Widersprüche der FSSPX

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Die Widersprüche der Priesterbruderschaft St. Pius X.


Diözese Campos und FSSPX

Für großes Aufsehen sorgte in den letzten Monaten des vergangenen Jahres die Nachricht, daß die in der brasilianischen Diözese Campos tätige Bruderschaft St. Johann Baptist Vianney, deren Priester (bisher) nach dem überlieferten Römischen Meßritus zelebrieren und theologisch eine Position vertreten bzw. vertraten, die weitgehend mit der der Priesterbruderschaft St. Pius X. übereinstimmt, in Verhandlungen mit dem vatikanischen Präfekten der Kongregation für den Klerus, „Kardinal“ Castrillon Hoyos stehe, um sich eventuell in die amtskatholische modernistische „Kirche“ eingliedern zu lassen.

Diese Gemeinschaft, die aus etwa 20 Priestern bestehen soll, hat sich unter dem verstorbenen ehemaligen Bischof dieser Diözese de Castro-Mayer entwickelt, der seinerseits an der 1988 durch Mgr. Lefebvre vollzogenen Bischofsweihe vierer Mitglieder der Ecôner Priesterbruderschaft als Co-Konsekrator teilnahm. Und drei dieser vier Bischöfe haben dann 1991 den damals 55-jährigen Licinio Rangel für diese Bruderschaft St. Jean Vianney zum Bischof geweiht.

Und nun die Nachricht, daß sich die Beziehungen zwischen diesem Mgr. Rangel und der Diözese Campos seit der Einsetzung eines neuen amtskatholischen „Ortsbischofs“ stark verbessert hätten, und daß daraufhin ein Priester dieser Gemeinschaft seit dem letzten Herbst mit dem Vatikan verhandelt habe. Inzwischen ist es zwischen diesen beiden Gemeinschaften auch tatsächlich zu einer „Union“ gekommen, wobei sich die Campos-Gruppe u. a. auch verpflichtet habe, das Vatikanum II. anzuerkennen.

Die Priesterbruderschaft St. Pius X. selbst hat ja im Sommer des Jahres 2000 eine Wallfahrt nach Rom veranstaltet, die - einmal von der persönlichen Andacht der einzelnen Pilger abgesehen - doch als ein kirchlich-politischer Schachzug zu werten ist. Mit dieser Taktik wollten die betreffenden Verantwortlichen dem Vatikan offensichtlich vor Augen führen, daß sie nicht nur auch noch da sind, sondern daß sie sich selbst in jedem Fall unbedingt auch als zur offiziellen, von Johannes Paul II. geleiteten und vom Modernismus verseuchten „Kirche“ dazugehörend (!) betrachten, worauf ja auch sonst seitens der Priesterbruderschaft geradezu unaufhörlich verwiesen wird. Dieses Taktieren ist aufgegangen, als sich dann das moderne Rom in den Monaten darauf veranlaßt sah, Verhandlungen mit hohen Vertretern der Priesterbruderschaft zwecks offizieller Einigung zu führen.

Zu einem Abschluß kam es in diesem Fall jedoch nicht, wenigstens noch nicht. Rom war nämlich nicht bereit, einige der Forderungen Ecônes zu akzeptieren, so z.B. daß jeder beliebige Priester, auch der der Amtskirche (die Frage, ob gültig geweiht oder nicht, wollen wir hier mal außer Acht gelassen), bei seiner Zelebration frei und ungehindert auch auf den überlieferten Meßritus zurückgreifen dürfe.

Dieser Abbruch der Gespräche wurde dann seitens der Priesterbruderschaft als eine außergewöhnliche Festigkeit im überkommenen katholischen Glauben und als eine hervorragende Treue zum überlieferten Meßopfer gewertet. Und um dies gewissermaßen zu unterstreichen, wird darauf verwiesen, daß die Verhandlungen der Campos-Gruppe mit Rom „zunächst ohne Wissen der Priesterbruderschaft“ geführt wurden, und daß es „dann rasch zu einer Entfremdung mit den Nachfolgern von Bischof de Castro-Mayer kam, ohne daß jedoch ein eigentlicher Bruch vollzogen wurde“.

Aber damit wären wir auch schon beim Kern des Problems bzw. des Dilemmas, in welchem die Priesterbruderschaft eigentlich seit ihrer Gründung im Jahre 1970 steckt. Der Behauptung, die Ecôner Position in der Auseinandersetzung mit den modernistischen Irrlehren strahle besondere katholische Rechtgläubigkeit aus, muß nämlich um der Eindeutigkeit und der Klarheit des apostolisch-katholischen Glaubens willen entschieden widersprochen werden! Dies soll im Folgenden belegt werden.

FSSPX begünstigt NOM

Fangen wir mit der bereits erwähnten Forderung Econes an Rom an, jeder Priester solle ohne irgendwelche Hindernisse auch nach dem überlieferten Meßritus zelebrieren dürfen. Was hält aber die Priesterbruderschaft vom „Novus Ordo Missae“ (N.O.M.), der 1969 unter Paul VI. promulgiert (veröffentlicht), im deutschen Sprachbereich seit 1976 verpflichtend eingeführt wurde und somit den überlieferten Meßritus verdrängt hatte?

Ihren verschiedensten Veröffentlichungen und Stellungnahmen ist zu entnehmen, daß diese „erneuerte Messe“ sehr stark den Opferbegriff der hl. Messe verkürze bzw. ihn offenkundig zugunsten einer reinen Mahltheorie aufgebe, wodurch sie äußerst bedenklich der Lutherischen Abendmahlslehre nahekomme bzw. dem reformatorischen „Abendmahl“ ähnele.

Ferner wird zu Recht bemängelt, daß sie viele der geoffenbarten Glaubenswahrheiten abschwäche bzw. absichtlich verschweige und sogar in wesentlichen Aussagen bewußt Doppeldeutigkeiten zulasse (wohl um der Anbiederung an die „getrennten Brüder“ willen), was die Alternative einer nicht-katholischen, protestantischen Textauslegung eröffne. Dabei wird ebenfalls des Umstands gedacht, daß sie in vielen der landessprachlichen Versionen die Konsekrationsworte über den Opferwein sprachlich falsch wiedergebe (von „viele“ in „alle“), wodurch sogar ein anderer theologisch-dogmatischer Sinn entstehe. Und aus allen diesen und anderen Gründen wird gefolgert, daß sie eine Gefahr für den Glauben und somit wohl auch für das Heil der Gläubigen darstelle.

