam)
  11. 18. März 1314: Jacques de Molay wird zusammen mit Geoffroy de Charnay auf dem Scheiterhaufen in Paris verbrannt

Schicksal der Templer nach der Auflösung des Ordens

Obwohl nach offiziellen Quellen nahezu alle Templer in Frankreich verhaftet worden waren, wurden tatsächlich nur wenige Todesurteile vollstreckt und dies auch nur in Frankreich. So wurde zum Beispiel in Avignon, dem damaligen Papstsitz, kein einziges Todesurteil vollstreckt. Außerhalb des unmittelbaren Machtbereiches von König Philipp IV. wurden die Templer nur zum Teil verfolgt, teilweise sogar gänzlich in Ruhe gelassen. Nach der Überlieferung sollen die letzten Tempelritter im Rheinland auf Burg Lahneck in einem heldenhaften Kampf gefallen sein.

Allerdings war durch den Wegfall der geistigen und wirtschaftlichen Führungselite und der Ordenszentrale in Paris die Macht der Templer gebrochen. Ihre Aktivitäten waren nur mehr lokaler oder regionaler Natur. In Zypern und anderswo blieben die Würdenträger bis zum Tode in Haft, in Spanien wurden zahlreiche Templer freigesprochen. Es ist anerkannt, so auch vom Papst, daß die Anklage gegen die Templer als Ganzes jeder Grundlage entbehrte. Verfehlungen habe es nur von Einzelnen gegeben.

Frühe Anknüpfungen an den Templerorden

Der spanische Ritterorden von Montesa knüpfte unmittelbar nach der Auflösung des Templerordens an dessen Geschichte an. Der Orden von Montesa wurde 1316 von Jakob II. von Aragón gegründet und mit den Gütern des Templerordens ausgestattet. Dieser Orden wurde hauptsächlich für den Zweck gegründet, den Templern Unterschlupf zu bieten.

1319 gründete König Dionysius in Portugal den Orden der Ritterschaft Jesu Christi. Die Güter des Templerordens in Portugal wurden auf den neu gestifteten Orden der „Ritter Christi“ übertragen. Weiterhin wurde bestimmt, daß die Ritter nach der Regel des Ritterordens von Calatrava zu leben hätten. Da die Gründung über mehrere Jahre vorbereitet worden war, erhielt der neue Orden auch die päpstliche Bestätigung. Viele der vor Philipp IV. geflohenen Templer fanden darin Aufnahme. Portugal hatte sich nicht an der Verfolgung des Templerordens beteiligt, weil dies eigenen Interessen zuwiderlief.

Siegel

Motto ist der Anfang von Psalm 115,1: „Non nobis Domine, non nobis, sed nomini tuo da gloriam!“[7]

Das ältere Siegel trug die Inschrift: „SIGILLUM MILITUM CHRISTI DE TEMPLO“[8]

Das bekannteste Siegel ist das Rücksiegel der Meistersbulle, das später für die Besucher des Ordens in Europa verwendet wurde, und zeigt zwei gerüstete Ritter auf einem Pferd. Seine Deutung ist strittig. Es könnte auf das Armutsgelübde bei Eintritt in den Orden hinweisen, andere vermuten darin ein Symbol für den Grundgedanken der Brüderlichkeit, eine dritte Theorie besagt, daß die zwei Reiter eine Person seien, einmal als Krieger und einmal als Mönch. Während der Verhaftungswelle unter Philipp dem Schönen wurde es bei der Anklage als Beweis für homosexuelle Praktiken des Ordens bewertet.

Erkennungszeichen der Ritter des Ordens war in der Gründungsphase zunächst nur ein weißer Mantel über dem braunen oder schwarzen Habit.[9] Später (anläßlich des Zweiten Kreuzzugs am 27. April 1147 durch Papst Eugen III. verliehen) wurde dieser Mantel mit einem roten Kreuz über der linken Schulter versehen. Dies war zu Beginn ein gleichschenkliges, das später zu einem Tatzenkreuz weiter entwickelt wurde. Gelegentlich wurden in der Geschichte des Ordens auch Krückenkreuze verwendet.

Das Banner des Ordens[10] ist zweigeteilt in eine schwarze und eine weiße Seite (oben und unten – steht für Krieg und Frieden), später sah sie aus wie ein Schachbrett, und noch später wurde das Templerkreuz eingefügt.

