Vorgebliches Reichsende

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Vorgeschichte

Franz II. hatte sich auf seinen Schritt schon des Längeren, nicht erst seit Napoleons Ultimatum, vorbereitet. Ihm war bekannt, daß Preußen für Norddeutschland seit Anfang 1806 eigene Pläne verfolgte, die allerdings im Herbst zu Nichts zerronnen. Ihm war auch bekannt, daß Napoleon das Ziel verfolgte, „Kaiser des Okzidents“ zu werden.[1]

Position Dalbergs

Dessen Wegbereiter war der Kurerzkanzler und damit oberster Reichsbeamte Dalberg, der allein dem Franzosen zutraute, „die römische Krone zu härten und aus ihrer Verachtung und Geringschätzung zu heben, auf daß das abendländische Weltreich wieder auflebe in Kaiser Napoleon, so wie es war unter Karl dem Großen, zusammengesetzt aus Italien, Frankreich und Deutschland'“.[2]

Rechtliche Position des Kaisers

Dem Kaiser war es nicht rechtswirksam möglich, das Reich einseitig aufzulösen. Er und seine Räte haben das auch gewußt; ebenso wenig waren die Rheinbundstaaten berechtigt, sich vom Reich zu lösen.

Eine rechtswirksame Auflösung des Reichs wäre wohl bei einer Zustimmung der Reichsstände zustande gekommen. Diese erfolgte aber nicht - und mindestens einer der Kurfürsten, nämlich Georg III. von Hannover, zugleich König von England, erklärte förmlich beim Wiener Hof, daß er das Patent des Kaisers vom 6. August 1806 nicht anerkenne und das Reich als fortbestehend betrachte.[3]

Laut Aretin,[4] war es der König von Schweden, der als einziger beim Reichstag protestierte.

Hannover

Georg III. [von Hannover] führte bis zum 11. Oktober 1814 weiter den Titel "Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, des heiligen römischen Reiches Erzschatzmeister und Kurfürst". Einen Tag später freilich ließ er davon ab und die Welt wissen, er sei nunmehr "König von Hannover". Mit diesem Akt wollte er sich der vorgeblichen REchtslage anpassen und seine Rechte sichern.

Hannover war seit dem Annexionsedikt vom 1. April 1806 durch Preußen besetzt. Doch verlor der Kurfürst dadurch nicht seine Reichsstandschaft, d. h. sein Protest war wirksam. Praktisch folgenreich war immerhin die kurze Episode des "britisch-preußischen Seekriegs": Als Reaktion auf die Besetzung Hannovers erklärte das Vereinigte Königreich am 11.6.1806 den Krieg an Preußen und beschlagnahmte über 300 Handelsschiffe.

Im Juli 1803 hatte Konvention von Artlenburg doch schon wieder einen Grundpfeiler, des erst mit dem Reichsdeputationshauptschluß vom Februar geordneten Reiches, eingestürzt.

Die Haltung Georgs III. war durch das "Reichsherkommen"[5] gestützt: Die Entwaffnung Hannovers durch Napoleon 1803 und die dadurch begünstigte Besetzung des Landes durch Preußen 1806 hatten keineswegs Ewigkeitscharakter.

Die preußische Regierung war sich ihrer Sache so unsicher, daß sie noch im September 1806 versuchte, Georg III. zu einem freiwilligen Verzicht zu bewegen, wobei sie sich zu der Erklärung genötigt sah, sie denke nicht daran, Hannover gegen seinen Willen zu behalten."

Wichtige Ereignisse

Literatur

  • Adamek, Josef: Vom Römischen Endreich der mittelalterlichen Bibelerklärung. Triltsch, Würzburg 1938
  • Aretin: Vom Deutschen Reich zum Deutschen Bund
  • Braubach, Max: Von der Französischen Revolution bis zum Wiener Kongreß. dtv, München 1970
  • Lauber, Emil: Metternichs Kampf um die europäische Mitte. Adolf Luser Verlag, Wien und Leipzig 1939
  • Rössler, H.: Napoleons Griff nach der Kaiserkrone. Das Ende des alten Reichs 1806. 1957
  • Srbik, Heinrich Ritter von: Das österreichische Kaisertum und das Ende des Heiligen Römischen Reiches 1804 - 1806. Deutscher Verlag für Politik und Gesellschaft 1927
  • Walter, Gero: Der Zusammenbruch des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation und die Problematik seiner Restauration in den Jahren 1814/15, Karlsruhe: C.F.Müller, 1980; jur. Diss. Bonn 1979


Verweise


Einzelnachweise

  1. Nach Raumer, Deutschland um 1800, S. 165
  2. ebenda
  3. Walter, S. 83
  4. Vom Deutschen Reich zum Deutschen Bund, S. 102
  5. d. h. durch reichsstaatsrechtlichen Usus