Nun, dieser Kritik an der Liturgiereform Montinis können wir uns nur anschließen, sie ist voll berechtigt. Nur mutet es einen völlig befremdend an, wenn man auf diesem Hintergrund die Forderung der Priesterbruderschaft vernimmt, jeder Priester solle ungehindert auch die „alte“ Messe zelebrieren dürfen. Darin ist nämlich ein gewaltiger Widerspruch enthalten! Denn wenn jemand auch (!) die „alte“ Messe frei wählen darf, dann ist er wohl ebenfalls berechtigt, die „erneuerte“ Liturgie Pauls VI., die ja nach Meinung der Priesterbruderschaft eine Gefahr für den katholischen Glauben und das Heil der Seelen darstelle, zu verwenden.

Und wenn jemand somit eine freie Auswahl zwischen diesen beiden Meßordnungen treffen darf, dann werden beide durch diese Forderung Ecônes folgerichtig als gleichwertig dargestellt, beide stehen auf derselben Legitimitäts- und Wahrheitsstufe! Und dies bedeutet, daß einem Ritus, der nach eigenem Bekunden eine Gefahr für das Seelenheil der Gläubigen darstellt, praktisch der gleiche moralische Wert zugestanden und derselbe Wahrheitsgehalt zugebilligt wird wie dem ehrwürdigen, eindeutig rechtgläubigen und durch Jahrhunderte geheiligten Römischen Meßritus!

Wir wollen nicht behaupten, daß sich die führende Schicht der Priesterbruderschaft absichtlich für die „neue Messe“ stark ins Zeug legt, wird sie ja von ihr kritisiert und (wenigstens vorläufig) bei der Zelebration nicht herangezogen. Nichtsdestoweniger ist festzustellen, daß sich diese Gemeinschaft wegen ihres geradezu himmelschreienden inkonsequenten Verhaltens, welches eindeutig einer mangelnder Wahrheitsliebe entspringt, permanent in gewaltige Widersprüche verwickelt! Denn ihre oben erwähnte Forderung an das neue Rom impliziert in aller Folgerichtigkeit die moralische Gleichstellung der Lüge mit der Wahrheit, des kirchlichen Dogmas mit der amtlich-feierlich verurteilten Irrlehre.

Was somit von der Priesterbruderschaft selbst großmaschig und in einer nicht gerade bescheidenen Manier als ein unerschütterliches Festhalten an der katholischen Glaubenswahrheit ausgegeben wird, entpuppt sich beim genaueren Hinschauen als eine äußerst bedenkliche Verdunkelung dieser Wahrheit, als eine folgenschwere, ja schicksalhafte Vermischung der Prinzipien! Mit einer Liebe zur Wahrheit hat dieses Verhalten überhaupt nichts zu tun - es ist leider ein gefährliches Spiel mit dem Feuer.

Erinnern wir uns doch an die eindringlichen Worte des hl. Apostel Paulus, die zwar einen etwas verschiedenen historischen Hintergrund haben, aber dennoch dieselben verwerflichen Praktiken brandmarken, wie sie in unserem Fall die Ecôner Priesterbruderschaft an den Tag legt: „Zieht nicht mit den Ungläubigen an einem Joch! Denn was haben Gerechtigkeit und Gottlosigkeit miteinander zu tun? Was haben Licht und Finsternis gemein? Wie stimmen Christus und Belial zusammen? Wie verträgt sich der Tempel Gottes mit Götzen?“[1]

NOM angeblich gültig

Ebenfalls hält die Priesterbruderschaft St. Pius X., so jedenfalls ihre offizielle Linie, daran fest, daß der „NOM.“ in seiner „editio typica“, der offiziellen lateinischen Version, als gültig zu erachten sei, vorausgesetzt, der Zelebrant besitzt - wegen der bereits darauf verwiesenen Doppeldeutigkeiten dieses Ritus! - die richtige Intention. Zunächst ist diese Äußerung eher witzig und wenig aussagekräftig. Denn wie viele vom modernen Klerus verwenden überhaupt diese lateinische „editio typica“? Wohl nur geringe Bruchteile eines einzigen Prozents! Die erdrückende Mehrheit greift doch bestenfalls auf amtliche landessprachliche Übersetzungen zurück, deren Mängel noch stärker ausgeprägt sind als in dieser „editio typica“, wobei weitergehendere eigene liturgische „Kreationen“ der modernen Pfarrer nicht unbekannt sind.

Wenn man daher vom „Novus Ordo Missae“ spricht, ihn analysiert und bewertet, dann darf er nicht lediglich auf diese „editio typica“ verkürzt werden. Dessen landessprachlichen Versionen, die ja trotz angedeuteter Abweichungen ebenfalls die offizielle Approbation (Billigung, Druckerlaubnis) Roms erhielten, gehören nämlich auch zu diesem „neuen“ Ritus, machen seinen festen Bestandteil aus! Weicht man daher der Wahrheit mit Hilfe solcher taktischer Tricks aus, erweist man ihr keinen guten Dienst, sondern mißachtet sie eher. Des weiteren wird mit dem Satz der Priesterbruderschaft von der (vermeintlichen) Gültigkeit des „NOM“ unter der Voraussetzung einer richtigen Intention des Zelebranten die prinzipielle Frage nach der Gültigkeit (und Erlaubtheit) eines offiziell eingeführten Meßritus lediglich auf die Frage nach der Intention des betreffenden Zelebranten reduziert, was von katholischer Seite aus gesehen nicht statthaft ist.

Ein Ritus muß nämlich von sich aus (!) eine entsprechende Intention hergeben bzw. beim Zelebranten oder Gläubigen entstehen lassen. Wenn er aber die katholische Lehre nicht eindeutig und unmißverständlich wiedergeben sollte, dann ist jeder Versuch, ihn doch noch irgendwie „gesundzubeten“, nicht nur zum Scheitern verursacht, sondern verweist darüber hinaus auf ein gefährliches Jonglieren der betreffenden „Reduzierer“, seien sie auch unter den Oberen der Priesterbruderschaft zu finden, mit der göttlichen Wahrheit hin!