Organisation

Die interne Ordensorganisation orientierte sich an der Ständeordnung des Mittelalters. Obwohl ursprünglich jeder freie Mann Mitglied werden konnte, bildete sich bald eine klare Hierarchie heraus:

  1. Die Kapläne waren die Ordensgeistlichen, die über den Tag verteilt die fünf für alle Ordensangehörigen obligatorischen Gottesdienste versahen und die Beichte abnahmen. Diese zahlenmäßig sehr kleine Gruppe nahm unterhalb der Würden- und Aufgabenträger des Ordens (z. B. den Gebiets- und Hauskomturen) die höchsten Positionen in der Hierarchie des Ordens ein und hatten gewisse Privilegien. Ein Kaplan trug ab dem Range eines Bischofs einen weißen Mantel, Kaplane unterhalb dieses Ranges trugen schwarze oder braune Mäntel.
  2. Die Ritterbrüder entstammten immer dem Adel und mußten den Ritterschlag bereits vor dem Eintritt in den Orden erhalten haben. Ihnen stand (neben den Kaplänen im Range eines Bischofs oder höher) als einzigen der weiße Mantel über dem schwarzen oder braunen Hausrock zu, außerdem verfügten sie über drei Pferde (ein Streitross, ein Reitpferd und ein Packpferd). Den Würden- und Amtsträgern standen vier Pferde ausgewählter Rasse zur Verfügung. Die Ritterbrüder mußten ihre vollständige und sehr teure Ausrüstung (vor allem das Kettenzeug und die Pferde) mit in den Orden einbringen. Sie verpflichteten sich auf Lebenszeit und legten nach einer Probezeit die Gelübde der Keuschheit, des Gehorsams, des Verzichtes auf persönlichen Besitz und des Schutzes der Pilger auf ihren Wegen ab.
  3. Die Sergeanten[11] oder dienende Brüder unterteilten sich in gewappnete Brüder, die als leichte Kavallerie kämpften, und Arbeitsbrüder, die die anfallenden Arbeiten[12] versahen. Sie trugen einen dunklen Mantel[13] und verfügten über ein Pferd.
  4. Die Knappen unterstützten die Ritterbrüder im Kampf. Sie trugen einen dunklen Mantel.[14]

In den Besitzungen des Morgenlandes und Spaniens waren Kaplane und kämpfende Brüder zahlreich, in den Komtureien des Abendlandes eher selten.

Zusätzlich konnte man dem Orden in anderen Formen an- oder zugehören:

  1. milites ad terminum waren dem Orden als kämpfende Brüder auf Zeit beigeordnete Ritter.
  2. Turkopolen dienten den Templern als Söldner. Es handelte sich dabei um Christen aus dem Heiligen Land, die nach Art der Sarazenen kämpften (d.  h. als leichte Kavallerie mit Pfeil und Bogen oder als Infanterie).
  3. fratres ad succurendum waren Laien, die dem Orden erst auf dem Sterbebett beitraten, ihres Seelenheils wegen.
  4. Donates verschenkten sich selbst (und einen Teil ihres Besitzes) an den Orden. Die Schenkung trat meist erst im Alter in Kraft, sodaß sie als eine Art Vorsorge, auch für das Seelenheil, zu sehen ist.
  5. Confratres waren materielle Förderer des Ordens, die vor allem vom Ansehen des Ordens profitierten. Dies konnten auch Frauen sein.

Führung

An der Spitze der Macht standen die von den Brüdern gewählten Großmeister. In der Rangordnung folgten:

  1. der Großkomtur, der die Aufsicht über den Ordensschatz, die Verteidigung und Verwaltung einer Ordensniederlassung, der sogenannten Kommende (auch Komturei) hatte.
  2. der Großmarschall, der die Aufsicht über die Waffen und das Kriegswesen hatte.
  3. der Großspittler, der die Aufsicht über die Ordenshospitäler führte.
  4. der Firmariearzt, der für die Krankenpflege verantwortlich zeichnete.
  5. der Großdrapier, der für die Bekleidung und Ausrüstung zuständig war.
  6. der Tressler (Schatzmeister) für das Finanzwesen.

Orte

  1. Komturhof in Tempelhof, OT von Berlin
  2. Terradillos de los Templarios (Ländereien der Templer), ein Ort in Spanien bei Sahagún

Kapellen/Kirchen

  1. Templerkapelle (Mücheln)
  2. Templerkapelle (Laon)
  3. Templerkapelle (Metz)
  4. Templerkirche (London)
  5. Chor der Templerkapelle (Hof Iben)
  6. St. Remigius (Osthofen)
  7. St. Peter (Roth an der Our)
  8. Kirche in Tempio di Ormelle (Venetien)
  9. Alte Bartholomäuskirche Szobiszowice, Gliwice (Polen)

Straßen

  1. Berlin: Tempelherrenstraße, Tempelhofer Damm, Tempelhofer Chaussee, div. Tempelhofer Straßen, Tempelhofer Ufer, Tempelhofer Weg, Templer Steig, Templer Zeile
  2. Duisburg: Templerstraße
  3. Trier: Templerstraße
  4. Köln: Tempelstraße, Tempelherrenstraße
  5. Mainz: Templerstraße
  6. Deiningen: Templerstraße
  7. Aachen: Templergraben
  8. Osthofen: Tempelgasse
  9. Mödling: Templergasse

Nachfolgeorganisationen ab dem 18. Jh.

