Verjaget, zerstreuet, zerrüttet, ihr Sterne

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  • BWV 249 b
  • BD G 28


Zum Werk

„Die Feier des Genius“. Dramma per musica zum Geburtstag des Grafen Joachim Friedrich von Flemming am 25. August 1726. Die Musik dieser Kantate wäre aus dem Osteroratorium weitestgehend zu erschließen.


Text des Werkes

  • Genius, Merkur, Melpomene und Minerva

Aria a Duetto Genius und Merkur: Verjaget, zerstreuet

Genius und Merkur: Verjaget, zerstreuet, zerrüttet, ihr Sterne,
die flüchtigen Blicke der stürmischen Luft!

Ein scherzend Beginnen
erfüllet die Sinnen,
weil der Tag zur Freude ruft.

Minerva und Melpomene: Verjaget, zerstreuet, zerrüttet, ihr Sterne,
die flüchtigen Blicke der stürmischen Luft!

Recit.: Was hör ich hier

Genius: Was hör ich hier?
Merkur: Wer störet unsre Lust?
Genius: Minerva und Melpomene?
Minerva: So meinet ihr,
daß jetzt nun eure Brust
der Sammelplatz der Freuden,
Melpomene: Und daß uns beiden
nicht gleicher Trieb von Herzen geh.

Aria Melpomene: Süße, wundersüße Triebe

Süße, wundersüße Triebe
quellen jetzt in meiner Brust,

Wonn' und Lust
und der Sinnen ihr Entzücken
weiß der Mund nicht auszudrücken.

Recit.: Was aber macht uns so erhitzt

Merkur: Was aber macht uns so erhitzt,
warum ist euer Haupt und Angesicht
anitzt
mit solchem Schmuck und Glänzen ausgeziert?
Minerva: So sollen wir denn nicht
dem großen Genius,
der unsers Flemmings wohl regiert,
Mit Andacht oder Opfer ehren?
Merkur: Ihr geht mit mir auf gleichen Wegen.
Melpomene: Wer aber wird denn nun,
da schon die stillen Wälder ruh'n,
die Götter pflegen,
wenn sie ein Ungemach im Schlafe sollte stören.

Aria Merkur: Senket euch nur ohne Kummer

Senket euch nur ohne Kummer
in dem Schlummer,
ihr entschlafnen Götter ein!

Flemings Feier die erschienen,
wo ich muß zugegen sein,
hab ich jetzo zu bedienen.

Szene: Obschon der Helikon

Minerva: Obschon
der Helikon
in einer sanften Stille lieget,
so treibt mich doch ein inner Trieb,
mich über Flemmings Wohl, Glück und Gedeihen
frohlockend zu erfreuen,
denn er hat meine Musen lieb.
Melpomene: Sing ich Flemmings Heldentaten,
so ist das sein Eigentum,
und sein angeerbter Ruhm.
Aber fällt mir dieses bei,
wie Er denen Musen sei,
muß ich außer mir geraten.
Genius: Ist mein Altar bereit,
sind auch die Opfer fertig?
Mercurius: Hier steht der Weihrauch und der Wein,
dort aber werden Blumen sein.
Genius: Wohlan, hier bin ich gegenwärtig,
verehret meine Herrlichkeit.

Aria Minerva: Geht, ihr Wünsche

Geht, ihr Wünsche, geht behende,
bittet, daß ein fernes Ende
unsers Flemmings Freude sei!

Wünschet, daß ihn dieser Tag
oft und froh erblicken mag,
wünscht nur, 'Fiat!' steht dabei.
Geht, ihr Wünsche, geht behende,
bittet, daß ein fernes Ende
unsers Flemmings Freude sei.

Recit. Genius

Geliebte, was ihr wünscht,
kommt euch gewährt zurück,
der Himmel sorgt vor Flemmings Glück.
Er stärket seine tapfren Glieder,
sein Haus, sein hohes Haus,
So jetzt der Welt zum Wunder blühet,
das breite sich unendlich aus!
Und Sein Gemahl,
die dieses Tages Freude siehet,
sei unverrückt
mit Überfluß des Segens ausgeschmückt,
und ihr, die ihr der Fröhligkeit
von mir geliebte Zeugen seit,
erhebet mit mir eure Lieder.

Aria: Heil und Lust

Heil und Lust
kröne unendlich Deine Brust!
Großer Flemming, Dein Erquicken
müsse wie die Palmen steh'n,
die sich niemals niederbücken,
sondern bis zum Wolken gehn.
Damit wir uns öfters bei deinem Gedeien
mit Wünschen, mit Singen, mit Spielen erfreuen!


Verweise