Und wie weit ist denn die Priesterbruderschaft herunter gekommen, wenn sie bei der „neuen Messe“ auf eine richtige Zelebrationsintention der modernen Pfarrer hofft, um sie doch noch (bzw. trotz allem) als gültig deklarieren zu können, (um sich dadurch bei den Herren in Rom als „katholisch“ zu empfehlen)!? Drastischer kann wohl das Desaster sowohl des modernen Klerus als auch der heutigen „Eucharistiefeier“ nicht umschrieben werden! Diese ziemlich naive Hoffnung der betreffenden Monsignores und Abbés ähnelt nicht wenig der Freude der Leitung der Priesterbruderschaft St. Petrus in Wiegratzbad, die großer Freude Ausdruck verleiht, wenn sie gelegentlich von der Zelebration nach dem überlieferten Meßritus durch irgendeinen „papsttreuen“ und „gehorsamen“ Bischof oder Kardinal berichten kann.

Negativ für Tradition

Nach dem Motto halt: Hurra, der sagt ja auch mal die Wahrheit! Und vor allem ist die Frage zu stellen: Wenn dieser „NOM“ trotz seiner glaubensmäßigen Unzulänglichkeiten dennoch gültig sein soll (wenigstens in seiner „editio typica“ halt), warum dann noch am überlieferten Meßopfer festhalten? Ein gültiger Ritus bedeutet ja, eine gültige Messe zu haben. Und eine gültige hl. Messe ist ja die sakramental-unblutige Gegenwärtigsetzung des Kreuzesopfers - ohne Wenn und Aber eine überreiche Quelle göttlicher Gnaden, ja die Segensquelle für uns, Menschen, schlechthin! Es müßte ja daraus schlußfolgert werden, daß es nach der Logik der Priesterbruderschaft völlig genügen würde, wenn man sich für die flächendeckende Durchsetzung der „editio typica“ starkmachen würde - eine gültige Messe ist doch eine gültige Messe!

Es bedürfte keines Festhaltens am überlieferten Meßritus. Denn wie kann und soll auf der anderen Seite eine Messe, die von Ecône ja ausdrücklich für gültig erklärt wird, einen Schaden für das Seelenheil der daran teilnehmenden Gläubigen verursachen? Das ist ein Widerspruch pur! Zwar führen z.B. die Einführung der Handkommunion oder die Abschaffung des Kniens prinzipiell sehr wohl zur Minderung der Ehrfurcht der teilnehmenden Personen vor dem Allerheiligsten Sakrament des Altares im speziellen und zur Abnahme der Wertschätzung der hl. Messe im allgemeinen. Dennoch hängt von dieser Art von „Neuerungen“ nicht die Frage nach der Gültigkeit eines Meßritus ab! Und eigentlich erst bei einem ungültigen bzw. zweifelhaften Ritus (!) kann die Rede von einem richtigen Schaden für das Seelenheil der Gläubigen sein.

Indem aber die Priesterbruderschaft die überlieferte Liturgie dennoch nicht aufgeben will, obwohl sie ja die „neue Messe“ (unter bekannten Voraussetzungen halt) für gültig hält, setzt sie sich dem berechtigten Vorwurf aus, dem sich auch viele vom modernen Klerus anschließen, sie halte an der „alten“ Messe lediglich aus rein subjektiven Gründen fest: aufgrund persönlicher Gewohnheit und privater Andachtsübungen. Dadurch wird sie durch jene tatsächlich zu einer Art reinem Museumsexponat degradiert, um welches man sich eben ausschließlich aus persönlicher Vorliebe fürs Antike kümmert.

Beachten wir bitte noch einen anderen wichtigen Punkt. Ecône verlangte ja in seinen Gesprächen mit Rom nicht eine generelle Abschaffung und Verdrängung des „N.O.M.“ zugunsten des überlieferten Meßopfers, sondern nur, daß auch diese „alte“ Messe von wem auch immer ungehindert gelesen werden darf. Das ist aber kein Ausdruck vorbildlicher pastoraler Sorge um die Gläubigen, denn sie nimmt dadurch indirekt fahrlässig in Kauf, daß diejenigen, die nicht zu ihr in die Priorate und Kapellen kommen, durch die Teilnahme an der modernen „Eucharistiefeier“ der Gefahr für deren Glauben und Seelenheil ausgesetzt werden! Es wäre ja blauäugig und äußerst naiv zu glauben, sämtliche der modernistischen Pfarrer und Bischöfe, die inzwischen teilweise sogar gänzlich jeglichen gesunden katholischen Glauben verloren bzw. diesen aufgrund jüngeren Alters niemals kennengelernt haben, würden von sich aus zur Römischen Liturgie zurückkehren bzw. sie neu entdecken!!!

In unseren Ausführungen über die Position der Ecôner Priesterbruderschaft zum modernistischen Rom Johannes Pauls II. untersuchten wir deren Haltung bezüglich der uns alle angehenden Meßfrage. Wir wiesen auf die gewaltigen Widersprüche hin, in welche sich die Verantwortlichen dieser Gemeinschaft laufend verstricken, und die wohl nur durch den Umstand zu erklären sind, daß man sich - jedenfalls in den angesprochenen Punkten - mehr ums Taktieren und um die egoistisch geprägte Kirchenpolitik kümmert als um die für einen katholischen Christen notwendige Liebe zur Wahrheit.

Wir wollen aber auch nicht übersehen, daß die Frage nach der Beurteilung der Stellungnahme der Priesterbruderschaft zur „neuen Messe“ Pauls VI. nicht für sich allein behandelt werden darf, d.h. sie kann nicht isoliert von anderen Problemfeldern, die damit zu tun haben, gebührend analysiert werden. Denn nur in Verbindung mit wenigstens einer anderen immens wichtigen Frage kann erklärt (nicht gutgeheißen!) werden, wo der eigentliche Grund für die Widersprüche in der Position der Priesterbruderschaft zu finden ist, wo sozusagen der Hase im Pfeffer liegt.

