Vereinigte Zwietracht der wechselnden Saiten

Aus Monarchieliga
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  • BWV 207
  • BC G 37


Es handelt sich um eine Glückwunschkantate von Johann Sebastian Bach für Professor Kortte zum Antritt seiner Professur am 11. Dezember 1726.


Text der Kantate

Marsch

Marsch zu K. 207

Coro: Vereinigte Zwietracht der wechselnden Saiten

Vereinigte Zwietracht der wechselnden Saiten,
der rollenden Pauken durchdringender Knall,

locket den lüsteren Hörer herbei!
Saget mit euren frohlockenden Tönen
und doppelt vermehretem Schall,
denen mir emsig ergebenen Söhmten,
was hier der Lohn der Tugend sei.

Recitativo secco „Der Fleiß“: Wen treibt ein edler Trieb

Wen treibt ein edler Trieb zu dem, was Ehre heißt,
und wessen lobbegier'ger Geist
sehnt sich, mit dem zu prangen,
was man durch Kunst, Verstand und Tugend kann erlangen,
der trete meine Bahn
beherzt mit stets verneuten Kräften an!
Was jetzt die junge Hand, der munt're Fuß erwirbt,
macht, daß das alte Haupt in keiner Schmach und banger Not verdirbt.
Der Jugend angewandte Säfte
erhalten denn des Alters matte Kräfte,
und die in ihrer besten Zeit,
wie es den Faulen scheint,
in nichts als lauter Müh' und steter Arbeit schweben,
die können nach erlangtem Ziel, an Ehren satt,
in stolzer Ruhe leben,
denn sie erfahren in der Tat,
daß der die Ruhe recht genießet,
dem sie ein saurer Schweiß versüßet.

Aria „Der Fleiß“: Zieht euren Fuß nur nicht zurücke

Zieht euren Fuß nur nicht zurücke,
ihr, die ihr meinen Weg erwählt!

Das Glücke merket eure Schritte,
die Ehre zählt die sauren Tritte,
damit, daß nach vollbrachter Straße
euch werd' in einem Übermaße
der Lohn von ihnen zugezählt.

Ehre und Glück: Dem nur allein soll meine Wohnung offen sein

Die Ehre: Dem nur allein
soll meine Wohnung offen sein,
der sich zu deinen Söhnen zählet
und statt der Rosenbahn, die ihm die Wollust zeigt,
sich deinen Dornenweg erwählet.
Mein Lorbeer soll hinfort nur solche Scheitel zieren,
in denen sich ein immerregend Blut,
ein unerschrock'nes Herz und unverdroß'ner Mut
zu aller Arbeit läßt verspüren.
Das Glück: Auch ich will mich mit meinen Schätzen
bei dem, den du erwählst, stets lassen finden.
Den will ich mir zu einem angenehmen Ziel
von meiner Liebe setzen,
der stets für sich genug, für andre nie zu viel
von denen sich durch Müh und Fleiß erworbnen Gaben
vermeint zu haben.
Ziert denn die unermüd'te Hand
nach meiner Freundin ihr Versprechen
ein ihrer Taten würd'ger Stand,
so soll sie auch die Frucht des Überflusses brechen,
so kann man die, die sich befleißen,
des Lorbeers Würdige zu heißen,
zugleich glückselig preisen.

Aria Duetto: Den soll mein Lorbeer schützend decken

Die Ehre: Den soll mein Lorbeer schützend decken,
Das Glück: der soll die Frucht des Segens schmecken,
Beide: der durch den Fleiß zum Sternen steigt.
Die Ehre: Benetzt des Schweißes Tau die Glieder,
so fällt er in die Muscheln nieder,
wo er der Ehre Perlen zeugt.
Das Glück: Wo die erhitzten Tropfen fließen,
da wird ein Strom daraus entsprießen,
der denen Segensbächen gleicht.

Ritornell

Marsch zu K. 207

Recitativo secco „Die Dankbarkeit“: Es ist kein leeres Wort

Es ist kein leeres Wort,
kein ohne Grund erregtes Hoffen,
was euch der Fleiß als euren Lohn gezeigt!
Obgleich der harte Sinn der Unvergnügten schweigt,
wenn sie nach ihrem Tun ein gleiches Glück betroffen.
Ja, zeiget nur in der Asträa
durch den Fleiß geöffneten und aufgeschloß'nen Tempel,
an einem so beliebt als teuen Lehrer,
ihr, ihm so sehr getreu als wie verpflicht'ten Hörer,
der Welt zufolge ein Exempel,
an dem der Neid
der Ehre, Glück und Fleiß vereinten Schluß
verwundern muß.
Es müsse diese Zeit
nicht so vorübergeh'n,
laßt durch die Glut der angezündten Kerzen
die Flammen eurer ihm ergebnen Herzen
den Gönnern so als wie den Neidern sehn!

Aria „Die Dankbarkeit“: Ätzet dieses Angedenken

Die Dankbarkeit ätzet dieses Angedenken
in den härtsten Marmor ein!

Doch die Zeit verdirbt den Stein.
laßt vielmehr aus euren Taten
eures Lehrers Tun erraten,
kann man aus den Früchten lesen,
wie die Wurzel sei gewesen
muß sie unrergänglich sein.

Szene: Ihr Schläfrigen, herbei

Der Fleiß: Ihr Schläfrigen, herbei,
erblickt an meinem mir beliebten Kortten,
wie daß in meinen Worten
kein eitler Wahn verborgen sei.
Sein annoch zarter Fuß fing kaum zu gehen an,
sogleich betrat er meine Bahn
und, da er nun so zeitig angefangen,
was Wunder, daß er kann sein Ziel so früh erlangen!
Wie sehr er mich geliebt.
wie eifrig er in meinem Dienst gewesen,
läßt die gelehrte Schrift auch andern Ländern lesen.
Allein, was such ich ihn zu loben?
Ist der nicht schon genug erhoben
den der großmächtige Monarch, der als August Gelehrte kennet,
zu seinen Lehrer nennet.
Die Ehre: Ja, ja, ihr edlen Freunde, seht, wie ich mit Kortten bin verbunden,
es hat ihm die gewog'ne Hand
schon manchen Kranz gewunden.
Jetzt soll sein höh'rer Stand ihm zu dem Lorbeer dienen,
der unter einem mächt'gen Schutz wird immerwährend grünen.
Das Glück: So kann er sich an meinen Schätzen,
da er durch eure Gunst sich mir in Schoß gebracht,
wenn er in stolzer Ruhe lacht,
nach eig'ner Lust ergötzen.
Die Dankbarkeit: So ist, was ich gehofft, erfüllt,
da ein so unverhofftes Glück,
mein nie genung gepries'ner Kortte,
der Freunde wünschen stillt.
Drum denkt ein jeder auch an seine Pflicht zurück
und sucht dir jetzt durch sein Bezeigen
die Früchte seiner Gunst zu reichen.
es stimmt, wer nur ein wahrer Freund will sein,
jetzt mit uns ein:

Coro: Kortte lebe, Kortte blühe

Kortte lebe, Kortte blühe!

Die Ehre: Den mein Lorbeer unterstützt,
Das Glück: der mir selbst im Schoße sitzt,
Der Fleiß: der durch mich stets höher steigt,
Die Dankbarkeit: der die Herzen zu sich neigt,

muß in ungezählten Jahren
stets geehrt in Segen stehn
und zwar wohl der Neider Scharen,
aber nicht der Feinde sehn.

Verweise