Im 18. Jahrhundert begann die Gründung neuer Organisationen, die den Namen des Templerordens, teils in Abwandlungen, trugen oder einen Bezug zum früheren Orden behaupten. Im Jahr 1705 wurde ein Ordre du Temple in Versailles als Laienritterorden rekonstituiert. Napoleon I. folgte dem Zeitgeist, als er eine Kommission einsetzte, die den Ordre du Temple 1805 rehabilitierte. König Ludwig XVIII. von Frankreich übernahm 1814 das Protektorat über den Orden, und Kaiser Napoleon III. bestätigte 1853 den Status des Ordens als Ordo Supremus Militaris Hierosolymitani.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Regentschaft 1942 ins neutrale Portugal verlegt. 1957 erfolgte die Gründung eines deutschen Priorats unter dem Namen Deutscher Tempelherren-Orden – Ordo Militiae Crucis Templi (OMCT). 1959 schloß sich der OMCT dem Ordo Supremus Militaris Hierosolymitani in Porto an. Von 1980 bis 1991 war der ehemalige NS-Funktionär Hugo Wellems Prior des OMCT. 1997 kam es zur Gründung des Ordo Militiae Templi (OMT) als Dachorganisation der europäischen Ordensprovinzen christlich ökumenischer Templer. Auch der 1900 gegründete Neutempler-Orden knüpfte an den historischen Templerorden an. Aufgrund seiner rassistischen Ideologie zählt er zu den vielen Vorläuferorganisationen der NSDAP. Der Neutempler-Orden wurde Ende der 1930er Jahre aufgelöst.

Bis heute ist nahezu weltweit eine Vielzahl dieser Gemeinschaften tätig. Die religiöse Ausrichtung innerhalb dieser Orden variiert stark: von katholisch über ökumenisch bis konfessionslos. Auch esoterisch geprägte Orden gehören zu diesen Gruppierungen. Teils haben sie einen unterhaltsamen Hintergrund, wie die Veranstaltung ritterlicher Turniere, teils stecken Geheimbünde wie Freimaurer oder Rosenkreuzer dahinter, die sich auf den Templerorden beziehen.

Die heute existierenden Nachfolgeorganisationen des Templerordens zählen nicht zu den von der katholischen Kirche anerkannten Orden. Dies geht beispielsweise aus einer Mitteilung des Staatssekretariats des Vatikans vom 16. Oktober 2012 hervor, in der vor „nicht anerkannten Ritterorden“ gewarnt wird. In Deutschland ist „Ritterorden“ ein in keiner Weise geschützter oder reglementierter Begriff wie „Verein“ und benötigt deswegen keine Anerkennung durch eine andere gesetzliche oder religiöse Institution. Somit darf sich jede Gruppierung ohne rechtliche Konsequenzen „Ritterorden“ nennen, hat so allerdings nicht den Status einer juristischen Person und ist auch keine rechtsfähige Körperschaft. Aus diesem Grund wählen manche Orden wie das Archiconvent der Templer als Personenvereinigung eine Eintragung in das Vereinsregister des zuständigen Amtsgerichtes nach § 21 BGB.

Forschung

Die historische Forschung zum Templerorden begann im 17. Jh. Die Forschung konnte beispielsweise die sogenannte Larmenius-Charta, die die Reihe der Großmeister um viele illustre Persönlichkeiten in der Nachfolge von Jacques de Molay erweitert, als gefälschtes Dokument aus dem 18. Jahrhundert entlarven.

Rezeption

Die Templer und die darüber bestehenden Mythen und Mysterien regen die Phantasie der Menschen in besonderem Maße an und werden kulturell umfangreicher rezipiert, als dies beispielsweise bei den heute noch bestehenden Johanniter-/Malteserorden, dem Deutschen Orden oder den Grabesrittern der Fall ist.