Es ist ja nicht zu verkennen, daß jegliche Kritik an der „erneuerten“ Liturgie von 1969, zumal sie deren fundamentale Irrtümer und substantielle Fehlentwicklungen anspricht bzw. aufweist, ipso facto auch Kritik an den dafür verantwortlich zeichnenden Personen und Autoritäten hervorruft, ja daß diese sachliche Kritik sogar parallel einhergehen muß mit der grundsätzlichen Frage nach der kirchlichen Legitimität (Rechtmäßigkeit) jener postkonziliaren Amtsträger - ob nun in der Gegenwart oder in den Jahrzehnten zuvor -, die diese liturgischen „Neuerungen“ entweder selbst höchst aktiv fördern und propagieren oder wenigstens auf dem Weg der alltäglichen Zelebrationspraxis mittragen und somit ebenfalls bejahen! Denn es handelt sich ja bei dieser „Liturgiereform“ nicht um irgendeine Nebensächlichkeit oder Lappalie, die es nicht verdienen würde, daß man ihr erhöhte Aufmerksamkeit schenkte bzw. sie in den Mittelpunkt der Diskussion stellte. Nein, es geht hier um nichts geringeres als um das neutestamentliche liturgische Opfer der hl. Messe: den größten Schatz der katholischen Kirche und die von Christus eingesetzte Quelle der göttlichen Gnaden und der Selbsterneuerung der Kirche bzw. der Gläubigen!

Falsche Hirten

Und wer die katholische Kirche als eine Stiftung Christi somit in ihrem Zentrum angreift, muß sich auch die Frage gefallen lassen, ob er denn noch ein Hirte der Gläubigen sein kann. Und es ist anscheinend auch jenen Bischöfen und Priestern innerhalb der Piusbruderschaft, die die Marschrichtung sowohl in der Vergangenheit angaben als auch in der Gegenwart angeben, bewußt geworden, daß ein rechtmäßiger Papst der katholischen Kirche wohl kaum eine „erneuerte“ Messe einführen bzw. gegen den genuinen Römischen Meßritus, der Apostolizität atmet, durchsetzen kann, die in sich, d.h. wegen der ihr innewohnenden gravierenden Fehler, als ungültig zu erachten ist, und die somit nicht nur eine der größten Gefahren für das Seelenheil der Gläubigen darstellt, sondern dadurch auch noch an den Fundamenten der von unserem göttlichen Erlöser selbst gestifteten Kirche erheblich rüttelt! Würde dieser Fall eintreten, dann würde ein Papst von einem Seelenhirten im Auftrag Christi zu einem ihm im Prinzip diametral entgegengesetzten „reißenden Wolf“, der „in Schafskleidern“ kommt,[2] mutieren.

Aber weil die Priesterbruderschaft - trotz aller katastrophaler Entwicklungen und Irrlehren, die mit und nach dem Vatikanum II. über die Kirche einbrachen - unbegreiflicherweise gerade an der kirchlich-kanonischen Rechtmäßigkeit der heutigen offiziellen „Päpste“ und „Bischöfe“ formell festhält, will bzw. „darf“ sie sich nach der ihr innewohnenden Logik nicht dazu „durchringen“, die „neue Messe“ - sowohl in allen ihren offiziellen Fassetten als auch in ihrer „editio typica“! - als ungültig zu bezeichnen.

Denn sonst müßte sie ja schlußfolgern, daß auch dem zur Zeit aktuellen „Papst“ Johannes Paul II. das Papstamt wohl abgesprochen werden müsse, und daß somit in der Gegenwart leider der (an sich keinesfalls erfreuliche) Zustand der Sedisvakanz des Apostolischen Stuhles herrsche. Und das ist wohl der Grund, warum sich die Priesterbruderschaft trotz aller Widersprüche, in die sie sich laufend verstrickt, weiterhin beharrlich bemüht, wenigstens die „editio typica“ der modernen „Eucharistiefeier“ „zurechtzubiegen“ und „gesundzubeten“. Das scheint ihr wohl das berühmt-berüchtigte kleinere Übel zu sein als sich selbst und den anderen einzugestehen, daß es sich bei Johannes Paul II. & Co. keinesfalls um rechtmäßige Päpste der katholischen Kirche handeln kann!

FSSPX und Neu-Rom

Beleuchten wir aber das Verhältnis dieser Priesterbruderschaft St. Pius X. zum Neuen Rom. Das Ergebnis dieser Untersuchung vorwegnehmend sei schon jetzt gesagt, daß es sich hier bei Ecône ebenfalls um eine ganze Kette von substantiellen Widersprüchen handelt, wie wir dies bereits bei der Untersuchung ihrer Haltung zur „neuen Messe“ sahen.

Zunächst erinnern wir uns daran, daß die offiziellen Organe dieser Priestergemeinschaft nicht müde werden, bei geradezu jeder sich irgendwie nur bietenden Gelegenheit zu betonen, daß für sie Johannes Paul II. ein rechtmäßiger Papst und die einzelnen Ortsbischöfe legitime Diözesanbischöfe der katholischen Kirche seien, die ein katholischer Christ als solche unbedingt anerkennen müsse.

Daraus muß dann folgerichtig zunächst der Schluß gezogen werden, daß auch die Religionsgemeinschaft, die von Johannes Paul II. und den offiziellen Diözesanbischöfen (z.B. Lehmann, Kamphaus usw.) repräsentiert wird - die „Kirche“ des Vatikanums II. halt -, von der Priesterbruderschaft St. Pius X. als die Eine, Heilige, Katholische und Apostolische Kirche angesehen werden muß! Schon jetzt wird es einem Katholiken, der seine Kirche liebt, schlecht davon.

Werden ja auch ihre eigenen Seminaristen als angehende Priester von Ecône auf diese offizielle Linie eingeschworen und strengstens darauf verpflichtet. Und auf der anderen Seite geraten Priester und Gläubige, die diese Position aus einer tiefen katholischen Glaubenshaltung heraus nicht akzeptieren können, in den Augen Ecônes in den Verdacht, wenigstens schismatisch (d.h. abtrünnig, sich von der wahren kirchlichen Autorität abspaltend) zu sein. Sind denn in der Vergangenheit nicht wiederholt Priester, die sich als sogenannte Sedisvakantisten erwiesen (oder besser gesagt: als katholische Priester, die von der gegenwärtigen Vakanz des Apostolischen Stuhles ausgehen), aus der Priesterbruderschaft konsequent ausgeschlossen und sozusagen in die Wüste geschickt worden? Wer also Johannes Paul II. nicht als einen wahren Papst anerkennt, ist nach Ecônes Meinung kein richtiger Katholik.

Ignoranz gegenüber angeblich „Heiligem Vater“

In der Praxis aber existiert für die Priesterbruderschaft z.B. Johannes Paul II. als (vermeintlicher) Papst der katholischen Kirche nicht im Geringsten! Man richtet sich überhaupt nicht danach aus, was dieser denkt, sagt, lehrt, entscheidet und vorschreibt. Praktisch läßt man sich von ihm in die eigenen internen Belange überhaupt nichts hineinreden, sondern ignoriert ihn fast zur Gänze! Natürlich ist es an sich vollkommen richtig (und geradezu heilsnotwendig), jene Überzeugungen Mgr. Wojtylas nicht zu übernehmen und sie (zusammen mit den früheren Päpsten!) sogar entschieden abzulehnen, mittels welcher er sich zu wiederholten Malen gegen eine ganze Reihe von zentralen Aussagen der christlichen Offenbarung und gegen das überlieferte Glaubensgut der katholischen Kirche schwerstens versündigt hatte, die da z.B. sind: moderner Ökumenismus, dogmatischer Liberalismus, Religionsfreiheit, insofern sie dem Irrtum ein Existenzrechts zuweist.

So darf kein katholischer Christ auch die Allerlösungslehre Johannes Pauls II. teilen, jeder Mensch sei allein schon durch die Menschwerdung Jesu Christi erlöst, und zwar endgültig. Oder jeder Katholik muß die apostatische, gotteslästerliche Behauptung desselben Mannes entschieden zurückweisen, auch im Judentum und im Islam als den Religionen als solchen werde - wie im Christentum - der eine wahre Gott verehrt und angebetet (der sich eben in Jesus Christus geoffenbart hat!).

Nur vergessen wir bitte nicht, für die Priesterbruderschaft ist Johannes Paul II. immer noch ein wahrer Papst! Und wenn sie ihn für einen Papst hält, der ja nach katholischer Lehre unter anderem auch der oberste Lehrer in Glaubenssachen ist, dann tritt sie nach den Gesetzen der Logik mit sich selbst in einen gewaltigen Widerspruch (!), wenn sie sich nicht nur seinen Kernthesen, die die Fundamente seiner Glaubenswelt ausmachen, verweigert, sondern sie darüber hinaus auch noch heftigst attackiert. Wie gesagt, es handelt sich hier nicht um irgendwelche relativ zweit- oder drittrangige Fragen, sondern um Lehren eines (vermeintlichen) Papstes, die das Kerndogma (!) der christlichen Offenbarung berühren und betreffen.

Man darf Papst nicht trotzen

Und auf diesem Hintergrund des praktischen Verhaltens der Priesterbruderschaft ist es eine seltsame, eine verkehrte Definition vom Papsttum, nach welcher man einem rechtmäßigen Papst der katholischen Kirche in seinen zentralen Glaubensaussagen trotzen und widersprechen dürfe. So sieht die kirchlich überlieferte Lehre der katholischen Kirche über das Papstamt nicht aus! Will also Ecône nach wie vor auf dem Satz beharren, Johannes Paul II. sei ein sogenannter gültiger Papst, dann muß sie sich selbst ihm als der in ihren eigenen Augen rechtmäßigen päpstlichen Autorität gegenüber allerwenigstens als grob ungehorsam entlarven. Und das ist inakzeptabel, weil von der Einstellung her ein Vergehen gegen den katholischen Glauben!

Inzwischen hat man darüber hinaus seitens der Priesterbruderschaft auch noch eine Instanz eingesetzt bzw. errichtet, deren Aufgabe darin besteht, nach der Art eines Schiedsgerichts über bestimmte kirchenrechtliche und pastorale Fragen in Entsprechung zum Kirchenrecht von 1917 zu befinden. So wird darin z.B. nicht nur beraten, sondern vor allem auch entschieden, ob in konkret vorliegenden Fällen die Ehen oder auch Ordensgelübde gültig sind bzw. rechtmäßig bestehen oder eben nicht.[3]

Nun, an sich wünscht man sich z.B. als Priester nach dem Ausfall Roms schon eine Instanz, die man gegebenenfalls um Rat oder auch um eine Entscheidung angehen könnte. Da in der Gegenwart die offiziellen Institutionen in modernistischer Hand sind und dadurch so manches durcheinander gewirbelt wurde und nicht mehr seine frühere Ordnung hat, ergeben sich heute gelegentlich Fragen, die einer Antwort bedürfen, zumal im pastoralen Bereich.

Nur wollen wir uns hier erneut in Erinnerung rufen, daß es für die Priesterbruderschaft St. Pius X. eine solch geartete Institution bereits gibt - den heutigen Vatikan mit seinen offiziellen Instanzen! Wird ja diese Gemeinschaft von ihr als katholische Kirche angesehen. Wenn also die Priesterbruderschaft die Jurisdiktion (Leitungsgewalt) Johannes Pauls II. verbal anerkennt und ihre Untergebenen darauf wenigstens theoretisch verpflichtet, dann darf sie zur gleichen Zeit unter keinen Umständen eine eigene derartige Instanz ins Leben rufen. Das stellt nicht nur wiederum einen Widerspruch dar, sondern kommt - von der prinzipiellen Einstellung her - sowohl der Brüskierung der in ihren Augen konkreten päpstlichen Autorität als auch einer grundsätzlichen groben Verachtung des katholischen Papstamtes als solchen gleich!

Voll schismatische Haltung

Diese Haltung Ecônes ist zumindest objektiv schismatisch - sie läßt aber auch die Frage aufkommen, ob denn bei den entsprechenden Verantwortlichen für diesen unmöglichen Kurs nicht auch bereits häretische Tendenzen festzustellen sind, ob denn kein Häresieverdacht vorliegt! Denn es ist gegen jeden gesunden katholischen Sinn, gegen das katholische Dogma, neben einem (vermeintlich) gültigen Papst und den (vermeintlich) rechtmäßigen Bischöfen eine Art eigene Paralleljurisdiktion, Parallelkirche (!) zu errichten, wie es die Priesterbruderschaft mit ihrem Schiedsgericht tut!