Die Formen der kulturellen Rezeption sind beachtlich: Die Tempelritter begegnen uns heute in zahlreichen Romanen, Spielfilmen, Computerspielen, Dokumentationen, Hörbüchern und Bildern. Als Beispiele seien genannt: Ivanhoe, ein 1820 publizierter Roman von Sir Walter Scott, der Roman Das Foucaultsche Pendel (1988) von Umberto Eco (auch als Hörspiel aufbereitet), Sakrileg ist die 2004 erschienene Übersetzung eines Thrillers von Dan Brown, 2006 verfilmt unter dem Titel The Da Vinci Code – Sakrileg, Das Vermächtnis der Tempelritter (2004), ein amerikanischer Abenteuerfilm von Jon Turteltaub, ein weiterer Film ist Indiana Jones und der letzte Kreuzzug (1989) von Steven Spielberg, Assassin’s Creed (2016), ein französisch-amerikanischer Science-Fiction und Action-Film von Justin Kurzel, welcher auf der gleichnamigen Videospielreihe basiert und als letztes Beispiel sei hier noch Baphomets Fluch, eine fünfteilige Adventure-Reihe von Revolution Software erwähnt.

Weiterhin gibt es Spielzeug- und/oder Sammelfiguren und man kann Schwerter und Schilde mit Emblemen kaufen, die an die Tempelritter angelehnt sind. Das Kreuz der Tempelritter gibt es auf Schmuck ebenso wie auf Kapuzenpullovern. Auch ganze Gewandungen im Stil der Tempelritter sind erhältlich.

Literatur

  • Hans Prutz: Entwicklung und Untergang des Tempelherrenordens. Mit Benutzung bisher ungedruckter Materialien. Berlin 1888. Nachdruck: Walluf, Martin Sändig, 1978
  • Marie-Luise Bulst-Thiele: Sacrae domus militiae Templi Hierosolymitani magistri. Untersuchungen zur Geschichte des Templerordens. Göttingen 1974
  • Karl Borchard: The Templars in Central Europe. In: The Crusades and the Military Orders – Expanding the Frontiers of Medieval Latin Christianity. Budapest 2001
  • Alain Demurger: Die Templer. Aufstieg und Untergang 1120–1314. 50.–55. Tausend. München 2007
  • Alain Demurger: Die Ritter des Herrn. Geschichte der geistlichen Ritterorden. München 2003
  • Alain Demurger: Der letzte Templer. Leben und Sterben des Großmeisters Jacques de Molay. München 2004
  • Peter Dinzelbacher: Die Templer. Ein geheimnisumwitterter Orden? Freiburg 2002
  • Kaspar Elm: Der Templerprozeß (1307–1312). In: Alexander Demandt (Hrsg.): Macht und Recht. Große Prozesse in der Geschichte. München 1996
  • Barbara Frale: The Chinon Chart. Papal absolution to the last Templar, Master Jacques de Molay. In: Journal of Medieval History. Bd. 30, 2004
  • Barbara Frale: The Templars. The secret history revealed. Maverick House Publishers, Dunboyne 2009
  • Barbara Frale: Il Papato e il processo ai Templari. L’inedita assoluzione di Chinon alla luce della diplomatica pontificia. Rom 2003
  • Benedikt Hallinger: Milites Templi: Leben und Ausrüstung der Dienenden Brüder des Templerordens um 1190. Leffler Medienverlag, München 2012
  • Anke Krüger: Schuld oder Präjudizierung? Protokolle des Templerprozesses im Textvergleich, Seite 340 ff.
  • Joe Labonde: Die Templer in Deutschland. Eine Untersuchung zum historisch überkommenen Erbe des Templerordens in Deutschland. Aachen 2010
  • Jürgen Sarnowsky: Die Templer. C. H. Beck, München 2009
  • Julien Théry: Philip the Fair, the Trial of the 'Perfidious Templars' and the Pontificalization of the French Monarchy, in: Journal of Medieval Religious Culture 39/2 (2013), S. 117–148
  • Dieter H. Wolf (Hrsg.): Internationales Templerlexikon. Studien-Verlag, Innsbruck 2003

Verweise


Einzelnachweise

  1. Arme Ritter Christi und des Tempels von Salomon zu Jerusalem
  2. capti tenantur et ecclesiae iudicio preserventur
  3. omnia bona sua mobilia et immobilia saisiantur et ad manum nostram saisita fideliter conserventur
  4. electum a domino
  5. ad subsidiam terram sanctam
  6. rückfälliger Ketzer
  7. Nicht uns, o Herr, nicht uns, sondern deinem Namen gib Ehre!
  8. Siegel der Soldaten Christi vom Tempel
  9. beides zusammen hieß Clamys
  10. „Beaucéant“
  11. sarjanz de mestier / servienten
  12. Schmiede, Sattler, Landwirtschaft
  13. schwarz, wenn regional verfügbar, ansonsten dunkelbraun
  14. schwarz, wenn regional verfügbar, ansonsten dunkelbraun