Dabei weist sie sogar noch darauf hin, daß die Entscheidungen ihres eigenen entsprechenden Gremiums als gewichtiger zu erachten seien als die betreffenden Entscheidungen heutiger römischer Instanzen. Mit anderen Worten: zwar ist das Neue Rom nach Auffassung der Priesterbruderschaft die Kirche Jesu Christi, aber dennoch macht man ihr durch das eigene Dasein und die eigenen Aktivitäten mächtig Konkurrenz, ja man stuft sich selbst sogar als höher, als gewichtiger ein als diese Gemeinschaft, obwohl man ihr ausdrücklich kirchliche Legitimität zuspricht. Wenn das kein Bruch mit katholischen Glaubensprinzipien ist!

Und wie hätte gerade ein demütiger und bescheidener hl. Papst Pius X., der von der gesunden Liebe zur katholischen Kirche beseelt war, eine solche Haltung von Bischöfen und Priestern bewertet und auf sie reagiert, die nicht nur von grundlegenden theologischen Widersprüchlichkeiten höchsten Ausmaßes strotzt, sondern - als eine Art Begleiterscheinung - auch von persönlich-kirchlicher Selbstüberschätzung, Überheblichkeit und Arroganz umrahmt ist …?

Wir haben darauf verwiesen, daß eine der Ursachen für das widersprüchliche Verhalten der Ecôner Priesterbruderschaft zur „erneuerten“ Messe Pauls VI. in deren Weigerung besteht, eine klare und in jeglicher Hinsicht konsequente Position dem modernistischen Neuen Rom gegenüber einzunehmen. Weil man anscheinend nicht „zu weit“ gehen und einen gewissen Teil seiner Anhängerschaft, der geradezu krampfhaft an Johannes Paul II. als einem (vermeintlichen) Papst hängt, nicht vergraulen will, begnügt man sich lieber mit unzulässigen Inkonsequenzen.

Auf der einen Seite favorisiert man innerhalb der Priesterbruderschaft ein Papstbild, das eindeutig im Widerspruch zur katholischen Lehre über das Papstamt steht. Indem man es nämlich mit dem katholischen Papstbild für vereinbar hält, daß ein vermeintlich rechtmäßiger Papst Irrlehren und Apostasien verbreitet bzw. gotteslästerliche Handlungen begeht, unternimmt man schließlich nichts anderes als den zum kläglichen Scheitern verurteilten Versuch, ein rundes Dreieck zu bilden! Und auf der anderen Seite kümmert man sich überhaupt nicht um Anweisungen, Anordnungen und Lehren eines Mannes, zu dem man doch selbst - lautstark und energisch - bei jeder sich nur irgendwie bietenden Gelegenheit als zu einem gültigen Papst der katholischen Kirche bekennt.

Argumente gegen Sedisvakantisten sinnlos und nichtig

Nun sind seitens der Priesterbruderschaft Argumente zu vernehmen, die gegen die sedisvakantistische Auffassung, die nachkonziliaren „Päpste“ können keine legitimen Päpste sein, sprechen sollen. Dazu äußert sich z.B. Bischof Mark Pivarunas, den wir in Süddeutschland und in Tschechien von den Firmungen her kennen, in seinem Aufsatz in „Pro grege“ vom 19. März 2002:

“Unter den theologischen Argumenten, die von der Priesterbruderschaft St. Pius X. angeführt werden, um ihre namentliche Anerkennung Johannes Pauls II. gegen die sedisvakantistische Position zu stützen, finden wir ein Zitat von Fr. Peter Scott: „Trotzdem ist es widersinnig zu sagen, wie die Sedisvakantisten es tun, daß es seit mehr als 40 Jahren keinen Papst mehr gibt. Dies würde die Sichtbarkeit der Kirche und die Möglichkeit einer künftigen kanonischen Papstwahl zerstören. Die Antwort auf ihre erste ‚Schwierigkeit’, was ein so langes Interregnum (Vakanz des Papststuhles) angeht, läßt sich in der Kirchengeschichte während des Großen Westlichen Schisma finden, welches sich zwischen den Jahren 1378 und 1417 ereignet hat. Von 1378 bis 1409 gab es nämlich zwei Personen (eine in Rom und eine in Avignon), die den Anspruch auf das Papstamt erhoben; dann trat 1409 eine dritte Person von Pisa her auf, die diesen Anspruch erhob.“

Damit will gesagt werden: wenn es in der katholischen Christenheit während einer Zeitspanne von immerhin 39 Jahren nicht eindeutig war, wer mit Recht das Papstamt beansprucht hatte, dann kann man auch nicht ohne weiteres behaupten, eine Jahrzehnte lang andauernde Vakanz des päpstlichen Stuhles sei grundsätzlich nicht möglich.

Des weiteren wendet sich Bischof Pivarunas in seinem o.g. Aufsatz gegen das gelegentlich ebenfalls eingebrachte Argument, eine über längere Zeit hinweg andauernde Sedisvakanz würde nicht vereinbar sein mit der Verheißung Christi, bei Seiner Kirche „alle Tage bis ans Ende der Welt“ zu sein (vgl. Mt 28,20), und mit der Lehre des Evangeliums von ihrer Unzerstörbarkeit.

Dabei verweist er auf das bereits 1882 vom Jesuitenpater O`Reilly, einem Professor der Katholischen Universität von Dublin und einem theologischen Berater eines Kardinals und zweier Bischöfe, veröffentlichte Buch „The Relations of the Church to Society“, in welchem dieser die grundsätzliche Meinung vertritt, daß ein Interregnum, das die ganze Zeit während des bereits genannten Großen Westlichen Schisma angedauert hätte, „nicht unmöglich gewesen wäre oder unvereinbar mit den Verheißungen Christi“.

Wäre es denn nicht witzig und völlig abwegig, sich viel zu einseitig-theoretisch über die Frage zu unterhalten, ob denn ein Papst zum „Wolf“ des Evangeliums werden könne, der die „Schafe“ Christi „anfällt und zersprengt“ (vgl. Joh 10,12), während z.B. Johannes Paul II. und die postkonziliare „Kirche“ in der realen Praxis die Kirche Jesu Christi, eben die besagten „Schafe“, zur gleichen Zeit massiv und aggressiv „anfallen und zersprengen“??? Soll man denn die Augen von der brutalen Realität abwenden und sich süßlichen Träumereien hingeben? Kann das eine Lösung der anstehenden gewaltigen Probleme bieten?

Keine zeitliche Obergrenze für Sedisvakanz

Gern wird seitens der Priesterbruderschaft St. Pius X. auch das Argument eingebracht, eine künftige Wahl eines Papstes würde nicht möglich sein, wäre der Papstthron seit dem Vatikanum II. tatsächlich vakant, d.h. wollte bzw. müßte man den nachkonziliaren „Päpste“ ihre Rechtmäßigkeit absprechen.

Nun, dagegen ist erstens einzuwenden, daß die katholische Kirche sehr wohl ihren Charakter als die von Jesus Christus selbst gegründete Heilsinstanz behält, sollte sie mal vorübergehend keinen Papst haben. Dieser Fall liegt immer nach dem Tod eines Papstes bis zur Neuwahl seines Nachfolgers vor, und zwar grundsätzlich unabhängig von der Frage, wieviel Zeit bis dahin vergeht, wie wir ja unter anderem auch vorhin sahen. Der Versuch irgendeines der Menschen, hierin eine vermeintliche maximal zulässige Zeitspanne (bis zur Neuwahl halt) anzugeben, würde der maßlosen Überschätzung der eigenen Vollmachten und dem Hineinpfuschen in den Zuständigkeitsbereich Gottes gleichkommen!

Dagegen kann die katholische Kirche unter keinen Umständen ohne den ihr von Jesus Christus selbst offenbarten seligmachenden Glauben existieren bzw. das bleiben, was sie nach dem Willen unseres göttlichen Erlösers sein soll! Denn der wahre Glaube macht das Wesen der Kirche aus, er ist gewissermaßen die Luft, die sie atmet und ohne die sie niemals am Leben bleiben kann. Und zwar kann es in diesem Zusammenhang grundsätzlich keine einzige Ausnahme geben!

Konzilskirche übt Glaubensverrat

Wenn wir uns also heute den katastrophalen Zustand der offiziellen Konzilskirche anschauen, dann ist die Feststellung, daß sie Glaubensverrat im großen Stil betrieben hat und weiterhin betreibt, und daß somit als Folge daraus ihre offiziellen Vertreter die von ihnen selbst beanspruchten Ämter längst verwirkt bzw. verloren haben, von unvergleichlich höherer Relevanz und Wichtigkeit (!) als der als Erwiderung darauf eingebrachte Einwand der Priesterbruderschaft, dies könne nicht sein, weil man ja sonst nicht wüßte, wie man dann später eventuell einen Papst wählen sollte. Natürlich können, ja sollen wir uns Gedanken über eventuelle künftige Papstwahlen machen, sollte der momentane traurige Zustand noch lange, wenigstens aber noch eine geraume Zeit, andauern (und sollte die katholische Kirche nach dem Ratschluß Gottes überhaupt jemals wieder zu einem guten Papst kommen).

Übrigens weiß dies alles nur Gott allein. Und sollten entsprechende Fragestellungen irgendwann mal entscheidungsreif werden, dann müßten wir entsprechend das kanonische Recht bzw. die Praxis der katholischen Kirche zu Rate ziehen, um eine Antwort auf die (aktuell gewordenen) gestellten Fragen geben zu können. Selbstverständlich können und dürfen die Antworten nur in Entsprechung zur kirchlichen Tradition ausfallen.

Aber deswegen dürfen wir noch lange nicht die Hierarchie der Dringlichkeiten und der Werte verwechseln, indem wir etwa fundamentale Erkenntnisse über das Wesen der Kirche und des kirchlichen Amtes mit dem Verweis auf zwar sehr wichtige, aber dennoch relativ zweitrangige Fragestellungen (bitte nicht falsch verstehen!) ignorieren wollten, wie dies die Priesterbruderschaft momentan offenkundig tut. Eine Person, die die Grundlagen der christlichen Offenbarung aufgibt, indem sie nämlich z.B. jeder (nichtchristlichen!) Religion eine Art göttlichen Charakter zuspricht, kann weder katholisch noch christlich noch Papst sein!

Und zwar unabhängig von der Frage, ob in der Zukunft eine Papstwahl stattfinden könne und wie sie gegebenenfalls durchgeführt werden solle! Ein Fehler, der im Zusammenhang mit der Frage, ob nun Johannes Paul II. Papst ist oder nicht, von einigen Gläubigen gelegentlich gemacht wird, ist, daß sie die Auffassung vertreten, es sei nicht von entscheidendster Bedeutung, wie sich die besagte Priesterbruderschaft dem offiziellen Rom gegenüber verhalte, ob sie dieses nun anerkenne oder nicht, sondern, daß man in ihren Kapellen und Prioraten trotz allem an einem überlieferten heiligen Meßopfer teilnehmen könne. Darauf komme es ja schließlich an.

Nun, diese Gläubigen dürfen sich nicht täuschen (lassen), daß die Frage nach dem Verhältnis Ecônes zur Amtskirche keinen Einfluß habe auf ihre eigene liturgische Praxis, falls sie dort zur Messe gehen. Dieser Zusammenhang besteht sehr wohl, denn nach einem altchristlichen liturgischen Brauch sieht auch der Römischen Meßritus (im ersten Gebet des Kanons) die Nennung des jeweils regierenden Papstes und des zuständigen Ortsbischofs vor. Die Opfergaben der Kirche werden nämlich vor allem für die katholische Kirche dargebracht, und zwar „in Gemeinschaft mit Deinem Diener, unserem Papst N., und unserem Bischof N. und allen Rechtgläubigen und denen, die den katholischen und apostolischen Glauben fördern“.

Und die Priesterbruderschaft besteht nach wie vor ausdrücklich darauf, daß die Erwähnung Johannes Pauls II. an der betreffenden Stelle des Kanons von allen ihren Priestern erfolgt! Dadurch drückt sie nichts anderes aus, als daß sie „in Gemeinschaft“, d.h. in Glaubens- und liturgisch-sakraler Gemeinschaft (!) mit diesem Hauptvertreter des modernistischen und vom katholischen Glauben abgefallenen Rom steht.

Widersprüche in der Meßpraxis

Folglich wird jede hl. Messe, die in den verschiedenen kirchlichen Einrichtungen der Priesterbruderschaft gefeiert wird, in Einheit (!) mit einer „Kirche“ zelebriert, die sowohl selbst den Glaubensabfall vollzogen hat als auch diesen überall, wo ihr Einfluß hinreicht, forciert fördert. Und davon ist ohne Ausnahme jeder Gläubige betroffen, der die betreffenden Messen besucht! Denn nicht er, sondern einzig und allein der zelebrierende Priester entscheidet über die Frage, in wessen „Gemeinschaft“ das von ihm gefeierte Opfer vollzogen wird. Somit wird jeder Meßbesucher in die geistige Nähe zum modernen Rom gebracht, ob er selbst dies nun will oder nicht.

Um so unverständlicher erscheint daher auch das Verhalten jener Gläubigen, die zwar Johannes Paul II. und das neue Rom aus Glaubensgründen nicht anerkennen (können), aber dennoch zur Messe in die Priorate der Priesterbruderschaft gehen, obwohl sie sogar eine Gelegenheit hätten, jene hl. Messen aufzusuchen, in denen keine Erwähnung der nachkonziliaren „Päpste“ stattfindet!

Auf der anderen Seite fällt auch die Priesterbruderschaft selbst mit dieser von ihr betriebenen Zelebrationspraxis durch einen neuen gewaltigen Widerspruch auf! Wie kann man jemand, der sich ja sogar nach eigenen Aussagen massiv und federführend an der Vernichtung der katholischen bzw. authentisch christlichen Glaubenssubstanz beteiligt, im Kanon der hl. Messe erwähnen und somit geradezu als einen „Rechtgläubigen“ und als einen Förderer des „katholischen und apostolischen Glaubens“ titulieren? Aber an diese leider so zahlreichen Widersprüche bei Mgr. Lefêbvre und seinen geistlichen Söhnen haben wir uns ja inzwischen schon fast gewöhnt.

Summa summarum muß abschließend gesagt werden, daß dieses in unserer dreiteiligen Abhandlung zur Sprache gebrachte widersprüchliche Verhalten der Priesterbruderschaft letztendlich nicht anders charakterisiert werden kann als ein äußerst gefährliches Spiel mit der Wahrheit. Zwar erweckt sie auf viele unserer Zeitgenossen, die sich nicht oder nicht genug in der Materie auskennen, den Eindruck, als wäre sie der Inbegriff des katholischen Widerstandes gegen den modernistischen Glaubensabfall. Wir wollen auch nicht leugnen, daß viele ihrer Mitglieder persönlich tatsächlich vom Interesse beseelt sind, den katholischen Glauben retten und ihm zum Sieg verhelfen zu wollen.

Weg der FSSPX führt nach V2

Nur stehen dabei der Priesterbruderschaft ihre eigenen Widersprüchlichkeiten in Lehre und im praktischen Verhalten massiv im Wege, ja sie stehen dem bisweilen sogar radikal entgegen! Denn wer nur die Hälfte sagt, die andere Hälfte aber wohl wissentlich verschweigt, der will schließlich doch nicht der Wahrheit dienen, sondern irgendwelchen zweit- oder drittrangigen Interessen. Und wer durch solche Einstellung geradezu glänzt, der trägt keinesfalls zur Lösung der anstehenden Fragen und Probleme bei, sondern verdunkelt sogar die Wahrheit und macht sich dadurch auf seine eigene Weise - bitte nicht erschrecken - zum Förderer und Handlanger des Irrtums!

Manche denken, ohne die Priesterbruderschaft gäbe es im katholischen Bereich keinen Widerstand gegen die modernistische Irrlehre des Neuen Rom. Wenn wir aber bedenken, wieviel Schaden diese sich in Überheblichkeit für elitär haltende Priesterbruderschaft an der Sache des katholischen Widerstandes angerichtet hat, allein schon indem sie z.B. auf eine unlautere Weise viele der Gläubigen aus sedisvakantistische Meßzentren abgeworben und diese letzteren, in denen eben wahrheitsorientierende Auseinandersetzung mit dem Neuen Rom geführt wurde, somit praktisch vernichtet oder wenigstens stark geschwächt hat, dann sieht die Sache schon ganz anders aus.

Somit wundert es einen auch nicht, daß immer wieder sogenannte traditionalistische Gruppen, die sich ursprünglich entweder innerhalb der Priesterbruderschaft befanden oder mit ihr eng assoziiert waren, den Weg zurück zur Amtskirche finden. Als solche wäre da zunächst die Wiegratzbader Priesterbruderschaft St. Peter zu erwähnen. Auf ihre Weise die Widersprüche der Piusbruderschaft nicht verkraftend, schließt sie sich zunächst Rom an und adaptiert nun zwar langsam, aber dennoch Schritt für Schritt die durch das Vatikanum II. hervorgebrachten Ideen und Irrlehren.

Und auch die Ereignisse um die brasilianische Priestergemeinschaft St. Jean Vianney, von denen wir ausgegangen sind, sind in ähnlicher Weise eine Art Ergebnis und Folge des unmöglichen Kurses, der seit Jahrzehnten in der Priesterbruderschaft St. Pius X. gefahren wird. Denn wer ständig seitens Ecônes die Kunde vernimmt, Rom sei Rom, Kirche sei Kirche, der zieht irgendwann mal auch die Konsequenzen daraus und schließt sich auch diesem Rom bzw. dieser „Kirche“ mehr oder weniger im vollen Umfang an. Auch und gerade die gewaltigen Widersprüche und die zahlreichen Inkonsequenzen der Priesterbruderschaft sind es nämlich, die für eine ganze Reihe der Gläubigen den Weg zurück zum Neuen Rom geebnet haben! Dies muß sie sich vorhalten lassen, ob es ihr nun gefällt oder nicht.


Verweise


Einzelnachweise

  1. 2. Kor. 6,14-16
  2. vgl. Mt. 7, 15
  3. Siehe Sodalitium Nr. 52, Dezember 2000